Kritik an Zoll-Politik

Trumps Wirtschaft auf dem Weg in die Rezession? Fünf Anzeichen sollten USA alarmieren

  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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Um die USA wieder groß zu machen, erbittet sich Donald Trump Zeit. Führt der Weg an sein Ziel durch eine Rezession? Die Anzeichen verdichten sich.

Washington – Donald Trump hat Großes mit den USA vor. Zum zweiten Mal will er das Land als US-Präsident wieder großartig machen. Und wird dafür von den „MAGA“-Anhängern beinahe wie ein Gottgesandter angehimmelt. In den ersten Wochen seiner zweiten Amtszeit tun sich die USA allerdings noch schwer damit, sich dieser Großartigkeit anzunähern.

Vielmehr wird aktuell immer wieder über eine drohende Rezession diskutiert. In einem Fox-Interview sagte Trump dazu: „Ich hasse es, so etwas zu prognostizieren.“ Stattdessen sehe die Realität so aus: „Wir befinden uns in einer Phase des Übergangs, weil das, was wir vorhaben, sehr groß ist. Wir bringen den Wohlstand zurück nach Amerika. Das ist eine große Sache (…) und die braucht ein bisschen Zeit, aber ich denke, es wird großartig für uns werden.“

USA vor Rezession? Experte äußert wegen Trumps Zöllen Befürchtung eines Abschwungs

Geduld ist also gefragt. Keine wirklich neue Forderung aus dem Mund eines Politikers. Trumps Handelsminister Howard Lutnick ging sogar noch weiter. In einem CBS-Interview betonte der langjährige Finanzmanager, die Trump-Politik sei „das Wichtigste, das Amerika je hatte“, weshalb sie es sogar „wert“ sei, dafür eine Rezession in Kauf zu nehmen.

Sein neuestes Werk: US-Präsident Donald Trump hat das Dekret für Zölle auf Fahrzeug-Importe unterschrieben.

Mark Zandi würde eine solche Wirtschaftskrise dagegen sehr wohl beunruhigen. Der Chef-Ökonom des Finanzdienstleisters Moody’s Analytics warnte angesichts der jüngst verhängten Zölle gegenüber CNN: „Man kann sich auch selbst in eine Rezession hineinreden, aber das fühlt sich an, als würden wir in eine Rezession hineingedrängt.“

Nach langem Hin und Her bezüglich angedrohter Zölle auf Einfuhren aus den Nachbarländern Kanada und Mexiko sowie aus Europa hatte Trump zuletzt auch die Kfz-Branche mit den zusätzlichen Gebühren belegt. Ab dem 3. April sollen 25 Prozent auf entsprechende US-Importe erhoben werden.

Führt Trump die USA in eine Rezession? Fünf Schlüsselindikatoren unter der Lupe

Der US-Präsident verspricht sich davon eine Stärkung der eigenen Wirtschaft und will zudem ausländische Unternehmen ins Land locken, um weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Experten befürchten vielmehr einen Handelskrieg, der am Ende die Verbraucher wegen steigender Preise teuer zu stehen kommen kann.

Überhebt sich Trump also mit seiner Zoll-Taktik und schadet seinem Land? Zuletzt wurde bereits die Wortkreation „Trumpcession“ aus der Taufe gehoben. Das US-Portal Newsweek hat in Zusammenarbeit mit Ökonomen die fünf Schlüsselindikatoren unter die Lupe genommen, anhand derer Experten die Wahrscheinlichkeit einer Rezession einschätzen. Dabei handelt es sich um das Vertrauen der Verbraucher, verspätete Kreditkartenzahlungen und Ausfallraten, Unsicherheiten in der Geschäftswelt, den Index der handelspolitischen Unsicherheit und Inflationserwartungen.

Lässt seinen Worten Taten folgen: US-Präsident Donald Trump bittet Konzerne für die Einfuhr von Fahrzeugen zur Kasse.

USA und die drohende Rezession: Stimmung unter den Verbrauchern sinkt immer weiter

Die Ausgaben der Verbraucher, die mit dem Optimismus hinsichtlich der Wirtschaftslage und der persönlichen Finanzen zusammenhängen, machen demnach schätzungsweise mehr als zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Hier sind die Aussichten alles andere als rosig, wie einige angeführte Zahlen offenbaren.

Der Consumer Confidence Index vom Think Tank The Conference Board weist im März einen um 7,2 Punkte niedrigeren Wert auf als im Monat zuvor. Die 92,9 Punkte wurden zuletzt im Januar 2021 unterboten, als sich auch die USA mitten in der Corona-Krise befanden. Sogar auf dem niedrigsten Level seit zwölf Jahren befindet sich der Expectations Index, der sich auf die kurzfristigen Aussichten für die Einkommens-, Geschäfts- und Arbeitsmarktlage fokussiert. Hier ging es um 9,6 auf 65,2 Punkte hinab. Bereits ein Wert von 80 wird als Hinweis auf eine bevorstehende Rezession angesehen.

Auch der Consumer Sentiment Index der University of Michigan lässt heraufziehende dunkle Wolken vermuten. Demnach verschlechterten sich die Stimmung der Verbraucher, die aktuelle Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und die Zukunftserwartungen der Verbraucher im März im Vergleich zum Februar sowie zum Vorjahresmonat teilweise deutlich. Die Zukunftserwartungen sanken binnen zwölf Monaten um 32 Prozent.

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Trumps Wirtschaft vor Rezession? Unsicherheiten nehmen wegen Zöllen zu

Hinsichtlich der Kreditkarten-Schulden weist die Federal Reserve Bank of New York mit Stand des vierten Quartals 2024 einen Rekordwert von 1,2 Billionen US-Dollar auf. Das macht sechs Prozent der gesamten US-Schulden von 18 Billionen US-Dollar aus.

Mit Blick auf die Geschäftswelt wird der Uncertainty Index der National Federation of Independent Business herangezogen. Dieser stieg im März um vier auf 104 Punkte. Das ist der zweithöchste Wert in der 51-jährigen Geschichte der Erhebung.

Der Federal Reserve Bank of St. Louis zufolge ist die Unsicherheit in der Wirtschafts- und in der Handelspolitik auf das höchste Level seit 2019 gestiegen. In jenem Jahr erreichte Trumps Handelskrieg mit China seinen Höhepunkt.

Diane Swonk, Chef-Ökonomin des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG, betont dazu laut Newsweek: „Der Index zur Unsicherheit hinsichtlich der Handelspolitik ist auf ein Rekordhoch gestiegen und lässt frühere Höchstwerte – während der Pandemie und des Handelskriegs mit China – wie kleine Ausschläge auf einem Radarschirm erscheinen.“ Im Vergleich mit Trumps Streit mit Peking in seiner ersten Amtszeit würden die neuen Zölle „eine viel größere Bandbreite von Waren und Ländern abdecken“.

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: In einem New Yorker Supermarkt ist das Regal mit den Eiern wegen der Vogelgrippe ziemlich verwaist. (Bild aus dem Januar)

US-Bürger befürchten stärkere Inflation: BIP bewahrt Trump wohl vor einer Rezession

Die Inflationserwartungen sind im Zwölf-Monats-Überblick von The Conference Board von 5,8 Punkten im Februar auf 6,2 Punkte im März gestiegen. Erklärt wird das von der Leitenden Ökonomin Stephanie Guichard mit den Sorgen infolge der hohen Preise für Haushaltsartikel wie Eier sowie der Einflüsse der Zölle.

Zudem wird eine Umfrage der Allianz Life herangezogen, laut der 71 Prozent der Teilnehmer binnen der nächsten zwölf Monate einen Anstieg der Inflation befürchten. Im vierten Quartal 2024 lag der Wert noch bei 60 Prozent. Derweil gaben 75 Prozent an, dass sie infolge der Zölle mit höheren Lebenshaltungskosten rechnen.

Düstere Aussichten angesichts dieser fünf Alarmzeichen. Die nicht die einzigen sind. Wohl auch deshalb wollte US-Finanzminister Scott Bessent eine Rezession zuletzt nicht ausschließen. Swonk verdeutlicht aber auch, davon werde per Definition erst gesprochen, „wenn zwei Quartale der Schrumpfung mit einem Rückgang der Beschäftigung einhergehen“. Das Bureau of Economic Analysis liefert für das BIP im vierten Quartal 2024 einen Anstieg um 2,4 Prozent. In den drei Monaten zuvor waren es noch 3,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg im Februar um 4,1 Prozent, im Januar waren es vier Prozent.

Noch sind die USA alles von einer Rezession ein gutes Stück entfernt. Die negative Stimmung dürfte aber auch bei Trump ankommen. Aktuell scheinen viele Bürger seine Politik alles andere als großartig zu finden. (mg)

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