US-Wahl 2024

Wegen TV-Duell gegen Trump: Zahlreiche Demokraten wollen wohl Bidens Verzicht auf Kandidatur erzwingen

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Joe Biden sieht beim TV-Duell gegen Donald Trump alt aus. Nun fordern viele Demokraten einen neuen Kandidaten. Biden betreibt Schadensbegrenzung.

Washington, D.C. – US-Präsident Joe Biden steht nach dem TV-Duell gegen Donald Trump schwer in der Kritik – auch in den eigenen Reihen. Das Urteil nach der Debatte Trump vs. Biden fiel für den amtierenden US-Präsidenten vernichtend aus. In einem Meinungsartikel schrieb die New York Times nach dem Auftritt: Um seinem Land zu dienen, müsse Biden sich aus dem Rennen um die US-Präsidentschaft zurückziehen. Auch unter den Demokraten wurden zuletzt Forderungen laut, Biden müsse als Kandidat für die US-Wahl 2024 ersetzt werden.

Nun sollen 25 Mitglieder des US-Repräsentantenhauses sich darauf vorbereiten, „Biden zum Rücktritt aufzufordern“, falls er „in den kommenden Tagen unsicher zu sein scheint“, heißt es in einem Reuters-Bericht. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf die Aussage eines anonymen Beraters des demokratischen Lagers im Repräsentantenhaus. Biden scheint unterdessen Schadensbegrenzung betreiben zu wollen und will laut Guardian-Bericht Gouverneure aus dem Lager der Demokraten von seiner Kompetenz überzeugen.

Nach TV-Duell-Desaster Trump vs. Biden: Forderungen nach Rückzug Bidens

Die Unzufriedenheit scheint groß und die Forderungen nach einem neuen Kandidaten für die US-Wahl im November werden lauter. Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage von Reuters/Ipsos zufolge sei einer von drei Demokraten der Meinung, Biden müsse den Wahlkampf nach seinem Auftritt bei der TV-Debatte beenden.

US-Präsident Joe Biden steht nach der TV-Debatte gegen Donald Trump in der Kritik (Archivbild)

Auch Wahlberechtigte in den USA scheinen Biden nicht länger für den vielversprechendsten Kandidaten für die Demokraten zu halten. Laut einer CNN-Umfrage gaben dreiviertel der wahlberechtigten US-Amerikaner an, dass die Demokraten mit einem anderen Kandidaten bei der US-Wahl im November bessere Chancen auf einen Sieg hätten.

Bereits vor dem TV-Duell wurde immer wieder diskutiert, ob Biden der richtige Kandidat für die Wahl im November sei. Nicht zuletzt aufgrund seines hohen Alters und seines mutmaßlich zweifelhaften gesundheitlichen Zustandes. Die CNN-Debatte gegen Trump löste nun jedoch Krisenstimmung im Lager der US-Demokraten aus.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

TV-Duell als Sieg für Trump: Schlechter Auftritt Bidens zieht Kritik und Forderungen nach sich

Das Duell wurde gemeinhin als Sieg für Trump gewertet – trotz zahlreicher Lügen des Ex-Präsidenten. Der 81-Jährige sprach in der Debatte undeutlich und mit heiserer Stimme – Sätze, die er mutmaßlich auswendig gelernt hatte, konnte er nicht auf den Punkt bringen oder beenden. Laut Bericht der New York Times, sollen sich auch Biden-Unterstützer aus dem Lager der Demokraten Minuten nach Beginn der Debatte verzweifelt gezeigt haben.

Abgeordneter der Demokraten fordert Biden auf, aus US-Wahlkampf auszusteigen

Lloyd Doggett aus dem Bundesstaat Texas war am Dienstag der erste Abgeordnete der US-Demokraten, der öffentlich Bidens Rückzug forderte. In einer Erklärung heißt es, Doggett hoffe, dass Biden „die schmerzhafte und schwierige Entscheidung“ treffen werde, aus dem Rennen auszusteigen. „Ich fordere ihn respektvoll dazu auf“, hieß es in der Erklärung des Abgeordneten weiter.

Biden will Gouverneure der Demokraten nach Duell-Desaster gegen Trump beruhigen

Auch die Gouverneure der Demokraten scheinen in Sorge. Internen Angaben zufolge trifft Biden am Mittwoch (3. Juli) Gouverneure und Capitol Hill Leaders. Biden wolle sie von „seiner Kompetenz überzeugen“. Das Treffen sei eine Reaktion auf die Debatte gegen Trump in der vergangenen Woche. Biden wolle nun der Unzufriedenheit unter den Parteiführern begegnen.

Laut Bericht der Associated Press sollen die Gouverneure Biden um das Gespräch am Mittwoch gebeten haben. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, bestätigte gegenüber AP ein Treffen sowie Gespräche mit Parteiführern im Kongress.

Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, Vorsitzender der Democratic Governors Association, erklärte demnach, dass die Gouverneure bei einer vorherigen Telefonkonferenz über die „offensichtlich schlechte Leistung“ in der Debatte gesprochen haben sollen. Mit einem Gespräch scheint Biden nun einige Demokraten besänftigen zu wollen und deren Sorge nach der TV-Debatte in Atlanta zu zerstreuen versuchen. (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Samuel Corum - Pool via CNP