Opfer im Ukraine-Krieg

Russland kennt wohl eigene Verluste nicht – Geheimdienst geht von 70.000 Toten aus

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    VonFranziska Schwarz
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Zu den Toten Russlands in den Gefechten im Ukraine-Krieg kommen wohl noch mehr als 300.000 Verwundete. Der Kreml hält sich über Zahlen bedeckt.

London – Im Ukraine-Krieg sind nach britischen Schätzungen bisher etwa 70.000 Russen getötet worden. Dabei handele es sich um 50.000 reguläre Soldaten sowie 20.000 Mitglieder der Wagner-Gruppe, teilte das britische Verteidigungsministerium am Montag (4. Dezember) mit.

Die Zahl der Verwundeten zwischen dem Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 und Ende November 2023 wird in London auf 180.000 bis 240.000 Soldaten und 40.000 Wagner-Söldner geschätzt. „Dies ergibt eine geschätzte Spanne von insgesamt 290.000 bis 350.000 Opfern unter russischen Kombattanten. Der Mittelwert der Schätzung liegt bei insgesamt 320.000 russischen Opfern“, hieß es weiter.

Genaue Angaben seien schwierig. Selbst in Russland sei die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten wahrscheinlich nicht bekannt, da innerhalb des Militärs eine etablierte Kultur unehrlicher Berichterstattung herrsche. Zu ukrainischen Verlusten machte die Behörde keine Angaben.

Ein ukrainischer Soldat im Kampfeinsatz in der Region Bachmut Ende November 2023

Russlands Verluste im Krieg angeblich höher als die der Ukraine

Nach Nato-Einschätzung von Ende November hat die Zahl der getöteten oder verwundeten russischen Soldaten die Marke von 300.000 überschritten. Im Sommer hatte die New York Times unter Berufung auf US-Regierungsbeamte von 120.000 getöteten und 170.000 bis 180.000 verwundeten russischen Soldaten berichtet. Für die Ukraine sprachen sie demnach von etwa 70.000 getöteten und 100 000 bis 120 000 verletzten Soldaten.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn der Kampfhandlungen in der Ukraine täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Die Regierung mit Kremlchef Wladimir Putin wirft London Desinformation vor.

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Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
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Keine neue Rekrutierungswelle in Russland vor der Wahl?

Vergangenen Monat meldeten britischer Geheimdienstexperten auch, dass sie eine neue russische Rekrutierungswelle bis zur Russland-Wahl 2024 für unwahrscheinlich halten. Der Kreml werde versuchen, unpopuläre Maßnahmen bis zu der für den 17. März angesetzten Präsidentschaftswahl zu minimieren, hieß es.

Putin hält sich bislang noch bedeckt, ob er bei der Wahl im März erneut antreten will. Im September hatte er erklärt, die Ankündigung einer möglichen Kandidatur „auf Ende des Jahres“ verschieben zu wollen. Sollte er sich zur Wahl stellen, gilt seine Wiederwahl als gesichert, da sich die wichtigsten Figuren der Opposition entweder in Haft oder im Exil befinden. Eine Wiederwahl würde Putin die Macht im Kreml bis 2030 sichern. (dpa/AFP/frs)

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