Entwickelt für den Häuserkampf

Waffe „Matador“: Deutschland liefert Ukraine 2056 Stück – ihr Vorteil ist eine Warnung

  • Patrick Mayer
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Nächste Waffen-Lieferung an die Ukraine: Deutschland übergibt Kiew mehr als 2000 Panzerabwehrwaffen „Matador“. Befürchtungen gegen Wladimir Putins Armee inklusive?

Kiew – Panzerabwehrlenkwaffen. Sie sind im Ukraine-Krieg ein Schrecken für die Invasionsarmee von Kreml-Autokrat Wladimir Putin aus Russland. Denn: Die Ukrainer setzen sie höchst effektiv gegen die Besatzer ein.

Waffen für die Ukraine: Deutschland liefert Panzerabwehrwaffen „Matador“

Zum Beispiel die amerikanische Javelin mit ihrem infrarotgelenkten Suchkopf, von deren Einsatz aktuell ein detailliertes Video bei X (vormals Twitter) kursiert. Sie sind wohl mit ein Grund dafür, warum Moskau seinen modernsten Panzer T-14 Armata bislang aus den Gefechten in der heimtückisch überfallenen Ukraine raushält.

Deutschland hat Kiew rund um Ostern recht unbemerkt nun weitere Panzerabwehrhandwaffen geliefert – und zwar 2056 Stück. Das geht aus der Liste der militärischen Unterstützungsleistungen der Ampel-Bundesregierung hervor. Die Rede ist von der RGW 90 Matador.

Eine Panzerabwehrhandwaffe Matador. (Archivfoto)

Waffen-Lieferungen an die Ukraine: Nächstes Paket aus Berlin für Kiew

Berlin hatte bereits zuvor 7944 der ungelenkten rückstoßfreien Panzerabwehrhandwaffen bereitgestellt, jetzt kam eine weitere große Lieferung hinzu. Wie der Name schon sagt, ist die Waffe mit einer Länge von einem Meter sehr handlich und mit einem Gewicht von 11,3 Kilogramm (ohne Ladung) von Soldaten schultergestützt gut einsetzbar.

Ihr großer Vorteil wirkt indes zugleich wie eine mahnende Warnung. Denn: Die nur geringe Hitzewirkung nach hinten beim Schuss ermöglicht den Einsatz in beengten Räumen, ergo im Häuserkampf oder aus diesen heraus auf leichte gepanzerte Fahrzeuge. Zur Einordnung: Bei anderen Panzerabwehrwaffen, wie der sowjetischen RPG-7, wird ein Teil der stark erhitzten Verbrennungsgase der Treibladung nach hinten aus dem offenen Rohr ausgestoßen. Das macht ihren Einsatz in oder aus Räumen für ihre Träger und daneben stehende Soldaten sehr gefährlich.

RGW 90 Matador
Waffentyp:ungelenkte rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe
Länge:1 Meter
Gewicht:11,3 Kilogramm (ungeladen)
Kaliber:90 Millimeter
Munition:HEAT- Hohlladungsgeschoss oder HESH-Quetschkopfgeschoss

Panzerabwehrwaffe Matador: Russische BMP-Schützenpanzer könnten Ziel sein

Konkret: Ihnen drohen schwere Verbrennungen. Das wird bei der RGW 90 Matador ausgeschlossen. Damit nicht genug der militärischen Vorzüge: Die Panzerabwehrhandwaffe Matador kann mit verschiedenen Gefechtsköpfen mit großer Reichweite ausgerüstet werden. Heißt: Sowohl HEAT-Geschosse auf Hohlladungsbasis gegen gepanzerte Ziele als auch HESH-Quetschkopfgeschosse gegen gemauerte Befestigungen dienen als mögliche Munition – je nach Einsatzszenario. Die Panzerung russischer Kampfpanzer dürfte zwar eine zu große Hürde darstellen. Die leichten Schützenpanzer BMP-1 und BMP-2 mit einer Panzerung von gerade mal 26 bis 33 Zentimetern sind wohl aber ein realistisches Angriffsziel.

Die Durchschlagskraft gegen Mauern ermöglicht dagegen beschriebenen Häuserkampf. Weil genau das befürchtet wird, während aktuell ein Artilleriekrieg tobt? Im vergangenen Vierteljahr wurde unter internationalen Beobachtern wie dem Institute for the Study of War (ISW) eifrig über eine mögliche russische Großoffensive auf Charkiw mit seinen rund 1,5 Millionen Einwohnern spekuliert, was Kiew zuletzt (eigenwillig) für unmöglich erklärte.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine-Krieg: Möglicherweise russische Großoffensive auf Charkiw?

Aktuell hält die Verteidigungslinie bei Kupjansk rund 85 Kilometer südöstlich von Charkiw. Seit Wochen wird die Großstadt im Nordosten, die nur 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt liegt, aber verstärkt und besonders hinterlistig aus der Luft angegriffen. Sogar freifallende Bomben kommen offenbar zum Einsatz, die sich nicht in ein Ziel lenken lassen, sondern dort aufschlagen, wo sie gerade herunterfallen. Also sehr wahrscheinlich auf ziviler Infrastruktur und auf Wohnhäusern. Das könnte also Indiz dafür gewertet werden, dass die russischen Streitkräfte die symbolträchtige Stadt sturmreif bomben wollen, ehe Bodentruppen angreifen könnten.

Bezeichnend: Die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) setzten die Matador, die einst ab dem Jahr 2000 vom mittlerweile aufgelösten deutschen Waffenbauer Dynamit Nobel AG entwickelt wurde, im Januar 2009 bei der Operation „Gegossenes Blei“ im Gazastreifen in just diesem Häuserkampf ein. Ob die Waffe von den IDF aktuell wieder in Gaza eingesetzt wird, ist nicht bekannt, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Während die ukrainische Armee zunehmend damit ausgestattet wird. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Dreamstime

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