Verheerende Kriegsfolgen

Verluste im Ukraine-Krieg überschreiten tragische Grenze

  • Alexandra Heidsiek
    VonAlexandra Heidsiek
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Durch den Ukraine-Krieg sind Millionen von Menschen auf der Flucht, verletzt, verstorben. Für die Ukraine erschwert das den Weg in die Zukunft.

Kyjiw – Seitdem Russland vor zweieinhalb Jahren in die gesamte Ukraine eingefallen ist, sind mehr als eine Million Menschen auf beiden Seiten entweder getötet oder verwundet worden. Das ergab eine Recherche des amerikanischen Wall Street Journal (WSJ), die sich auf geheime Schätzungen bezieht.

Die Zahl der im Ukraine-Krieg Verstorbenen und Verwundeten beträgt inzwischen über eine Million.

Russland und die Ukraine erleiden hohe Verluste im Ukraine-Krieg – Komplizierte Schätzung

Zuverlässige Zahlen gibt es kaum. Das russische Verteidigungsministerium nennt keine eigenen Verluste, nur im September 2022 gab der damalige Verteidigungsminister Sergei Schoigu eine Zahl von 5937 getöteten Soldaten bekannt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im Februar 2024 angegeben, 31.000 Ukrainer seien bisher im Krieg gefallen. Beide Schätzungen sind mutmaßlich untertrieben, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen und die Mobilisierung neuer Rekruten nicht zu gefährden.

Das WSJ geht hingegen von 80.000 Getöteten und 400.000 Verwundeten auf ukrainischer Seite aus. Die Zahl stamme von „Menschen, die sich mit der Sache auskennen“. Das anonyme Projekt ualosses.org verzeichnet über 55.000 im Krieg getötete Ukrainer, ausgewertet wurden behördliche Ankündigungen, Medienberichte, Gedenkorte und Beiträge von Verwandten in den sozialen Medien.

Die russischen Todesopfer bezifferten westliche Geheimdienste laut WSJ auf bis zu 200.000, 600.000 weitere Soldaten seien verwundet worden. Die BBC und das unabhängige russische Medium Mediazona konnten auf Basis öffentlich zugänglicher Daten die Namen von 69.000 verstorbenen russischen Soldaten ausmachen. Das Exil-Medium Meduza schätzt Moskaus Verluste im Ukraine-Krieg nach Auswertung des offiziellen Nachlassregisters der Russischen Föderation auf 120.000, täglich würden etwa 200 bis 250 Menschen sterben.

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Die ukrainische Bevölkerung schwindet durch den Krieg

Vor allem für die Ukraine ist der Krieg ein ausgewachsenes demografisches Problem. So gibt die Regierung in Kiew an, die Bevölkerung in der Ukraine sei seit Kriegsbeginn von 40 Millionen auf 25 bis 27 Millionen geschrumpft. Nicht nur die hohe Gefallenenanzahl, auch die 6,5 Millionen Menschen, die vor dem Krieg fliehen, tragen zu einem rapiden Bevölkerungsrückgang bei. Zudem werden weniger Kinder geboren. Die Todesfälle übersteigen die Geburten in der Ukraine aktuell um das Dreifache, wie aus Daten des ukrainischen Justizministeriums hervorgeht.

Auch Russland kämpft schon lange mit einer niedrigen Geburtenrate. Die bisherige Lösung von Wladimir Putin sieht dagegen so aus: mehr Territorium einnehmen. Ob diese zynische Rechnung am Ende aufgeht? (ah)

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