Verluste im Ukraine-Krieg

Ukraine-Krieg: Russland erzielt geringe Fortschritte an der Front – unter enorm hohen Verlusten

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Russland kommt im Ukraine-Krieg in kleinen Schritten voran, erleidet dabei aber enorm hohe Verluste. Ein Blick auf die Zahlen.

Kiew – Die Zahlen sind verheerend. Russlands Armee rückt an der Front zwar langsam vor, doch ihre Verluste sind gewaltig. Genaue Daten gibt es nicht, westlichen Schätzungen nach sind inzwischen über 115.000 russische Soldaten gefallen und mehr als eine halbe Million verwundet – mit zuletzt deutlich steigender Tendenz. Der 19. November markiert den 1000. Tag von Moskaus Ukraine-Krieg.

Exakte Zahlen zu den Verlusten, die der russische Präsident Wladimir Putin in Kauf nimmt, sind während des Krieges kaum zu bekommen. Moskau hält seine tatsächlichen Verlustzahlen geheim, ebenso wie die Ukraine. Daten gibt es dennoch: So haben das unabhängige russische Medienunternehmen Mediazona sowie der russische Dienst der BBC bisher die Namen von 79.819 getöteten russischen Soldaten verifizieren können.

Putin nimmt immer höhere Verluste für Russland im Ukraine-Krieg in Kauf

Die Verluste sind zuletzt offenbar rasant gewachsen. Nach Angaben des britischen Generalstabschefs Tony Radakin hat Russland im Oktober die schwersten Verluste seit Kriegsbeginn erlitten. Im Schnitt habe Russland pro Tag 1500 Tote oder Verwundete täglich zu beklagen, sagte Radakin in einem Interview der BBC. Die Geländegewinne fielen dagegen eher gering aus. Allerdings sind Putins Soldaten seit der Eroberung der Festung Awdijiwka bei Donezk zu Jahresbeginn etwa 40 Kilometer nach Westen vorgerückt. 

Der Ukraine-Krieg dauert inzwischen mehr als 1000 Tage. Die Verluste sind enorm. (Archivbild)

Dem ukrainischen Generalstab zufolge liegen die gesamten Verluste für Russland jeden Tag offenbar deutlich über der Marke von 1000. So sollen allein in den vergangenen 24 Stunden etwa 1020 russische Soldaten bei Kampfhandlungen getötet oder schwer verletzt worden sein. Die Gesamtzahl der Opfer steigt demnach auf knapp 730.740 tote und verwundete Soldaten. Die Daten lassen sich unabhängig jedoch nicht überprüfen.

Die Verluste von Russland im Ukraine-Krieg in Zahlen

DatumVerluste am TagVerluste insgesamt
24. November (So)1020730.740
23. November (Sa)120729.720
22. November (Fr)1050728.300
21. November (Do)1510727.250
20. November (Mi)1690725.740
19. November (Di)1610724.050
18. November (Mo)1560722.440
17. November (So)1640720.880
16. November (Sa)1650719.240

Auch bei der Ausrüstung muss Russland schwere Verluste im Ukraine-Krieg hinnehmen

Neben den Verlusten unter den Soldaten, werden auch zerstörte Panzer, Drohnen und andere Waffensysteme dokumentiert. Die Zahlen in der folgenden Liste werden ebenfalls von der ukrainischen Militärführung mitgeteilt (Stand 24. November). Diese Zahlen können ebenfalls nicht überprüft werden.

  • Panzer: 9423 (+4 zum Vortag)
  • Gepanzerte Fahrzeuge: 19.209 (+17)
  • Artilleriesysteme: 20.765 (+5) 
  • Mehrfach-Raketenwerfer: 1254
  • Luftverteidigungssysteme: 1004
  • Drohnen: 19366 (+1) 
  • Flugzeuge: 369
  • Hubschrauber: 329
  • Marschflugkörper: 2764
  • Kriegsschiffe und Boote: 28
  • U-Boote: 1
  • Fahrzeuge und Tanklaster: 29.864 (+14)
  • Spezialausrüstung: 3679 (+1)

Krieg in der Ukraine

Über alle Entwicklungen aus dem Ukraine-Krieg und die Lage an der Front informieren wir aktuell in unserem News-Ticker zum Ukraine-Krieg.

Auch Nordkorea erleidet offenbar bereits Verluste im Ukraine-Krieg

Im russischen Grenzgebiet Kursk halten ukrainische Truppen weiter Ortschaften besetzt – wie und wann kann Russland dort die Kontrolle zurückerlangen? 50.000 Soldaten hat Russland dort zusammengezogen, darunter auch etwa 10.000 Kämpfer aus Nordkorea.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ziel ist, mit einer Großoffensive die Ukrainer bis zum Amtsantritt von Donald Trump in den USA aus dem Land zu vertreiben. Keinesfalls will Kremlchef Wladimir Putin bei einem möglichen Einfrieren des Krieges russisches Gebiet aufgeben. Bisher sind die russischen Angriffe allerdings bei hohen Verlusten ohne größeren Erfolg verlaufen. (cs)

Rubriklistenbild: © Russisches Verteidigungsministerium/AP/dpa

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