Upgrade gegen Russlands Luftverteidigung

Ukraine rüstet MiG-Kampfjets mit Köderdrohnen gegen Putins Radarsysteme aus

  • VonSimon Schröder
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Die ukrainischen MiG-29 Kampfjets bekommen ein Upgrade. Eine Hightech-Drohne soll Putins Radarsystem verwirren und in Verbindung mit den ATACMS verheerenden Schaden anrichten.

Kiew – Spezielle Köderdrohnen sollen in den MiG-29 Kampfjets der Ukraine implementiert werden. Das Upgrade soll der MiG-29 einen entscheidenden Vorteil gegen die russische Luftwaffe und -Abwehr verschaffen. Die sogenannten ADM-160 MALD des US-Rüstungskonzerns Raytheon, setzen darauf, den gegnerischen Radar zu verwirren, sodass die ukrainischen Raketen ihr Ziel ungestört treffen können.

Militärexperte Serhiy Zgurets erklärt gegenüber der Militärfachzeitschrift Defense Express die Funktionsweise der Drohne: „Bei diesen amerikanischen sogenannten ADM-160 MALD-Täuschkörpern handelt es sich um eine Drohne, die einer Rakete ähnelt. Während des Fluges kann sie ein elektrisches Feld um sich herum erzeugen, sodass der Feind nicht erkennen kann, ob es sich um einen Marschflugkörper, ein Jetflugzeug oder einen Bomber handelt. Und der Feind ist gezwungen, seine Luftabwehrsysteme einzuschalten, um den Angriff dieses falschen Ziels abzuwehren, das er mit einem echten Ziel verwechselt“, führt der Experte aus.

Zwei MiG-29 Kampfflugzeuge der polnischen Luftwaffe. Auch im Ukraine-Krieg kommen die Jets zum Einsatz. Ein Upgrade soll der ukrainischen Luftwaffe nun den Vorteil geben.

Köderdrohnen und ATACM-Rakten der Ukraine gegen Putins Luftwaffe

Die Reichweite dieser Drohnen soll um die 400 Kilometer betragen und vor allem in Kombination mit den ATACM-Raketen der USA besonders effektiv sein. Das kommt gerade gelegen: Die USA hatte der Ukraine erst kürzlich im Rahmen des verabschiedeten US-Hilfspakets brandneue ballistische ATACM-Raketen geliefert, die vor allem auf der von Russland besetzten Krim verheerenden Schaden anrichten.

In einem Beitrag auf der Social-Media-Plattform X äußerte sich Colby Badhwar, ein Sicherheitsexperte, zuversichtlich. Die Kombination aus MALDs, ATACMS und dem britischen Strom Shadow Marschflugkörper gestalte die Angriffe auf die russische Flugabwehr zunehmend Komplexer. Somit sinke die Effektivität der russischen Verteidigung des Luftraums.

Auch sei der Einsatz der MALDs keine Neuheit. Die Drohne kommt bereits seit 2023 im Ukraine-Krieg zum Einsatz. So soll die Hightech Drohne bereits im Mai vergangenen Jahres erfolgreich eingesetzt worden sein, wie Zgurets weiter ausführt: „Die Täuschkörper der ukrainischen Luftwaffe werden schon seit langem eingesetzt. Der erste Einsatz erfolgte im Mai 2023.“

Kampfjet-Debakel für Putin im Ukraine-Krieg – Su-25 im Visier der ukrainischen Luftabwehr

Generell haben es die russischen Jets und Bomber nicht gerade einfach, gegen die ukrainische Verteidigung anzukommen. Zwar hat die Ukraine momentan große Probleme, den Raketenangriffen Wladimir Putins auf die ukrainische Infrastruktur Einhalt zu gebieten, doch die teuren Kampfjets schießt Kiew regelmäßig vom Himmel. Zuletzt hatte die ukrainische Armee immer wieder die Su-25 Jets der Russen abwehren können, so wurden im Mai allein bereits mindestens sechs der Jets erfolgreich zerstört. Insgesamt belaufen sich die Verluste der russischen Luftwaffe auf über 300 Kampfjets, laut Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums.

Auch der kontrovers diskutierte Super-Jet der Russen, die Su-57, traut sich nicht auf ukrainisches Gebiet. Zwar wurde der Jet mehrmals gesichtet, doch soll er bisher wohl nur über russischem Territorium geflogen sein und sich nicht in die Ukraine getraut haben. Der Abschuss dieses Tarnkappenjets würde für die russische Verteidigungsindustrie nämlich einen herben Gesichtsverlust bedeuten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Vom russischen „Super-Jet“ und „Super-Panzer“ fehlt jede Spur an der Ukraine-Front

Und der Super-Jet ist nicht das einzige Militärvehikel, das vorerst wohl nicht an der Ukraine Front für die Russen kämpfen wird. Der viel gepriesene Armata T-14 Panzer Putins verstaubt ebenfalls in den Produktionshallen und wird lediglich auf Militärparaden zur Schau gestellt. An der Front fehlt jede Spur vom neuen Kampfpanzer. Zuletzt berichtete das RedaktionsNetzwerk Deutschland, dass der neue Koloss wohl einfach zu teuer sei.

Und Putin kann sich den Verlust seiner „Super-Waffen“ einfach nicht leisten. Das britische Verteidigungsministerium spekulierte in ihrem Ukraine-Update im Oktober, dass der Verlust einer Su-57 zu einem großen Imageschaden führen würde. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Russland in erster Linie den Rufschaden, die geringeren Exportchancen und die Kompromittierung sensibler Technologie vermeiden will, die ein Verlust mit sich bringen würde“, wie das Ministerium anführt.

Somit scheint Russland vorerst den großen Sowjet-Bestand an Kriegsmaschinerie aufzubrauchen. Ob die Su-57 oder der Armata Panzer je an der Ukraine Front eingesetzt werden, scheint nicht einmal Putin selbst zu wissen. (sischr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Björn Trotzki