Kriegspropaganda bei Opferzahlen

Schwere Verluste im Ukraine-Krieg – Russland und Ukraine überbieten sich mit Angaben

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Die Ukraine und Russland liefern sich nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in der Propaganda einen erbitterten Kampf. 

Kiew/Moskau – Die Angaben zu den Verlusten im Ukraine-Krieg sind unabhängig bestenfalls nur sehr schwer, meist jedoch gar nicht zu überprüfen. Beide Seiten, sowohl Russland als auch die überfallene Ukraine, nehmen für sich in Anspruch, der jeweils anderen Kriegspartei hohe personelle und materielle Schäden zuzufügen.

Am Dienstag (21. November) hatte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einer Sitzung ranghoher Militärs verkündet, die Kiewer Versuche zur Errichtung eines Brückenkopfs am russisch besetzten Ufer des Flusses Dnipro im Süden der Ukraine seien gescheitert. „Kein Versuch der ukrainischen Streitkräfte einer Landeoperation im Raum Cherson hatte Erfolg“, so Schoigu.

Ukrainische Verluste im Krieg: Schoigu nennt hohe Zahlen

Die russischen Truppen erlaubten ihren Gegnern keinen Raumgewinn und fügten ihnen „erhebliche Verluste“ zu, sagte der 68-Jährige. Er bezifferte die Zahl der ukrainischen Opfer seit Monatsbeginn auf knapp 14.000 Militärs. „Kolossale“ 13.700 Soldaten habe der Feind verloren, so Schoigu nach einem Bericht der staatlichen russischen Medienanstalt RT. Schoigu behauptete auch, die Ukraine habe im alleine im November 1800 Panzer und „andere schwere Waffen“ verloren.

Soldaten der 1. Brigade der ukrainischen Nationalgarde Bureviy (Hurricane) während einer Gefechtsausbildung im Norden der Ukraine. (Symbolfoto)

Auch der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte gibt regelmäßig Zahlen zu den Verlusten Russlands an der Front bekannt. Kiew teilte am Dienstag mit, dass Russland seit Beginn des Krieges am 24. Februar 2022 insgesamt 319.820 Soldaten verloren habe, darunter alleine 17.400 russische Soldaten, die im Laufe des Novembers gefallen sein sollen.

Letzte Woche behauptete die Ukraine, dass Russland einen seiner schlimmsten Tage während des Krieges erlebte und innerhalb von 24 Stunden 1.330 Militärangehörige verlor. Weniger als einen Monat zuvor, am 19. Oktober, gab Kiew an, dass 1.380 russische Soldaten an einem einzigen Tag getötet worden seien.

Aktuelle Angaben über russische Verluste

Nach Angaben des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine hat das Militär zwischen dem 24. Februar 2022 und dem 24. November 2023 rund 322.900 russische Eindringlinge in der Ukraine ausgeschaltet, darunter allein 1.100 Eindringlinge am vergangenen Tag. Dies geht aus der täglichen Mitteilung der Streitkräfte am 24. November auf Facebook hervor. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhängig prüfen.

Unabhängige Angaben kaum möglich

Verlässliche Zahlen aus unabhängigen Quellen sind nur schwer zu bekommen. Das britische Verteidigungsministerium erklärte letzten Monat, dass Russland während des Krieges „wahrscheinlich“ bis zu 290.000 Opfer zu beklagen hatte, einschließlich der „vorübergehend verwundeten“ Soldaten, aber ohne die Verluste der privaten Söldner-Gruppe Wagner.

Eine im April durchgesickerte Einschätzung des US-Verteidigungsministeriums kam nach Angaben von Newsweek zu dem Schluss, dass die Ukraine 124.500 bis 131.000 Opfer zu verzeichnen hätte, darunter 15.500 bis 17.500 Tote und 109.000 bis 113.500 Verwundete. Diese Zahlen stehen im krassen Gegensatz zu den Angaben Moskaus, wo Präsident Wladimir Putin im Oktober verkündete, dass die Ukraine alleine seit Beginn ihrer Gegenoffensive im Juni 90.000 Soldaten verloren habe.

Egal, wie diese Daten auch zu werten sind – die Zahl miliitärischer Opfer ist hoch. Aber auch unter der Zivilbevökerung sind viele Opfer zu beklagen. Die Menschenrechtskommision der Vereinten Nationen in der Ukraine berichtete unlängst, dass die Zahl der im Krieg getöteten ukrainischen Zivilisten 10.000 übersteigt, darunter mehr als 560 Kinder. Weitere 18.500 Zivilisten sollen seit Beginn des Krieges verletzt worden sein.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Hohe Opferzahlen auch in der Zivilbevölkerung im Ukraine-Krieg

„Zehntausend Tote unter der Zivilbevölkerung sind ein düsterer Meilenstein für die Ukraine“, sagte Danielle Bell, Leiterin der Kommision. „Der Krieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine, der jetzt in den 21. Monat geht, droht sich zu einem langwierigen Konflikt zu entwickeln, dessen darmatische Folgen für die Bevölkerung nur schwer zu ermessen sind.“

„Fast die Hälfte der zivilen Opfer in den letzten drei Monaten ist weit weg von den Frontlinien zu beklagen“, fügte sie hinzu. „Infolgedessen ist kein Ort in der Ukraine völlig sicher.“

Genaue Opferzahlen sind in jedem Krieg also schwer zu ermitteln – aber der russisch-ukrainische Konflikt hat unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Angaben auf beiden Seiten einen hohen Tribut gefordert. Dabei spielt es keine Rolle, wessen Zahlen der Realität näher kommen. (skr)

Rubriklistenbild: © Efrem Lukatsky

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