US-Besuch im Vatikan

Vance tritt bei letztem Papst-Besuch vor dessen Tod ganz tief ins Fettnäpfchen

  • VonKonstantin Ochsenreiter
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Während die Welt um den Papst trauert, tobt im Internet eine hitzige Debatte. Trump-Vize Vance soll ein striktes Verbot des Vatikans missachtet haben.

Rom – Papst Franziskus verstarb am Ostermontag im Alter von 88 Jahren. Nicht einmal 24 Stunden zuvor – unmittelbar vor dem Ostersegen – bekam er Besuch von Trump-Vizepräsident JD Vance.

Als die Nachricht über den Tod des Papstes um die Welt ging, gab es jedoch einen weiteren Eklat um Vance. Mit nur einem Bild sorgte er kurz vor dem Ableben des Papstes für einen Affront gegenüber der katholischen Kirche – und das Internet bebte.

Papst-Beerdigung in Rom: Trump trägt blau, Selenskyj im Anzug

Mit schwarzem Kopftuch: Melania Trump mit ihrem Mann, US-Präsident Donald Trump, bei der Trauerfeier zum Begräbnis von Papst Franziskus im Vatikan. Die First Lady der USA feierte an dem Tag auch ihren 55. Geburtstag.
Die italienische Regierungschefin Georgia Meloni mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Samstag beim Papst-Begräbnis in Rom.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Ehefrau Brigitte Macron bei der Trauerfeier für Papst Franziskus in Rom.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die ukrainische First Lady Olena Selenska bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.
Papst-Beerdigung in Rom: Trump trägt blau, Selenskyj im Anzug

Vance bricht eine der berühmtesten Regeln des Vatikans

Der konvertierte Katholik Vance wurde bei seiner Papstaudienz von der Fotografin des Weißen Hauses, Emily Higgins, begleitet. Die ikonischen Städten des Vatikans locken jährlich rund zehn Millionen Menschen aus aller Welt an. Vance brach eine Regel, an die sich alle halten müssen: Er schoss ein Bild mit seinem kleinen Sohn im Arm, während beide zur Decke der Sixtinischen Kapelle aufblicken – Das Internet tobt.

Die Fresken der Kapelle wurden im frühen 16. Jahrhundert von Michelangelo gemalt. Das berühmteste ist „Die Erschaffung Adams“. Um dieses Erbe der Rennessaincekunst zu schützen, hat der Vatikan eine strenge Regel erlassen: Fotografieren in der Kapelle ist verboten. Es gibt Berichte, dass der Vatikan rigoros gegen Verstöße vorgeht. Laut der Website ist das Sicherheitspersonal befugt, Besuchern Kameras abzunehmen, und sie alle Fotos löschen zu lassen – sofern sie bei einem Verstoß erwischt werden.

Nachdem MAGA-Influencer Charlie Kirk das Foto von Vance in der Sixtinischen Kapelle auf X gepostet hatte, geriet der Vizepräsident schnell in die Kritik.

Vance-Posting sorgt für Diskussionen: Republikaner und Demokraten im Zwist

Unter dem Posting wurden weit über 1.000 Kommentare verfasst. Der X-User „Blue Georgia“ schrieb beispielsweise: „In der Sixtinischen Kapelle dürfen keine Fotos gemacht werden. Selbst bei etwas so Einfachem denken sie, dass die Regeln für sie nicht gelten.“ Ein weiterer User wollte scherzhaft wissen, ob der Papst an Fremdscham gestorben sei.

Auf der anderen Seite des digitalen Grabenkampfes positionieren sich republikanische Vance-Treue: User Tim San Fillippo beispielsweise glaubt in den Gottesbildern der italienischen Kapelle „Das Amerika, wofür wir kämpfen“ zu erkennen.

Fettnäpfchen oder Vision für Amerika: Die Kommentartsektion ist sich uneinig.  

Charlie Kirk selbst versucht seine Kritiker anders ruhigzustellen: Auf den Vorwurf, die Bilder wären ohne Einwilligung des Vatikans entstanden, schrieb er „Falsch! Der Vatikan hat dem Team des Vizepräsidenten nicht nur ausdrücklich die Erlaubnis erteilt, ihren Besuch zu fotografieren, sondern er hat auch selbst Videos von ihrer Tour veröffentlicht. Dies war auch bei anderen offiziellen Staatsbesuchen der Fall, so auch beim Besuch von Michelle Obama im Jahr 2009.“

Vance ist wohl nicht bei der Beisetzung des Papstes dabei

US-Vizepräsident Vance wird wohl nicht gemeinsam mit Präsident Donald Trump am Begräbnis von Papst Franziskus teilnehmen. Das teilte Vance, der sich mittlerweile auf einer viertägigen Indien-Reise befindet, am Mittwoch mit.

Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und der US-Regierung war trotz diplomatischer Umgangsformen durchaus angespannt. Besonders beim Thema Migration bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Im Februar hatte Franziskus in einem Schreiben an die US-Bischöfe erneut die Migrationspolitik von US-Präsident Donald Trump kritisiert. Er sah eine Diskriminierung von Migranten und Flüchtlingen. (ko)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/picture alliance/dpa/ IMAGO / ZUMA Press Wire (montage)