Stadt steht vor der Einkesselung
Vorstoß auf Wuhledar: Russland könnte Ukraine-Festung in wenigen Tagen besetzen
VonFelix Durachschließen
Russlands Militär macht im Ukraine-Krieg weiter Boden auf die Festungsstadt Wuhledar gut. Kiew droht eine empfindliche Niederlage.
Wuhledar – Bereits am ersten Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine nahmen die Streitkräfte von Präsident Wladimir Putin die Stadt Wuhledar in der Region Donezk ins Visier. Bei einem Angriff mit Streumunition am 24. Februar 2022 wurden vier Menschen getötet. Seitdem versuchte die russische Armee immer wieder, die Kleinstadt in der Ostukraine einzunehmen und verlor dabei unzählige Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge. Doch Wuhledar blieb wehrhaft und wurde zum Symbol für die Moral der ukrainischen Verteidiger. Jetzt droht Moskau im Ukraine-Krieg erneut mit der Eroberung der Stadt – und dieses Mal ist die Aussicht auf Erfolg groß.
Russland stößt bei Wuhledar vor – Fall der Stadt nur noch „Frage von Tagen“
„Die Situation ist schwierig“, konstatierte der ukrainische Militäranalyst Ivan Stupak im Gespräch mit dem regierungskritischen russischen Portal The Moscow Times. Mit Blick auf das Tempo des russischen Vormarsches nahe der Stadt könnte der Fall von Wuhledar nur noch eine „Frage von Tagen“ sein.
Grund für diese Einschätzung sind neue Offensivbemühungen der russischen Armee an der Front. Wie die Karte des ukrainischen Open-Source-Projekts „Deep State UA“ zeigt, versuchen Putins Truppen derzeit, im Osten und Westen der Stadt vorzurücken und die Verteidiger somit in der Stadt einzukesseln. Sollte es der russischen Armee gelingen, die letzte verbleibende Versorgungsroute im Norden der Stadt abzuschneiden, dürfte es für die ukrainischen Truppen vor Ort keine Hoffnung auf das Halten der Stadt geben.
Festungsstadt im Ukraine-Krieg vor dem Fall – Wuhledar „praktisch umzingelt“
Wuhledar sei „eine Festungsstadt, ein befestigtes Gebiet auf einem Hochland, das über viele Jahre aufgebaut wurde. Sie sollte durchhalten, aber leider kommen wir an den Punkt, an dem die Stadt praktisch umzingelt ist“, sagte Stupak mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen. Als Hauptgründe für die Entwicklungen nannte der Militäranalyst eine voranschreitende Erschöpfung der ukrainischen Verteidiger und unzureichende Waffenlieferungen durch den Westen. Darüber hinaus seien Truppen und Ausrüstung aus Wuhledar nach Pokrowsk verlegt worden, um die strategisch wichtige Stadt gegen russische Vorstöße zu verteidigen.
Auch in Pokrowsk konnten Putins Truppen zuletzt Gebietsgewinne erzielen. Moskaus Streitkräfte sollen nur noch knapp zehn Kilometer von der Stadt entfernt sein, die als Schlüssel zu Putins Erfolg in Donezk angesehen wird. Oberst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer bezeichnete die Stadt im Gespräch mit der Deutschen Welle als logistischer Knotenpunkt der Region. „Sie bildet das Rückgrat der ukrainischen Verteidigung und Versorgung von Wuhledar bis in den Norden der Region Donezk“, sagte der Offizier weiter. Um dieses Rückgrat zu sichern, könnte die ukrainische Armeeführung sich nun dazu entschieden haben, die Verteidigung von Wuhledar zu schwächen.
Russland rückt an der Front vor – Putin vor wichtigem Zwischenerfolg in Donezk
Die strategische Bedeutung von Wuhledar mag zwar nicht an die von Pokrowsk heranreichen, dennoch wäre der Verlust der Stadt ein herber Rückschlag für Kiew. Der Fall von Wuhledar wäre „ein moralischer Schlag für die Ukraine, da diese Stadt seit 2022 zahlreichen Angriffen standgehalten hat“, sagte Federico Borsari vom Center for European Policy Analysis (CEPA) bereits im August dem Portal The Kyiv Independent. Doch auch strategisch hätte der Fall der Stadt ernsthafte Konsequenzen, „die möglicherweise die Sicherheit des gesamten noch nicht besetzten südwestlichen Teils der Oblast Donezk bedrohen könnte, zusammen mit der Bedrohung der Südflanke von Pokrowsk“, sagte Borsari weiter.
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Als mögliche Strategie gegen den russischen Vorstoß im Ukraine-Krieg nannte Militäranalyst Stupak verstärkte Angriffe auf feindliche Munitionsdepots auf russischem Staatsgebiet. Bei diesen hatte Kiew zuletzt Erfolge erzielen und somit der Versorgung der russischen Streitkräfte Schaden zufügen können. „Wenn wir die russischen Soldaten nicht frontal aufhalten können, dann wird meiner Meinung nach zumindest der Mangel an Munition helfen“, sagte Stupak. (fd)
Rubriklistenbild: © Russisches Verteidigungsministerium/dpa

