Kopf-an-Kopf zur US-Wahl?

Biden geht laut aktuellen Umfragen mit schlechten Zahlen ins Wahljahr 2024

  • VonLisa Mahnke
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Der US-Präsident Biden kämpft gegen sinkende Beliebtheit. Die Faktoren dafür sind vielfältig. Kann er das Blatt bis zur Wahl noch wenden?

Washington D.C. – Präsident Joe Biden startet das Wahljahr mit immer schlechteren Umfragewerten. Die durchschnittlichen Umfrageergebnisse lagen bereits bei unter 50 Prozent, doch die Tendenz war weiterhin sinkend. Der Präsident der USA hatte bereits seine Kandidatur angekündigt, doch es gab immer mehr Sorgen bezüglich seiner Chancen.

Der Beginn des Abwärtstrends ließ sich laut Newsweek in seiner Afghanistan-Politik feststellen. Für den Abzug der Truppen aus Afghanistan im August 2021 wurde Biden stark kritisiert. Um diese Zeit geschah auch der Anschlag auf den Kabuler Flughafen. Die Machtergreifung der Taliban führte ebenfalls dazu, dass Bidens Beliebtheitswerte auf unter 50 Prozent fielen und seitdem nicht wieder stieg. Sicherlich war dies jedoch nicht der einzige Faktor, denn die Beliebtheit sank auch zuvor.

Biden immer unbeliebter – Trump in Umfragen nur minimal beliebter

Der Statistikseite FiveThirtyEight zufolge endete Biden das Jahr 2023 mit Ablehnung bei 55,4 Prozent der Befragten und Zustimmung bei 39,3 Prozent der Befragten. Dort ließ sich auch der Zeitpunkt der Umkehrung in der Popularität im August 2021 feststellen: Zum Amtsantritt noch bei nur 30,2 Prozent Ablehnung und 53,1 Prozent Zustimmung, bewegten sich die beiden Werte bis zum August 2021 aufeinander zu.

Der US-Präsident Biden hat noch bis zur Wahl am 05. November 2024 Zeit, etwas an den Werten zu ändern.

Im Vergleich zu der Amtsperiode Donald Trumps erschien dies zunächst ein normaler Trend – mit dem Unterschied, dass Trump von Anfang an unbeliebter war und sich die (Un-)Beliebtheitswerte auf ein ähnliches Niveau einpendelten. Der niedrigste Beliebtheitswert Trumps lag im Dezember 2017 bei 36,4 Prozent. Tage nach dem Aufstand im Kapitol lag die Beliebtheit laut FiveThirtyEight bei 38,6 Prozent. Während der Amtszeit Joe Bidens blieb Donald Trump bei einer Beliebtheit von 38 bis 42 Prozent.

Swing States und Kopf-an-Kopf-Rennen entscheiden: Trump vor Biden

Laut Newsweek missbilligten fast die Hälfte der befragten Wahlberechtigten in wichtigen Swing States, 49 Prozent, die Leistung des US-Präsidenten. Nur 35 Prozent befürworteten die Politik Bidens. Swing States sind Staaten, in denen sowohl Republikaner und Demokraten gewinnen könnten – sie „schaukeln“ zwischen den Parteien hin und her. Ihr Ergebnis stellte sich in der Vergangenheit immer wieder als wahlentscheidend dar. Bereits im November zeigte eine Umfrage von New York Times/Siena College, dass Trump in fünf Swing States vorne lag, die Biden 2020 noch gewonnen hatte: Arizona, Georgia, Michigan, Nevada und Pennsylvania.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Auch in einer Umfrage des Wall Street Journals, publiziert am 9. Dezember, sah es für Biden schlechter aus: In einem hypothetischen Kopf-an-Kopf-Rennen würden die Befragten Trump um vier Prozentpunkte (47 Prozent gegen 43 Prozent) gegenüber Biden präferieren. Besonders bei Themen wie die Wirtschaft, Inflation und die südliche Grenze, die die Wahl 2024 besonders beeinflussen könnten, sahen die Befragten bei Trump mehr Können.

„Die sich verbessernde US-Wirtschaft – sinkende Inflation, sinkende Zinsen, steigende Arbeitsplätze – sollte Präsident Biden Auftrieb geben, aber das ist nicht der Fall“, erklärte Hank Sheinkopf, ein Demokratie-Stratege aus New York gegenüber Newsweek. Er sah auch das Alter Bidens und den Popularitätsverlust bei jüngeren Wahlberechtigten und der afroamerikanischen Bevölkerung als Ursachen für die Ergebnisse Bidens.

Biden sieht Demokratie durch Trump gefährdet

Donald Trump wurde schon des Öfteren vorgeworfen, faschistische Rhetorik zu nutzen. „Heute Abend orientierte sich Donald Trump an seinen Vorbildern, indem er Adolf Hitler nachplapperte, Kim Jong-un lobte und Wladimir Putin zitierte. Zugleich kandidiert er mit dem Versprechen für das Präsidentschaftsamt, als Diktator zu regieren und die amerikanische Demokratie zu bedrohen“, erklärte Ammar Moussa, Sprecher von Biden-Harris 2024, in einer Erklärung zu einer Rede Trumps.

Michael Binder, Professor für Politikwissenschaften in der Universität von Nord-Florida, macht Biden gegenüber Newsweek aber Mut: Die Zeit sei immer noch auf Bidens Seite, sagte Binder. Sehr viel konkreter würde die Debatte werden, sobald die Vorwahlen entschieden seien. (LisMah)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Manuel Balce Ceneta