„Kein Platz für Besatzer“

Im Kampf gegen Putins Armee: Ukraine zeigt dramatisches Video von Bradley-Panzer

  • Patrick Mayer
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Ein Fingerzeig an Washington? Die ukrainischen Streitkräfte präsentieren in den sozialen Medien einen Bradley-Schützenpanzer beim Einsatz an der Front.

Awdijiwka – Die ukrainischen Streitkräfte haben bei ihrem Kampf gegen die Invasion Russlands ein Video veröffentlicht, das im Ukraine-Krieg wie eine Erinnerung an die verbündeten USA wirkt.

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Das Verteidigungsministerium aus Kiew teilte die Bildsequenz bei X (vormals Twitter) und schrieb dazu: „Auf ukrainischem Boden ist kein Platz für Besatzer! Der Bradley IFV hilft dem Feind, es so schnell wie möglich zu verstehen.“ Demnach soll das Video aus dem umkämpften Frontabschnitt bei Awdijiwka im Donbass stammen.

Dort machten die russischen Invasionstruppen von Kreml-Autokrat Wladimir Putin zuletzt Boden gut. Den ukrainischen Verteidigern in der Kleinstadt droht die Einkesselung, während weit weg in Washington, D.C., über ein riesiges militärisches Hilfspaket für die Ukraine im Wert von über 81 Milliarden Dollar gerungen wird. Die Republikaner lehnen diese Hilfe bislang ab, zum 31. Dezember 2023 laufen zudem die bisherigen Gelder aus den Vereinigten Staaten aus. Und dann? Der US-Kongress müsste neue Mittel bewilligen.

In der europäischen Spitzenpolitik machen sich laut „heute journal“ des ZDF Bedenken breit, was passiert, sollte der polarisierende Republikaner Donald Trump die nächste amerikanische Präsidentschaftswahl Ende November 2024 für sich entscheiden. Aus Reihen nationalkonservativer Republikaner werden Forderungen laut, den Fokus beim Staatshaushalt deutlich stärker auf innenpolitische Themen zu legen – und notfalls bei Hilfen für die Ukrainer zu sparen.

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Markant: In wichtigen Swing States liegt der republikanische Ex-Präsident Trump in Umfragen vor seinem Nachfolger Joe Biden (Demokraten). „Ich glaube, dass jeder Kongressabgeordnete, der nicht für die Unterstützung der Ukraine stimmt, es Putin erleichtert, sich durchzusetzen“, erklärte der Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan zuletzt: „Eine Stimme gegen die Unterstützung der Ukraine, ist eine Stimme für Putins strategische Position.“ Die europäischen Unterstützer Kiews sind jedenfalls alarmiert.

Eine Stimme gegen die Unterstützung der Ukraine, ist eine Stimme für Putins strategische Position.

Jake Sullivan, Nationaler Sicherheitsberater der USA

Der sicherheitspolitische Experte Dr. Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) rät etwa eindringlich, die Ukrainer mit den Voraussetzungen für eine neue Offensive 2024 auszustatten. „Wir gucken wie das Kaninchen vor der Schlange auf das, was in Washington passiert. Wir sehen, dass nicht nur die Situation der Ukraine, sondern auch unsere eigene schlechter wird. Aber die Konsequenz zum Handeln fehlt zur Zeit“, meinte Mölling im „heute journal“. Die EU könne Joe Biden helfen, „indem die Europäer mehr Last für diesen Konflikt übernehmen und die Ukraine unterstützen. Da zögern wir aber tatsächlich, zumindest ein Teil der Europäer. Ein wichtiger Teil der Europäer ist sich zurzeit nicht im Klaren, was sie eigentlich machen wollen, um die Ukraine weiter zu unterstützen, wenn die Amerikaner wegbrechen“, erklärte der 50-jährige Politikwissenschaftler.

Währenddessen mehren sich die Anzeichen, dass die ukrainischen Streitkräfte zunehmend erschöpft sind. In Kiew demonstrierten beispielsweise Dutzende Ehefrauen von Soldaten auf der Straße dafür, dass ihre müden Männer demobilisiert werden. Und auch aus der Armee selbst werden (sehr) kritische Stimmen laut.

Gegen Russlands Armee: Ukrainische Streitkräfte wirken zunehmend erschöpft

„Hier sollten mehrere Brigaden stationiert werden, nicht einzelne Kompanien – wir haben einfach nicht genug Männer“, erklärte ein Soldat der Nachrichten-Website des britischen Senders BBC zur militärischen Lage im südlichen Delta des riesigen Flusses Dnipro. „Wir haben einen Großteil unserer Ausrüstung selbst bezahlt – Generatoren, Powerbanks und warme Kleidung gekauft. Jetzt, wo der Frost kommt, wird es nur noch schlimmer – die wahre Situation wird vertuscht“, meinte der Mann weiter. Sollen Videos wie das des Bradleys als Weckruf dienen? Zu sehen ist, wie die Besatzung mit Leuchtspur-Munition offenbar auf die russische Kontaktlinie schießt. Die ukrainischen Soldaten bemühten dafür die 25-mm-Maschinenkanone M242 „Bushmaster“.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Waffenlieferungen an die Ukraine: Kiew hat schon etliche Bradleys verloren

Der Bradley steht jedoch auch symptomatisch für die gescheiterte Gegenoffensive im Sommer. Laut New York Times (NYT) verlor einzig die 47. ukrainische Angriffsbrigade bei Mala Tokmatschka in der Region Saporischschja am 8. Juni in nur einem Angriff insgesamt 25 Panzer in einem Minenfeld, einschließlich sieben Leopard-2-Panzern. Darunter sollen ferner 16 von insgesamt 109 gelieferten Schützenpanzern M-2 Bradley der Amerikaner gewesen sein. Wie „Oryx“, eine Open-Source-Forschungsgruppe, später berichtete, wurden bis Mitte Juli 34 Bradleys aufgegeben, beschädigt oder zerstört.

In einer Propaganda-Show im russischen Staats-TV präsentierte Moskau zuletzt einen erbeuteten Bradley. Der Reporter führte die Zuschauer durch das Innere, zeigte etwa ukrainische Schablonen für die auf Englisch beschrifteten Bedienelemente. Während Kiew um seinen größten Unterstützer bangt – die USA. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot X@DefenceU

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