Neues Bachmut verhindern

Befehlshaber warnt: Was die Ukraine braucht, um weiter gegen Russland kämpfen zu können

  • VonHelmi Krappitz
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Der ukrainische Oberbefehlshaber warnt vor russischer Eroberung: Ohne Ressourcen und technologische Entwicklung sehe es schlecht für Kiew aus.

Kiew – Mit anhaltenden Kämpfen im Ukraine-Krieg werden die Ressourcen knapp – auf beiden Seiten. Ukrainische Streitkräfte warnen nun vor den Folgen von fehlenden Soldaten und Munition. Deswegen sei eine neue Vorgehensweise an technologischen Fortschritt geplant – um zu verhindern, dass ukrainische Städte dem Erdboden gleichgemacht werden.

„In ein weiteres Bachmut verwandeln“: Ukraine benötigt mehr Ressourcen und Technologien zur Verteidigung

Trotz eigener Ressourcenprobleme habe Russland noch die Möglichkeit „Streitkräfte, einschließlich Artillerie und Luftfahrt, zu sammeln“, erklärte Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj laut Kyiv Post am Dienstag (26. Dezember). So könne der Kreml Awdijiwka, sowie „jede Stadt innerhalb von zwei bis drei Monaten in ein weiteres Bachmut verwandeln“, warnte er. Deswegen würde die Ukraine 2024 die technologische Entwicklung anders angehen.

Russland liege innovationstechnisch nicht weit hinter den ukrainischen Streitkräften. „Das Jahr 2024 wird nicht nur anders sein, es muss auch anders sein“, sagte Saluschnyj. Ohne ausreichende Ressourcen sei die Ukraine möglicherweise nicht in der Lage, Awdijiwka zu verteidigen. Deswegen sei es wichtig, effizienter zu handeln.

Walerij Saluschnyj warnt vor mangelnder Ressourcen im Ukraine-Krieg.

„Leben unseres Volkes“: Erst Menschen retten, dann Territorien zurückgewinnen

In den letzten Tagen habe es heftige Konfrontationen zwischen Russland und der Ukraine gegeben. „Jedes Stück unseres Landes liegt uns am Herzen, sei es Bachmut oder Awdijiwka. Wir werden unser Land so gut wie möglich verteidigen. Aber wenn wir zu diesem Zweck nicht über genügend Kräfte verfügen, ist es besser, das Leben unseres Volkes zu retten“, sagte er. Die Devise sei: Erst Menschenleben retten und dann das Territorium zurückgewinnen. So bestätigte Saluschnyj am Dienstag auch den Rückzug seiner Truppen aus der völlig zerstörten Kleinstadt Marjinka im östlichen Gebiet Donezk.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine-Krieg: Streitkräfte erarbeiten mit Verteidigungsministerium Lösungen

Laut dem Oberbefehlshaber seien „die Probleme identifiziert und bereits für rund 90 Prozent Lösungen gefunden“ worden. Für die restlichen anhaltenden Probleme arbeiten die Streitkräfte eng mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium zusammenarbeiten, um strategische und auch technologische Lösungen zu finden. So sollen weitere Schicksale wie das von Bachmut und auch Marjinka verhindert werden.

Weiter stellte Saluschnyj klar: „Unsere Spezialisten beteiligten sich auch an Arbeitsgruppen. Sie stellten dabei sicher, dass auf gesetzgeberischer Ebene nichts verabschiedet wird, das die Aktivitäten der Militärführung beeinträchtigen könnte.“ (hk)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Ukrainian Presidency