Ministerpräsident verrät kurz vor Wahlsonntag
Wechsel zur BSW: Wagenknecht-Partei wollte offenbar Ramelow vor Thüringen-Wahl abwerben
Kurz vor dem thüringischen Wahlsonntag wird bekannt: Das Bündnis Sahra Wagenknecht plante scheinbar, Bodo Ramelow für sich zu gewinnen.
Erfurt – Der Thüringer Ministerpräsident und Linken-Politiker Bodo Ramelow bestätigt, dass die Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) im Januar 2024 ernsthafte Versuche unternommen hat, ihn für die bevorstehende Landtagswahl zu gewinnen.
Wagenknecht-Partei wollte offenbar Ramelow vor Thüringen-Wahl abwerben
Thomas Schmid, der zu diesem Zeitpunkt als Landeskoordinator des BSW tätig war, bot Ramelow die Spitzenkandidatur für seine neue Partei an. „Das Beste wäre ein BSW in Thüringen mit Ihnen an der Spitze. Das wäre meine Wahl“, wird in einer Chatnachricht zitiert, die dem MDR sowie der Thüringer Allgemeinen vorliegt.
Ramelow, der am Sonntag als Spitzenkandidat der Linken in die thüringische Landtagswahl geht, schildert im MDR, dass Schmid ihm mitteilte, es wäre „toll, wenn man gemeinsam gegen die AfD kämpfen würde und ich wäre doch der richtige Spitzenkandidat“.
Schmid verneint Abwerbeversuch
Trotz der eindeutigen Nachfrage betont Schmid jedoch, dass es sich dabei nicht um einen Abwerbeversuch gehandelt habe. Er räumt laut tagesschau.de ein, dass er Ramelow lediglich auf dessen Nachfrage geantwortet habe. Unterdessen sieht Ramelow Schmid rückblickend als einen zentralen „Headhunter“ für die BSW in Thüringen, der auch andere Persönlichkeiten aus der Politik kontaktiert habe.
Die BSW hat sich erst zu Beginn des Jahres gegründet und ist bestrebt, sich klar von der Wettbewerberin AfD abzugrenzen. Nach Informationen der Thüringer Allgemeinen hat Schmid parallel auch den SPD-Landesvorsitzenden Georg Maier angesprochen. Maier beschreibt den Kontakt als ein vorsichtiges „Vorfühlen“, das jedoch nicht als offizieller Abwerbeversuch gewertet werden könne.
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen




Wegen Katja Wolf: Linken-Vorwurf an BSW
Die Spitzenkandidatin der thüringischen BSW, Katja Wolf, hatte zuvor angekündigt, von den Linken zu wechseln. Ihr Übertritt sorgte für Empörung innerhalb der Linken, vor allem da er nur wenige Tage nach Schmids Kontakt zu Ramelow bekannt wurde. Auch der damalige Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein sollte ursprünglich zur BSW wechseln, entschied sich jedoch letztendlich dagegen, schreibt die Thüringer Allgemeine.
Der Vorwurf an die BSW, ihre Kandidatin Wolf sei von Anfang an nur zweite Wahl gewesen, wirft Fragen zur Strategie innerhalb der neuen Partei auf. Laut Schmid war Wolf aber von Beginn an eine der ersten Wahlmöglichkeiten, was er entschieden bestreitet.
Die BSW bringt es kurz vor der Landtagswahl in Thüringen auf Umfragewerte von 17 bis 18,4 Prozent. Ob die jüngsten Enthüllungen des noch amtierenden Ministerpräsidenten Auswirkungen auf die Wählerstimmen haben werden, bleibt abzuwarten. Zuletzt warnte Ramelow eindringlich vor einem Landtagswahlsieg der AfD um Björn Höcke. (chmnn)
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