Nur vor einer Stadt nicht

Wegen Kursk: Russland-Offensive in der Ukraine kommt nicht voran

  • Patrick Mayer
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Rückschlag für Wladimir Putin: Die russische Armee muss wegen der ukrainischen Kursk-Offensive wohl eigene Angriffe in der Ukraine drosseln.

Kursk – Was für ein militärischer Schlamassel für Wladimir Putin und sein Moskau-Regime. Die Armee des Kreml-Autokraten bekommt nun schon seit mehr als zwei Wochen mehrere Hunderte Soldaten aus der Ukraine nicht aus dem eigenen Land verdrängt.

Wegen Kursk-Offensive der Ukrainer: Russland reduziert Angriffe im Donbass

Damit nicht genug der schlechten Nachrichten für Putin im Ukraine-Krieg: Nach der Evakuierung von mehr als 200.000 Zivilisten soll es angeblich zu Plünderungen durch Tschetschenen-Soldaten in der Oblast Kursk gekommen sein, die eigentlich auf Befehl des Moskau-Machthabers an der Seite der Russen kämpfen.

Und: Weil die schnellen ukrainischen Verbände immer weiter angreifen, soll auch die russische Donbass-Offensive im Osten der Ukraine vielerorts ins Stocken geraten sein – außer vor Pokrowsk. Wie das britische Nachrichtenmagazin The Economist unter Berufung auf die Regierung in Kiew schreibt, hat Russland seine militärischen Aktivitäten in den ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk seit dem 16. August im Zuge des Einmarsches der Ukrainer in die russischen Oblast Kursk deutlich reduziert, während die russischen Invasionstruppen vor Pokrowsk auf Kosten anderer Frontlinien verdoppelt worden seien.

Ein zerstörtes ukrainisches Militärfahrzeug steht in der russischen Region Kursk.

Donbass-Front im Ukraine-Krieg: Russische Armee rückt weiter auf Pokrowsk vor

Pokrowsk bleibt somit wohl das Ziel des russischen Militärs im heimtückisch überfallenen Nachbarland. Wie die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) in einer Analyse vom 19. August schrieb, stehen Putins Verbände unmittelbar vor dem Dorf Hrodiwka, das wiederum zwölf Kilometer östlich der Donbass-Kleinstadt Pokrowsk (einstmals 65.000 Einwohner) liegt.

Der amerikanische Think Tank veröffentlichte Kartematerial, wonach russische Einheiten jüngst die miteinander verbundenen Siedlungen Novozhelanne und Zavitne - rund acht Kilometer südlich von Hrodiwka - eingenommen haben. Das ISW begründet die Annahme mit Fotos einer gehießten russischen Flagge bei Social Media, deren Position den eben genannten Siedlungen zugeordnet wird. Russische Militärblogger hätten demnach in den Sozialen Netzwerken berichtet, dass sich die ukrainischen Streitkräfte ferner aus den benachbarten Siedlungen Komyschiwka und Ptyche zurückgezogen haben.

Ukraine-Krieg: Pokrowsk bleibt das Ziel der russischen Armee im Donbass

Dies hätten die ukrainischen Verbände vor Ort demnach getan, um einer taktischen Einkesselung zu entgehen. Der ukrainische Generalstab berichtete zuletzt weiter, dass die russische Armee nordöstlich von Pokrowsk in der Nähe der Siedlungen Vozdvyzhenka, Selene Pole und Kalynowe angegriffen hätten. Unlängst hatten russische Einheiten etwas südlich davon das strategisch wichtige und größere Dorf Otscheretyne besetzt.

Seit Wochen rücken Putins Invasionstruppen an verschiedenen Punkten unter hohen Verlusten Kilometer um Kilometer auf Pokrowsk vor, das 50 Kilometer südwestlich der direkt benachbarten ukrainischen Großstädte Slowjansk und Kramatorsk liegt, wo seit den ersten Gefechten im Donbass im Sommer 2014 das ukrainische Oberkommando für den Osten des geschundenen Landes beheimatet ist.

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Ukraine-Front im Donbass: Weniger Angriffe bei Tschassiw Jar und Kreminna

Die Russen versuchen ferner, über die Frontabschnitte bei Dserschynsk (nordwestlich von Horliwka), bei Tschassiw Jar (westlich von Bachmut) und bei Kreminna (nordwestlich von Sjewjerodonezk) auf Slowjansk und Kramatorsk vorzustoßen. Offenbar hat die russische Armee aber an diesen Frontabschnitten jüngst die Angriffsbemühungen reduziert, um Ressourcen für die Verteidigung der russischen Region Kursk freizumachen. (pm)

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