Live im TV

„Wenn ich das sage, werde ich vielleicht gesteinigt“: Vatikan-Kenner lässt bei Papst-Beerdigung in der ARD aufhorchen

  • Martina Lippl
    VonMartina Lippl
    schließen

Die Trauerzeremonie für Papst Franziskus wird auf allen Kanälen ausgestrahlt. Ein ARD-Korrespondent in Rom macht einen bemerkenswerten Satz.

München – Es sind Bilder, die wohl vielen unter die Haut gehen. Tausende Menschen sitzen dicht gedrängt auf dem Petersplatz, um Abschied von Papst Franziskus zu nehmen. Es ist kaum eine Woche her, dass die Welt von der Nachricht seines Todes erschüttert wurde. Das Requiem auf dem Petersplatz ist vor der Beisetzung in seiner Lieblingskirche Santa Maria Maggiore ein Höhepunkt. Die ARD überträgt die Zeremonie live. Andreas Bachmann moderiert mit ARD-Korrespondent Tilmann Kleinjung. Beide versuchen in diesem Moment die passenden Worte zu finden.

Abschied vom Papst: ARD-Reporter Tilmann Kleinjung lässt mit Satz bei Live-Übertragung aufhorchen (Montage).

ARD-Reporter überrascht mit Satz bei Papst-Beerdigung

Es ist der Beginn der Trauerzeremonie. Staatsgäste trudeln noch ein, es gibt Schwenks über den vollen Petersplatz. Doch dann bewegt sich etwas im Petersdom. Die Kardinäle reihen sich auf, um den Holzsarg von Papst Franziskus auf die Stufen vor der Kirche zu begleiten.

„Franziskus hätte am liebsten jedem Katholiken und jeder Katholikin die Hand geschüttelt“, meint Bachmann. Und ARD-Experte Kleinjung stimmt mit ein: „Er war tatsächlich ein Papst, der sich gerne berühren ließ und der auch gerne andere berührte.“ Im Hintergrund brandet Applaus auf.

Papst Franziskus war eine „moralische Instanz“

„Ich will gerne diese Bilder wirken lassen, weil sie wirklich auch für die katholische Kirche, aber ich glaube auch für die Welt ein ganz großer Moment sind. Papst Franziskus hat sich nie als exklusiv katholisches Kirchenoberhaupt verstanden, sondern er hatte immer auch den Anspruch, für die Christenheit und für alle Menschen zu sprechen“, so Kleinjung. Der Papst sei ein inklusiver Papst gewesen.

Gänsehaut-Moment um Selenskyj – Die emotionalen Bilder der Papst-Beerdigung

Kleriker, Gläubige und Staatsgäste nehmen an der Trauermesse von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan teil.
Der Petersplatz am Samstagmorgen: Hunderttausende Menschen wurden in Rom zum Begräbnis von Papst Franziskus erwartet.
Zahlreiche Politiker wie der französische Präsident Emmanuel Macron (M) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (dahinter) erweisen Papst Franziskus auf dem Petersplatz die letzte Ehre.
Die deutsche Delegation um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (M, v.) und seine Frau Elke Büdenbender. Dahinter gehen geschäftsführende Kanzler Olaf Scholz (r, SPD) und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (M, CDU).
Gänsehaut-Moment um Selenskyj – Die emotionalen Bilder der Papst-Beerdigung

Es seien wichtige Bilder, die vielen Menschen, die nicht an Gott glaubten, oder die nicht Christen sind, sehr viel geben könnten. „Weil sie in Papst Franziskus eine Figur gesehen haben, die es vielleicht so auf dieser Welt gar nicht mehr gibt: eine moralische Instanz“, erklärt der ARD-Korrespondent. Und weiter sagte er: „Und wenn ich das jetzt sage, werde ich vielleicht gesteinigt dafür, aber ich glaube, die Fußstapfen sind riesig, und ein Nachfolger, der da hineintritt, ja, den beneide ich nicht um sein Amt.“

Papst-Beerdigung: ARD-Mann spricht vielen aus der Seele

Gemeint hat ARD-Korrespondent Kleinjung das wohl – davon darf man ausgehen – natürlich im übertragenen Sinne. Auch wenn der Ausdruck „gesteinigt werden“ im Verlauf einer kirchlichen Zeremonie doch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Denn ursprünglich bezieht er sich auf eine Hinrichtungsmethode als Strafe für moralische oder religiöse Vergehen. In der Bibel wird die Steinigung mehrfach erwähnt – als Strafe für Ehebruch oder Gotteslästerung.

Tilmann Kleinjung spricht mit seinen Worten zu Papst Franziskus und den „großen Fußstapfen“ bestimmt vielen Menschen aus dem Herzen. Nun stehen neun Tage Trauer an. Dann wird im Konklave hinter verschlossenen Türen über den Papst-Nachfolger entschieden.

Und schon bei der Papst-Beerdigung gibt es wohl selbst trotz des großen Medienaufgebotes nicht alles zu sehen, verrät ein Vatikan-Experte. (ml)

Rubriklistenbild: © Screenshot ARD

Mehr zum Thema