Putin „stoisch und ohne Rücksicht“

„Schreckliche Situation“: USA warnen vor entscheidender Phase im Ukraine-Krieg

  • Stephanie Munk
    VonStephanie Munk
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Kann die Ukraine den Krieg gegen Russland noch gewinnen? Werde jetzt nicht gehandelt, stehen die Chancen schlecht, warnen Experten. Putin sei bereits siegessicher.

Washington, D.C. – Geben die kommenden Wochen den Ausschlag über Sieg oder Niederlage der Ukraine? Der nationale Sicherheitsberater der USA, John Kirby, ist davon überzeugt. Er warnte in einem aktuellen Statement: „Die nächsten paar Monate werden für die Ukraine entscheidend sein.“

Kirby sagte laut der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform, dass die Ukraine schon jetzt zu harten Entscheidungen gezwungen sei, welche Waffen und Munition sie noch verwenden könne. Russlands Armee dagegen spare nicht an Raketen und Drohnen und überziehe die Ukraine fast ohne Unterlass mit neuen Angriffen. „Das ist eine schreckliche Situation für das ukrainische Militär“, so der Sprecher des Weißen Hauses.

Russland profitiere enorm von Waffenlieferungen aus dem Iran und Nordkorea, warnte Kirby weiter. Zudem hätte Wladimir Putins Regime seine Produktion von Drohnen und anderen Waffen im Inland ausgebaut.

Ein russischer Soldat schießt aus einer Ruine in der ukrainischen Stadt Artyomowsk.

Ukraine-Krieg: Russische Angriffe und anstehende Wahlen zermürben Hoffnungen

Tatsächlich scheint sich das Blatt im Ukraine-Krieg gewendet zu haben: Waren vor einem Jahr die Hoffnungen auf eine erfolgreiche ukrainische Gegenoffensive hoch, herrscht momentan Ernüchterung. Russland zeigt im Ukraine-Krieg unveränderte Härte. Die russische Armee bombardiert das Land unaufhörlich, bringt fast täglich Zerstörung und Tod.

Dazu kommt, dass 2024 wichtige Wahlen anstehen, deren Ausgang für die Ukraine fatal sein könnten. In den USA will Donald Trump mit seiner „America first“-Devise wieder Präsident werden. Schon jetzt zeigt sich in den USA als wichtigstem Geldgeber wachsender Unwille, die Ukraine weiterhin zu unterstützen: Seit Wochen blockiert der US-Kongress ein neues milliardenschweres Waffen-Paket für die Ukraine.

Nächsten Monate „entscheiden über Sieg oder Niederlage der Ukraine“

Nicht nur Regierungssprecher Kirby, sondern auch andere kommen zu dem Schluss, dass die jetzige Kriegsphase entscheidend ist. Der Militärexperte und Kommandant der österreichischen Garde, Oberst Markus Reisner, schrieb Mitte Januar in einer Analyse auf der Website des österreichischen Bundesheers: „Die in den nächsten Monaten getroffenen oder eben auch nicht getroffenen Unterstützungsmaßnahmen entscheiden über Sieg oder Niederlage der Ukraine und somit auch des ‚globalen Norden‘ gegenüber Russland.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Westen habe Russland unterschätzt – Putin sei siegessicher

Der Westen habe die russische Anpassungsfähigkeit auf dem Schlachtfeld sowie Russlands Potenzial zur Waffenproduktion unterschätzt, so der Oberst. Die russische Regierung strotze momentan vor Selbstvertrauen – sie sei überzeugt, den „längeren Atem“ zu haben. Putins Devise sei: Das wichtige Wahljahr 2024 müsse Russland noch durchhalten, dann sei man auf der Seite der Sieger. Bis dahin würden sich die russischen Einheiten „stoisch und ohne Rücksicht auf eigene Verluste Schritt für Schritt“ vorarbeiten.

Wie aber kann dies verhindert werden? Auch Reisner plädiert – wie John Kirby – für eine entschlossenere militärische Unterstützung der Ukraine. Handle man jetzt nicht „rasch und entschieden“, werde Russland das Momentum behalten und es drohe ein langwährender, eingefrorener Konflikt oder gar eine massive Niederlage der Ukraine.

Sollte Putin das schaffen, warnen viele Stimmen bereits davor, dass Russlands Krieg auf andere Länder im Osten Europas übergreifen könnte. In einem ihrer größten Manöver seit Jahrzehnten probt die Nato schon den Ernstfall. (smu)

Rubriklistenbild: © Russian Defence Ministry/Imago

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