Hitzewelle in Deutschland
Wetter in Deutschland: Experte spricht über Risiko durch extreme Temperaturen - „35 Arten, an Hitze zu sterben“
VonNadja Katzschließen
Die Hitze macht unserer Gesundheit zu schaffen – sogar wenn die Höchsttemperatur keinen Rekordwert anzeigt. Diese Risikofaktoren spielen hier wesentliche Rollen.
Kassel – Eine Hitzewelle kann auch in Deutschland schnell zu einem ernsten Risiko für die Gesundheit werden, warnt Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Denn was viele nicht wissen: Nicht nur die aktuelle Tageshöchsttemperatur ist ausschlaggebend für eine Gefährdung unserer Gesundheit.
Der Experte sieht derzeit einen gesundheitlich „unangenehmen Wetter-Cocktail“ über Deutschland schweben. Beispielsweise seien die Ozon-Werte vielerorts hoch, auch wenn sie unterhalb der Warn- oder Alarmwerte liegen, so Matzarakis.
Lebensgefahr durch Hitze: Wie sie unseren Körper schwächt
„Wir sehen deutschlandweit die erste Hitzewelle, auch wenn sie in manchen Gebieten nur zwei, drei Tage andauert. Und es gibt sehr viel Feuchte“, sagt Matzarakis. Lebensgefahr durch Hitze könne auf vielfältige Arten im Körper entstehen, auch schon bei weitaus niedrigeren Temperaturen.
„Es gibt ungefähr 35 Arten, aufgrund von Hitze zu sterben“, erklärt Matzarakis im Interview gegenüber dem Spiegel. Die häufigsten Ursachen für einen hitzebedingten Tod seien Austrocknung (Dehydrierung), Kreislaufversagen oder ein Hitzschlag. Bei letzterem versagt die Wärmeregulation des Körpers. Andere gesundheitliche Schäden durch die Hitze sind unter anderem:
- Dehydrierung
- Sonnenstich
- Hitzekrampf
- Hitzekollaps
- Hitzeerschöpfung
- Hitzschlag
- Atemwegsstörungen
- Nierenfunktionsstörungen
- Quellen: DWD, Climate and Health Assessment
Gesundheitliche Folgen der Hitze: Auch niedrigere Temperaturen bergen Risiken
Erste Anzeichen für gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die hohen Temperaturen sind oft Konzentrationsstörungen oder generelles Unwohlsein, so Meteorologe Matzarakis. „Im schlimmsten Fall endet es im Multiorganversagen“, fügte er hinzu. Die schwül-warmen Temperaturen seien für Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen belastend und würden als unangenehm empfunden.
Die Hitzewarnungen des DWD rechnen neben den täglichen Temperaturen auch weitere Risikofaktoren für die Gesundheit mit ein. Eine wichtige Rolle spielt die sogenannte „Gefühlte Temperatur“. Für sie ist die Luftfeuchtigkeit von großer Bedeutung, erklärt Matzarakis gegenüber dem Spiegel. Hoher Feuchtigkeit werde allgemein als viel unangenehmer erlebt als trockene Hitze: „Trockene 41 Grad Celsius können sich angenehm anfühlen, feuchte 30 Grad kaum erträglich sein“, sagt er.
Der Hitzetod ist ein „vermeidbarer Tod“ – Was hilft gegen die Hitze?
Generell gelte: Ab einer gefühlten Temperatur von 32 Grad Celsius steigt die hitzebedingte Sterblichkeit an. Für die Sterblichkeitsrate sei besonders die nächtliche Temperatur in Innenräumen von Bedeutung. Sie ist daher ein weiteres Kriterium für Hitzewarnungen des DWD.
Das Problem dabei ist laut DWD die fehlende Erholung von der Hitze in der Nacht. Denn bleiben die Schlafräume in der Nacht zu warm, verschlechtere sich die Schlafqualität – auch wenn die Außentemperaturen in der Nacht gesunken waren. Die Temperatur im Schlafzimmer sollte daher maximal 22 Grad Celsius betragen, besser seien 18 bis 19 Grad. Was sonst noch gegen die tödliche Hitze hilft, dazu gibt es konkrete Handlungsempfehlungen des DWD:
- Die Hitze meiden: Nicht in die direkte Sonne gehen, in den heißesten Stunden des Tages nicht nach draußen gehen, notwendige körperliche Aktivitäten nur in den frühen Morgenstunden verrichten.
- Den Körper kühlen: An kühlen Orten aufhalten, kühle Bäder und Duschen nehmen, auch kalte Fußbäder oder ein kalter Lappen können helfen. Die Kleidung sollte hell und luftig sein, eine Kopfbedeckung ist außerdem ratsam.
- Auf Nahrung und Flüssigkeitszufuhr achten: Auf Alkohol verzichten und leichtes Essen zu sich nehmen. Auf eine ausreichendes und regelmäßiges Trinken von Wasser achten.
- Die Wohnung kühl halten: Wohnräume vor der Sonne schützen, Rollläden und Fenster in der heißen Tageszeit geschlossen halten. Lüften, sobald es draußen kühler ist.
- Soziales Umfeld: Alleinstehende, ältere und pflegebedürftige Personen sind bei Hitze besonders gefährdet. Sorgen Sie, wenn möglich, dafür, dass auch sie diese Empfehlungen umsetzen.
Wegen des Klimawandels ist zukünftig immer häufiger mit extremen Hitzewellen zu rechnen. Momentan gebe es in Deutschland jährlich etwa drei Hitzewellen, in 30 bis 40 Jahren sei mit vier bis sechs zu rechnen, so Matzarakis. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kündigte daher an, dass ein nationaler Hitzeschutzplan entwickelt werde. Der Hitzetod sei ein „vermeidbarer Tod“. (na/dpa)
Rubriklistenbild: © María José López/dpa

