Bundestagswahl 2025

Nach Wagenknecht-Abgang entspannter: Gute Stimmung bei den Linken

Die Linke
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Das Linken-Spitzenduo Heidi Reichinnek und Jan van Aken nimmt Anlauf auf den erneuten Einzug in den Bundestag (Archivbild).
  • Jekaterina Jalunina
    VonJekaterina Jalunina
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Lange sah es für den Wiedereinzug der Linken in den Bundestag nicht gut aus. Das Blatt scheint sich grad zu wenden. Hat das auch mit einer Abtrünnigen zu tun?

Berlin – Der Weggang von Sahra Wagenknecht hat der Linken nach Überzeugung ihrer Gruppenvorsitzenden Heidi Reichinnek geholfen. „Es ist auf jeden Fall entspannter geworden“, sagte Reichinnek der Rheinischen Post. „Die Streitereien sind jetzt endlich vorbei und dadurch kann sich die Linke endlich wieder darauf fokussieren, dass sie eine Partei für soziale Themen ist, ohne, dass ständig aus der Partei heraus Angriffe gegen die Partei gefahren werden“, stellte die Gruppenvorsitzende fest. Reichinnek geht zusammen mit Co-Parteichef Jan van Aken als Spitzenduo der Linken in die Bundestagswahl

Wagenknecht hatte im Oktober 2023 die Linke im Streit verlassen. Einige ihrer Positionen waren den Genossen zu weit rechts, unter anderem die Forderung nach strikter Begrenzung von Migration. Längere Zeit verharrte die Linke in Umfragen unter der Fünf-Prozent-Marke, zuletzt legte die Partei aber wieder zu und erreichte die Schwelle, um in den Bundestag einzuziehen. „Schön wäre es, wenn wir mit sieben oder acht Prozent im Bundestag sind“, sagte Reichinnek. Die aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl stimmen jedenfalls optimistisch.

Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen

Die Partei von Sahra Wagenknecht heißt wie sie. Das ist nur folgerichtig, denn der Name ist erst mal auch das Programm. Nach dem Eintritt in die DDR-Staatspartei SED 1989 war Wagenknecht über Jahrzehnte eines der bekanntesten Gesichter der Folgeparteien PDS und Die Linke. Die studierte Philosophin mit Doktortitel im Fach Wirtschaft ist ein gern gesehener Gast in den diversen Talkshows der TV-Sender. Nach jahrelangem Streit mit der Linken trat die Bestsellerautorin im Oktober 2023  aus und kündigte die Gründung einer eigenen Partei an.
Amira Mohamed Ali hat zusammen mit Sahra Wagenknecht den BSW-Vorsitz inne. Die Rechtsanwältin, die 1980 in Hamburg geboren wurde, ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie von November 2019 bis Oktober 2023 zusammen mit Dietmar Bartsch Fraktionsvorsitzende der Linken. 2019 sprach sich die Tochter eines Ägypters und einer Deutschen in einem Interview für offene Grenzen aus und lehnte Abschiebungen grundsätzlich ab. Im Jahr 2023 plädierte sie dafür, die (Wirtschafts-)Migration nach Deutschland zu begrenzen. Zudem sprach sie sich dafür aus, Asylverfahren zu beschleunigen und diese an der Außengrenze oder sogar in Drittstaaten durchzuführen.
Ein Coup ist die Einbindung von Thomas Geisel in das „Bündnis Sahra Wagenknecht“. Am BSW-Gründungstag trat der frühere Oberbürgermeister von Düsseldorf aus der SPD aus. Von seiner Ex-Partei verabschiedete er sich mit den Worten, seine „sozialdemokratischen Grundsätze“ seien im BSW eher vertreten als in der SPD. Sein Wechsel sorgt bei seiner alten Partei für Kopfschütteln. Die NRW-SPD übte jedenfalls massive Kritik am Wechsel zur Wagenknecht-Partei. Geisel habe sich nach seiner Amtszeit verannt, sagte Generalsekretär Frederick Cordes dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Mit seiner Kandidatur stelle er sich selbst ins Abseits und lasse zu, dass auf seine erfolgreiche Amtszeit als Düsseldorfer Oberbürgermeister fortan ein Schatten liegen werde.
Neben Thomas Geisel ist Fabio De Masi einer der beiden BSW-Spitzenkandidat für die Europawahl 2024. De Masi, 1980 in Groß-Gerau geboren, ist das Kind eines italienischen Gewerkschaftsmitglieds und einer deutschen Sprachdozentin. Sein Großvater väterlicherseits war ein Partisan im Piemont, der für die Befreiung Italiens vom Faschismus kämpfte. Von 2005 bis 2014 war der Finanzpolitiker als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag tätig, unter anderem für Sahra Wagenknecht.
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen

Die Linke strebt Direktmandate an und setzt auf Vertrauen – Mitgliederzahl übersteigt 71.000

Daneben hofft die Linke auf drei Direktmandate, um sich über die sogenannte Grundmandatsklausel den Weg ins Parlament zu sichern. Dem dient auch die „Mission Silberlocke“ um die Parteiprominenten Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch. 

„In den vergangenen Jahren haben wir es nicht geschafft, eine verlässliche Partei zu sein. Wir müssen uns jetzt das Vertrauen, das wir verloren haben, wieder zurückerarbeiten. Das ist ein mittel- und langfristiges Projekt“, räumte die Gruppenvorsitzende ein. Positiv stimme sie die Mitgliederentwicklung. Die Partei habe nun mehr als 71.000 Mitglieder, die höchste Zahl seit 2010. (dpa/jal)