Recycling für die Ukraine

Operation Chrysalis: Frankreichs Win-Win-Strategie für Raketen-Lieferungen an Ukraine

  • VonLisa Mahnke
    schließen

Frankreich recycelt Raketen für die Ukraine. Eine Operation macht den Gebrauch der Altbestände möglich. Der Staat profitiert auch wirtschaftliche.

Paris – Aus alt mach neu: Diese Strategie hat offenbar auch Frankreich entdeckt und damit seine Waffenlieferungen an die Ukraine in einen Win-Win-Deal verwandelt. Die sogenannte Opération Chrysalide (deutsch: Operation Chrysalis), benannt nach der Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling, erlaubt die Unterstützung der Ukraine ohne die eigenen strategischen Bestände zu leeren.

Genutzt würden für die Operation Chrysalis laut dem Radio France Internationale (RFI) Scalp-Marschflugkörper, die in den französischen Arsenalen in „Kokons“ aufbewahrt werden. Davon gebe es zwei Sorten: Die erste sind intakte Raketen, die am Ende ihrer Lebenszeit angekommen sind. Das zweite sind „kannibalisierte“ Raketen, aus denen Teile entnommen wurden, um andere Scalp-Raketen nutzen zu können.

Die Opération Chrysalide ermöglicht Frankreich kostengünstigere Waffenlieferungen in die Ukraine.

Viermal so billig wie neue Marschflugkörper: Aufbereitete Scalp-Raketen für die Ukraine

Die Raketen würden für den Nutzen im Ukraine-Krieg wieder in französische Produktionsstandorte gebracht, um sie innerhalb von etwa drei Monaten einsatzfähig zu machen und zu testen. Die Tests seien aufgrund der zeitnahen Nutzung gegen Russland simplifiziert. „Ein sehr effizienter wirtschaftlicher Ansatz, da die aus den Kokons gezogenen Scalps ohnehin zum ‚Schrott‘ [Vernichtung] bestimmt waren“, zitierte das RFI eine Quelle.

Im Januar hatte der Präsident Frankreichs, Emmanuel Macron, die Lieferung von „vierzig Scalp-Raketen“ an Kiew bekannt gegeben. Etwa zu der Zeit soll den Angaben nach auch die Operation Chrysalis gestartet sein. Quellen gaben gegenüber dem RFI an, die Kosten pro Rakete könnten im Vergleich zu neu produzierten Raketen durch das Prozedere geviertelt werden. Das Programm Chrysalis soll laut RFI noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, dann sind die Bestände vermutlich aufgebraucht.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Scalp-Raketen und Storm Shadow wertvoll für die Ukraine – Frankreich will Strategie mit Exportversionen aufrechterhalten

Die französischen Behörden befänden sich ebenfalls auf der Suche nach anderer Munition, zum Beispiel Artillerie-Granaten oder Boden-Luft-Waffen. Eine andere Technik sei, die Scalp-Raketen in der „Exportversion“ zu kaufen und dann umzuprogrammieren, damit die Missionsvorbereitung auch über französische Computer funktionieren könne.

Laut der polnischen Nachrichtenseite Polon seien Scalp-Raketen der Exportversion beispielsweise aus Indien, Katar, Saudi-Arabien und Griechenland importiert worden. Der beste Fall sei der „von einer direkten Veräußerung an die Ukraine mit dem Rückkauf einer neuen Rakete dahinter“, so eine Quelle des RFI. „Das ist der Hammer!“

Scalp-Marschflugkörper, auch bekannt als Storm Shadow, sind das britisch-französische Äquivalent von Taurus-Raketen. Sie haben jedoch lediglich 250 Kilometer Reichweite, etwa halb so viel wie Taurus-Raketen. Trotzdem sah der Kreml eine Eskalation in der Lieferung von Scalp-Raketen. Der Ukraine gelangen mit den Raketen beispielsweise Treffer gegen die russische Schwarzmeer-Flotte in Krim-Nähe oder einen russischen Fahrzeugpark auf der Krim. (lismah)

Rubriklistenbild: © JACK GUEZ / AFP