Ausgeklügelter Plan

Taktischer Schachzug der Ukraine: So wird die Krim für Russland unhaltbar gemacht

Bei der Ukraine-Offensive nehmen die Streitkräfte zunehmend auch die Befreiiung der Krim ins Visier.
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Bei der Ukraine-Offensive nehmen die Streitkräfte zunehmend auch die Befreiiung der Krim ins Visier.
  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Flugabwehr und Radarsysteme zerstört: Die Ukraine-Offensive setzt verstärkt auf Drohnen-Attacken auf die Krim. Das könnte bald den Frontverlauf verändern.

Kiew – Bohrtürme werden von Spezialeinheiten besetzt, Kriegsschiffe und Luftabwehrsysteme lahmgelegt: In den vergangenen Tagen hat die Ukraine Russland im Ringen um die Krim empfindliche Niederlagen zugefügt. Und es soll nicht bei Einzelaktionen bleiben. „Auf der Krim erwarten die Russen neue Überraschungen“, lautet die Ankündigung der ukrainischen Regierung in der Kyiv Post. Die Offensive im Krieg gegen Russland werde ausgeweitet, hieß es.

Tatsächlich scheinen die Angriffe auf die besetzte Halbinsel am Schwarzen Meer keine zufälligen Treffer, sondern eine gezielte Strategie zu sein. Viele Militärbeobachter sehen hinter den nun bekannt gewordenen Einzelaktionen tatsächlich einen ausgefeilten Plan für die Ukraine-Offensive. „Mittel- und langfristig besteht das Ziel darin, die Krim für die Russen unhaltbar zu machen“, erklärte András Rácz, Russland-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Gegenoffensive der Ukraine: Drohnen-Angriffe auf Krim sollen Frontverlauf ändern

Durch das gezielte Ausschalten der Flugabwehr würden die ukrainischen Truppen Russland dazu zwingen, seine Verteidigungskapazitäten von der Front auf die Krim zu verlagern. Die Hoffnung bestehe, dass dadurch der Frontverlauf durch die Gegenoffensive entscheidend beeinflusst werden könnte.

Verluste im Ukraine-Krieg: Russlands Armee nach zerstörten Radaranlagen fast „blind“

Doch wird der Plan aufgehen? In den vergangenen Tagen hat die Ukraine Russland jedenfalls erhebliche Verluste zugefügt. Zunächst eroberte eine Spezialeinheit die berühmten Boiko-Bohrtürme im Schwarzen Meer zurück, die Russland im Ukraine-Krieg zuletzt als Raketenabschussrampe und Radaranlage genutzt hatte. Durch die Rückeroberung sei die russische Marine nun weitgehend „blind“, so Rácz.

Die Auswirkungen zeigten sich nur wenige Stunden und Tage später: Zuerst explodierten auf der Werft in Sewastopol mehrere Raketen. Videos zeigen ein zerstörtes Landungsschiff und zwei beschädigte U-Boote. Kurz darauf schaltete die ukrainische Armee auch ein russisches Luftabwehrsystem vom Typ Triumf S-400 aus – offenbar, weil ein Urlauber den Standort per Foto preisgegeben hatte.

Für die Offensive bringt dies die Ukraine laut Militäranalysten in eine vorteilhafte Position. „Die Ukraine öffnet hier gerade den russischen Luftraum über der Krim für weitere Angriffe mit Storm-Shadow-Marschflugkörpern“, ist Rácz überzeugt. Bisher konnte Russland diese Angriffe fast ausschließlich mit dem Flugabwehrsystem S-400 abwehren. Allerdings verfügt die Armee von Wladimir Putin nur über 25 solcher Systeme, und einige wurden bereits getroffen.

Ukraine-Offensive: USA liefern für Befreiung der Krim bald ATACMS-Raketen

Durch die Zerstörung des S-400 Triumf auf der Krim gerät die dort stationierte Marine nun unter Druck. Bisher hatte Russland seine Raketenangriffe auf die Ukraine von den Schiffen und Booten aus gestartet. Doch jetzt sind sie den Angriffen durch die Ukraine-Offensive zunehmend schutzlos ausgesetzt. Die USA haben bereits angekündigt, der Ukraine effektive Langstreckenraketen vom Typ ATACMS zur Verfügung zu stellen. Mit diesen könnten Selenskyjs Truppen jedes Ziel auf der Krim erreichen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Der Kreml wird daher wahrscheinlich einen Teil seiner vorgeschobenen Marine abziehen und außerhalb der Reichweite der neuen Wunderwaffe positionieren müssen. Doch selbst wenn die Schiffe bei einer Krim-Offensive geschützt werden könnten, ergibt sich für Putin ein Nachteil: Raketenangriffe aus der Schwarzmeer-Region auf die Ukraine wären dann nicht mehr möglich. (jkf)

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Jens Kiffmeier sorgfältig überprüft.

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