Außenhandel

Trump droht mit Zöllen auf Autos – womöglich Tausende Jobs in Baden-Württemberg betroffen

  • VonTheodora Billich
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Die USA haben China als wichtigsten deutschen Handelspartner abgelöst. Doch Trumps Zölle gefährden die deutschen Exporte. Der US-Präsident will unter anderem auch die Einfuhr von Autos verteuern.

Zum ersten Mal seit 2015 sind die USA wieder Deutschlands wichtigster Handelspartner. Doch wie entwickelt sich das Geschäft mit den Vereinigten Staaten weiter? US-Präsident Donald Trump hat bereits Zölle auf Stahl und Aluminium eingeführt und droht nun, die Einfuhr von Autos in die USA erheblich zu verteuern. Dies könnte vor allem die angeschlagene deutsche Autoindustrie stark belasten. SÜDWEST24 berichtet.

Was könnten Trumps Zölle anrichten? Der US-Präsident will unter anderem auch den Autoimport viel teurer verzollen.

Möglicherweise 25 Prozent auf Autoimporte – Kraftwagen waren 2024 wichtigstes Exportgut

Trump erklärte bei einer Pressekonferenz in Mar-a-Lago, dass die Zölle auf Autoimporte in die USA bei etwa 25 Prozent liegen könnten. Der Präsident will sich am 2. April genauer dazu äußern. Eine derartige Erhöhung der Zölle würde die bereits schwächelnde deutsche Automobilbranche empfindlich treffen – gerade in Baden-Württemberg. Das Bundesland ist etwa Standort der renommierten Autobauer Porsche und Mercedes-Benz. Auch Audi betreibt ein großes Werk in Neckarsulm bei Heilbronn. Wie SÜDWEST24 unlängst berichtete, kämpf beispielsweise Mercedes-Benz schon jetzt mit den Auswirkungen der Autokrise.

Trotz eines Rückgangs blieben Kraftwagen und Kraftwagenteile im vergangenen Jahr mit einem Gesamtwert von 262 Milliarden Euro (minus 4,0 Prozent) das bedeutendste Exportgut „Made in Germany“. Darauf folgten Maschinen mit 216,5 Milliarden Euro (minus 4,8 Prozent) und chemische Erzeugnisse mit 138,6 Milliarden Euro (minus 2,1 Prozent).

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, kommentiert, dass diese Zölle aufgrund des enormen Handelsvolumens die europäische Wirtschaft schwächen könnten, besonders Deutschland. Auch Importe aus Mexiko wären betroffen, wo deutsche Automobilhersteller in große Fabriken investiert haben.

Zölle als Belastung für Exportnation Deutschland – 300.000 Jobs könnten verloren gehen

Nach den Einschätzungen von Sebastian Dullien, dem wissenschaftlichen Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung, könnte eine Eskalation des Handelskonflikts dazu führen, dass die deutschen Exporte in die USA bis 2025 seit Jahren erstmal wieder sinken.

Deutsche Exporte gehen vor allem in die USA. Doch die US-Zölle könnten die Einfuhr von Produkten „Made in Germany“ ausbremsen.

Sollte es zu gar einem globalen Handelskrieg kommen, könnte die deutsche Wirtschaft um mehr als ein Prozent schrumpfen. 300.000 Arbeitsplätze in Deutschland könnten dadurch verloren gehen. Dies zeigten Simulationen des IMK.

USA wichtigster Abnehmer für deutsche Exporte

Seit 2015 sind die USA der wichtigste Einzelmarkt für Waren „Made in Germany“. Im vergangenen Jahr gingen die meisten deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten, mit einem Warenwert von 161,4 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. An zweiter Stelle der wichtigsten Abnehmerländer stand Frankreich mit 116,2 Milliarden Euro, gefolgt von den Niederlanden mit 110,5 Milliarden Euro.

Exportüberschuss gestiegen

Laut den neuesten Daten der Wiesbadener Statistiker exportierte Deutschland 2024 Waren im Gesamtwert von 1.556 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Importe sanken noch deutlicher um 3,0 Prozent auf 1.316,9 Milliarden Euro. Dadurch stieg der Exportüberschuss auf 239,1 Milliarden Euro, verglichen mit 217,7 Milliarden Euro im Vorjahr.

Seit 2015 dominieren chinesische Produkte die Importe nach Deutschland. Obwohl die Importe aus China leicht auf 156,3 Milliarden Euro zurückgingen, blieb die Volksrepublik auch 2024 das mit Abstand wichtigste Lieferland. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Niederlande mit 95,2 Milliarden Euro und die Vereinigten Staaten mit 91,4 Milliarden Euro.

USA überholen China in der Rangliste der Handelspartner

Jüngst rückten die USA wieder auf Platz 1 der wichtigsten deutschen Handelspartner auf. Laut Statistischem Bundesamt betrug das Handelsvolumen mit den Vereinigten Staaten 252,8 Milliarden Euro. Damit überholten die USA China, das in den Jahren 2016 bis 2023 den Spitzenplatz hielt, mit 246,3 Milliarden Euro. Die Niederlande landeten 2024 auf Platz 3, mit einem Handelsvolumen von insgesamt 205,7 Milliarden Euro.

Während der Handel mit den USA leicht um 0,1 Prozent zunahm, sank der Handel mit China, hauptsächlich aufgrund rückläufiger deutscher Exporte. Sie nahmen um 3,1 Prozent ab. IMK-Forscher Dullien sieht die aggressive Industriepolitik Chinas als eine der zentralen Herausforderungen für Deutschland. Die chinesische Regierung strebt im Rahmen der „Made in China 2025“-Strategie an, in Bereichen, in denen Deutschland stark ist, Weltmarktführer zu werden, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Das bedeutet einen Verlust von Marktanteilen für die deutsche Industrie.

Auftragspolster der Industrie ein wenig dicker geworden

Einen kleinen Lichtblick gibt es trotzdem: Die deutsche Industrie startete mit einem soliden Auftragspolster ins neue Jahr. Laut dem Statistischen Bundesamt stieg der preisbereinigte Auftragsbestand im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent. Im Vergleich zu Dezember 2023 war der Wert jedoch um 0,6 Prozent niedriger.

Der leichte Anstieg binnen Monatsfrist ist vor allem auf einige Großaufträge im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus zurückzuführen. Hierzu zählen Flugzeuge, Schiffe, Züge oder Militärfahrzeuge. Auch der Auftragsbestand im Maschinenbau wuchs. Einbußen mussten Elektroausrüster und die Autoindustrie hinnehmen. Den Berechnungen des Bundesamtes zufolge reichen die Aufträge durchschnittlich für 7,5 Monate, um die Unternehmen auszulasten. (thb/dpa)

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