Gefahr für eigene Soldaten
Putins Schrotthaufen: Russland reaktiviert Uralt-Panzer - Regiment verrät heikle Details
VonPatrick Mayerschließen
Die russische Armee muss nach heftigen Verlusten im Ukraine-Krieg offenbar verstärkt auf sehr alte Panzer zurückgreifen. Das birgt Gefahren für die Soldaten.
Luhansk - Russland zahlt im Ukraine-Krieg einen gewaltigen Blutzoll für die imperialistischen Gelüste von Kreml-Autokrat Wladimir Putin und dessen Regime in Moskau.
Ukraine-Krieg: Russische Soldaten bekommen aus Moskau immer ältere Panzer
Laut aktuellen Schätzungen des britischen Verteidigungsministeriums hat die russische Armee mehr als 300.000 Soldaten durch Tod oder Verwundung verloren (Stand 15. November). Das Ministerium aus London ordnet als Beobachter das Kriegsgeschehen immer wieder aus westlicher Perspektive ein und beruft sich dabei unter anderem auf eigene Geheimdienstinformationen sowie auf Berichte aus der Ukraine.
Viel Material bleibt demnach auf den Schlachtfeldern im Süden und im Osten des geschundenen Landes zurück. Ein Foto aus dem Frontgebiet der Region Luhansk soll jetzt zeigen, wie russische Soldaten deshalb offenbar immer ältere Panzer ausgehändigt bekommen. Die nicht zuletzt eine Gefahr für sie selbst darstellen.
30 October 2023
— Naalsio (@naalsio26) November 12, 2023
Russian-occupied #Luhansk Oblast, #Ukraine
T-72B with anti-drone cage in operation with Russia's 488th Motorised Rifle Regiment, 144th Guards Motorised Rifle Division, 20th Guards Combined Arms Army, Western MD
The 488th MRR only operated T-72BA as MBTs in… pic.twitter.com/xAsxMElJdQ
Laut US-amerikanischem Wirtschaftsmagazin Forbes tauchte ein Foto im Internet auf, das einen russischen Panzerfahrer mit einem alten T-72B zeigen soll. Dieses Modell russischer Panzer wurde 1985 in Dienst gestellt. Der Soldat soll wiederum dem 488. motorisierten Schützenregiment angehören, das üblicherweise im westrussischen Klinzy in der Oblast Brjansk stationiert ist. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Ukraine-Krieg: Foto von Luhansk-Front zeigt russischen Soldaten vor Uralt-Panzer
Forbes geht auch nicht auf die Primärquelle aus dem Netz ein. Das Foto machte unter anderem bei X (vormals Twitter) die Runde. Russische Soldaten dürften das Foto mutmaßlich hochgeladen haben. Denn: Es zeigt den Panzerfahrer offensichtlich während einer Pause und vergleichsweise gut gelaunt. Und das in Frontnähe.
Genauer Zeitpunkt und Ort der Aufnahme lassen sich derweil nicht unabhängig verifizieren. Wie so oft nicht in den Kriegswirren. Das gilt zum Beispiel auch für wiederkehrende Gerüchte zum angeblichen Tod von Moskau-Machthaber Putin, die der Kreml zumindest dementierte.
Ukraine-Krieg: Russland baut nach eigenen Angaben neue Panzer
Über die eigenen Verluste spricht Russlands Machtapparat dagegen kaum. Stattdessen platziert Moskau auffällig offensiv Meldungen, die der Bevölkerung Mut machen sollen, während wie schon im sowjetischen Afghanistan-Krieg (1979 - 1989) tausende Zinksärge nach Russland zurückkehren.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Zuletzt kursierte ein viel beachtetes Video in den Sozialen Netzwerken. Auf diesem sind Arbeiter der Kaluga-Turbinen-Fabrik zu sehen. Die gleichnamige Stadt Kaluga liegt knapp 190 Kilometer südwestlich von Moskau. Die Arbeiter gießen in dem Video offenbar eine neue 1500-PS-Gasturbine für einen russischen Kampfpanzer T-80. Dessen Produktion hatte laut Forbes 30 Jahre lang geruht. Gehen Putins Panzer-Vorräte etwa zuneige?
Russlands Armee in der Ukraine: Bleiben Regiment nur noch alte T-72B-Panzer?
Beim abgebildeten T-72B schreibt das Magazin von einem „technischen Rückschritt“. Schließlich habe das 488. motorisierten Schützenregiment zuvor kampfwertgesteigerte T-72BA gehabt. Diese Version des Panzers habe einen leistungsstärkeren Motor und eine stabilere 125-Millimeter-Glattrohr-Kanone. Dem Bericht zufolge hatte Moskau einst 700 der T-72BA-Panzer. Von denen kaum noch einer übrig ist?
Die älteren T-72B-Panzer sind zumindest regelrechte Fallen für die eigene Besatzung. Denn: Wie bei allen T-72-Modellen wurde bei der Konstruktion der Schutz der Soldaten völlig vernachlässigt. Der Kampfraum ist zum Beispiel sehr, sehr eng, was eine Flucht aus einem möglicherweise brennenden Panzer bei einem Treffer sehr schwierig macht. Etliche Drohnen-Videos aus dem Ukraine-Krieg zeigen, dass gerade dieser Umstand den Soldaten oft zum Verhängnis wurde.
Der Kommandant und der Richtschütze sitzen im Turm des T-72 zudem unmittelbar über dem Drehkarussell, in dem die Munition für den Ladeautomaten der Glattrohrkanone untergebracht ist. Trifft eine Panzerabwehrlenkwaffe den T-72 in diesem Bereich, sind die Überlebenschancen für die Besatzung sehr gering. Fotos belegen, wie von vielen russischen T-72-Panzern der Turm regelrecht herunter gesprengt wurde. Und zwar genau in dem Bereich, wo der Kommandant und der Richtschütze sitzen. Hardkill-Systeme zum Schutz, die Schrotmunition gegen Panzerabwehrgranaten verschießen, hat dieser Panzer freilich nicht. Sie wurden erst sehr viel später eingeführt.
Ukraine-Krieg: T-72-Panzer anfällig für RPG-7-Panzerbüchsen
Auf dem eingangs beschriebenen Foto, das aus der Region Luhansk stammen soll, hat der Panzer nicht mal eine Reaktivpanzerung. Dabei werden mit Sprengstoff beschichtete Kacheln auf die Wanne montiert, damit Geschosse vor dem möglichen Eindringen an der Karosserie explodieren.
Die Panzerung der Wanne besteht stattdessen aus einer 20,5 Zentimeter dicken Verbundpanzerung aus Panzerstahl und dem Kunststoff Polyurethan. Was erstmal mächtig klingt, hat sich als anfällig für Hohlladungsgeschosse erwiesen. Zum Beispiel aus der Panzerbüchse RPG-7, wie sie beide Seiten gezielt einsetzen. Die Granate der RPG-7 kann unbestätigten Berichten zufolge bis zu 30 Zentimeter dicken Panzerstahl durchschlagen. Und so setzt Putin seine Soldaten mit Panzern vom Schrottplatz einem enormen Risiko aus. (pm)
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