Gefahr für eigene Soldaten

Putins Schrotthaufen: Russland reaktiviert Uralt-Panzer - Regiment verrät heikle Details

  • Patrick Mayer
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Die russische Armee muss nach heftigen Verlusten im Ukraine-Krieg offenbar verstärkt auf sehr alte Panzer zurückgreifen. Das birgt Gefahren für die Soldaten.

Luhansk - Russland zahlt im Ukraine-Krieg einen gewaltigen Blutzoll für die imperialistischen Gelüste von Kreml-Autokrat Wladimir Putin und dessen Regime in Moskau.

Ukraine-Krieg: Russische Soldaten bekommen aus Moskau immer ältere Panzer

Laut aktuellen Schätzungen des britischen Verteidigungsministeriums hat die russische Armee mehr als 300.000 Soldaten durch Tod oder Verwundung verloren (Stand 15. November). Das Ministerium aus London ordnet als Beobachter das Kriegsgeschehen immer wieder aus westlicher Perspektive ein und beruft sich dabei unter anderem auf eigene Geheimdienstinformationen sowie auf Berichte aus der Ukraine.

Viel Material bleibt demnach auf den Schlachtfeldern im Süden und im Osten des geschundenen Landes zurück. Ein Foto aus dem Frontgebiet der Region Luhansk soll jetzt zeigen, wie russische Soldaten deshalb offenbar immer ältere Panzer ausgehändigt bekommen. Die nicht zuletzt eine Gefahr für sie selbst darstellen.

Laut US-amerikanischem Wirtschaftsmagazin Forbes tauchte ein Foto im Internet auf, das einen russischen Panzerfahrer mit einem alten T-72B zeigen soll. Dieses Modell russischer Panzer wurde 1985 in Dienst gestellt. Der Soldat soll wiederum dem 488. motorisierten Schützenregiment angehören, das üblicherweise im westrussischen Klinzy in der Oblast Brjansk stationiert ist. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Ukraine-Krieg: Foto von Luhansk-Front zeigt russischen Soldaten vor Uralt-Panzer

Forbes geht auch nicht auf die Primärquelle aus dem Netz ein. Das Foto machte unter anderem bei X (vormals Twitter) die Runde. Russische Soldaten dürften das Foto mutmaßlich hochgeladen haben. Denn: Es zeigt den Panzerfahrer offensichtlich während einer Pause und vergleichsweise gut gelaunt. Und das in Frontnähe.

Genauer Zeitpunkt und Ort der Aufnahme lassen sich derweil nicht unabhängig verifizieren. Wie so oft nicht in den Kriegswirren. Das gilt zum Beispiel auch für wiederkehrende Gerüchte zum angeblichen Tod von Moskau-Machthaber Putin, die der Kreml zumindest dementierte.

Ukraine-Krieg: Russland baut nach eigenen Angaben neue Panzer

Über die eigenen Verluste spricht Russlands Machtapparat dagegen kaum. Stattdessen platziert Moskau auffällig offensiv Meldungen, die der Bevölkerung Mut machen sollen, während wie schon im sowjetischen Afghanistan-Krieg (1979 - 1989) tausende Zinksärge nach Russland zurückkehren.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Zuletzt kursierte ein viel beachtetes Video in den Sozialen Netzwerken. Auf diesem sind Arbeiter der Kaluga-Turbinen-Fabrik zu sehen. Die gleichnamige Stadt Kaluga liegt knapp 190 Kilometer südwestlich von Moskau. Die Arbeiter gießen in dem Video offenbar eine neue 1500-PS-Gasturbine für einen russischen Kampfpanzer T-80. Dessen Produktion hatte laut Forbes 30 Jahre lang geruht. Gehen Putins Panzer-Vorräte etwa zuneige?

Russlands Armee in der Ukraine: Bleiben Regiment nur noch alte T-72B-Panzer?

Beim abgebildeten T-72B schreibt das Magazin von einem „technischen Rückschritt“. Schließlich habe das 488. motorisierten Schützenregiment zuvor kampfwertgesteigerte T-72BA gehabt. Diese Version des Panzers habe einen leistungsstärkeren Motor und eine stabilere 125-Millimeter-Glattrohr-Kanone. Dem Bericht zufolge hatte Moskau einst 700 der T-72BA-Panzer. Von denen kaum noch einer übrig ist?

Die älteren T-72B-Panzer sind zumindest regelrechte Fallen für die eigene Besatzung. Denn: Wie bei allen T-72-Modellen wurde bei der Konstruktion der Schutz der Soldaten völlig vernachlässigt. Der Kampfraum ist zum Beispiel sehr, sehr eng, was eine Flucht aus einem möglicherweise brennenden Panzer bei einem Treffer sehr schwierig macht. Etliche Drohnen-Videos aus dem Ukraine-Krieg zeigen, dass gerade dieser Umstand den Soldaten oft zum Verhängnis wurde.

Ein zerstörter russischer T-72-Panzer in der Nordukraine. Der Turm wurde offenbar durch eine Explosion weggesprengt.

Der Kommandant und der Richtschütze sitzen im Turm des T-72 zudem unmittelbar über dem Drehkarussell, in dem die Munition für den Ladeautomaten der Glattrohrkanone untergebracht ist. Trifft eine Panzerabwehrlenkwaffe den T-72 in diesem Bereich, sind die Überlebenschancen für die Besatzung sehr gering. Fotos belegen, wie von vielen russischen T-72-Panzern der Turm regelrecht herunter gesprengt wurde. Und zwar genau in dem Bereich, wo der Kommandant und der Richtschütze sitzen. Hardkill-Systeme zum Schutz, die Schrotmunition gegen Panzerabwehrgranaten verschießen, hat dieser Panzer freilich nicht. Sie wurden erst sehr viel später eingeführt.

Ukraine-Krieg: T-72-Panzer anfällig für RPG-7-Panzerbüchsen

Auf dem eingangs beschriebenen Foto, das aus der Region Luhansk stammen soll, hat der Panzer nicht mal eine Reaktivpanzerung. Dabei werden mit Sprengstoff beschichtete Kacheln auf die Wanne montiert, damit Geschosse vor dem möglichen Eindringen an der Karosserie explodieren.

Die Panzerung der Wanne besteht stattdessen aus einer 20,5 Zentimeter dicken Verbundpanzerung aus Panzerstahl und dem Kunststoff Polyurethan. Was erstmal mächtig klingt, hat sich als anfällig für Hohlladungsgeschosse erwiesen. Zum Beispiel aus der Panzerbüchse RPG-7, wie sie beide Seiten gezielt einsetzen. Die Granate der RPG-7 kann unbestätigten Berichten zufolge bis zu 30 Zentimeter dicken Panzerstahl durchschlagen. Und so setzt Putin seine Soldaten mit Panzern vom Schrottplatz einem enormen Risiko aus. (pm)

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