Erneutes Treffen in der Türkei

Putin kündigt überraschende Türkei-Reise an - und muss nichts befürchten

  • Daniel Dillmann
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Russlands Präsident Wladimir Putin will einer Einladung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan folgen. Das bestätigt der Kreml.

Moskau - Inmitten des Ukraine-Kriegs kündigt Russlands Präsident Wladimir Putin eine Reise an, die viel Beachtung erhalten wird. Er werde der Einladung seines Kollegen aus der Türkei, Präsident Recep Tayyip Erdogan, folgen und Ankara besuchen. Das bestätigte der Kreml. „Der türkische Präsident hat seine Einladung an unseren Präsidenten, die Türkei zu besuchen, bestätigt“, sagte Putins Berater Juri Uschakow am Donnerstag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Es gebe Pläne für diese Reise, aber noch keinen festen Termin, fügte er hinzu.

Immer wieder seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wurde in Berichten die Männerfreundschaft zwischen Putin und Erdogan herausgehoben. Die Türkei hatte sich nicht bei Sanktionen gegen Russland zurückgehalten, Putin wiederum war im Wahlkampf der Präsidentschaftswahl, die Erdogan knapp für sich entscheiden konnte, publikumswirksam an der Seite des türkischen Präsidenten aufgetreten. Die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder hatten unter dem Ukraine-Krieg kaum gelitten.

Erdogan (l.) und Putin - sie schütteln sich womöglich bald erneut in der Türkei die Hand.

Erdogan inszeniert sich als Vermittler für Frieden zwischen der Ukraine und Russland

So gilt der Nato-Staat Türkei zwar nicht als Verbündeter Russlands, zumindest aber neben Ungarn als sein größter Fürsprecher im Verteidigungsbündnis. In Moskau dürfte man auch den Widerstand Erdogans gegen die Nato-Mitgliedschaft Schwedens wohlwollend sehen. Erdogan wiederum hat sich in der Vergangenheit bereits als Vermittler für Frieden zwischen Kiew und dem Kreml inszeniert. Gut möglich, dass er Putins Besuch zu einem erneuten Anlauf nutzen möchte.

Einen ersten Schritt auf einem Weg zu einer Friedensinitiative könnte dabei die erneute Verlängerung des Getreideabkommens darstellen. Das Abkommen, einst in Istanbul ausgehandelt, war im Mai noch verlängert worden. Offiziell läuft es am 17. Juli aus. Putin hatte laut eines Berichts der Süddeutschen Zeitung gegenüber russischen Militärbloggern damit gedroht, das Abkommen ohne Verlängerung oder Ersatz auslaufen zu lassen. Erdogan dürfte daran gelegen sein, seinen russischen Kollegen noch umzustimmen.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
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Seltene Gelegenheit für Putin, sich als internationaler Staatsmann zu zeigen

Für Putin ist die Reise aber auch eine Gelegenheit, sich als Staatsmann auf internationaler Bühne außerhalb der Einflussgebiete von klaren Verbündeten wie China und ehemaligen Sowjet-Staaten zu zeigen. Allzu viele Länder bleiben dem russischen Präsidenten diesbezüglich nämlich nicht. Wegen des Ukraine-Kriegs, in dem Russland zuletzt hohe Verluste hinnehmen musste, wird Putin vom internationalen Strafgerichtshof weltweit per Haftbefehl gesucht. Jedes Land, das den Strafgerichtshof anerkennt, ist damit verpflichtet, ihn zu verhaften und an Den Haag auszuliefern. Putins Teilnahme am Gipfel der sogenannten BRICS-Staaten (bestehend aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) in Johannesburg in diesem Sommer gilt daher als unwahrscheinlich. Südafrika erkennt den Strafgerichtshof an - anders als die Türkei. (mit dpa)

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