Oppositionspolitiker
Waffenstillstand in der Ukraine gefordert: Putin-Gegner traut sich aus der Deckung
- VonMax Nebelschließen
Das erfordert Mut im Putin-Reich: Der russische Oppositionspolitiker Grigori Jawlinski verlangt einen Waffenstillstand mit der Ukraine.
Moskau - Der liberale russische Oppositionspolitiker und Wirtschaftswissenschaftler Grigori Jawlinski ist einer der bekannteren Kreml-Kritiker in Russland. Regelmäßig warnt er von den Auswirkungen und dem Handeln seines regierenden Widersachers Wladimir Putin. Auch den Ukraine-Krieg verurteilte der ehemalige Vorsitzende sowie mehrfache Präsidentschaftskandidat der Partei Jabloko wiederholt. Entsprechend wenig verwundert nun sein Vorstoß in einem Interview mit dem russischen Staatssender RBK.
Oppositionspolitiker Jawlinski fordert Waffenstillstand in der Ukraine
Nach Angaben der renommierten Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) erklärte Jawlinski in dem TV-Gespräch, dass es seiner Ansicht nach im Interesse Russlands läge, schnellstmöglich ein Waffenstillstandsabkommen mit der Ukraine zu unterzeichnen. Ferner äußerte er Zweifel daran, dass russische Umfragen, die eine Zustimmung in der eigenen Bevölkerung suggerieren, korrekt und nicht vielmehr Teil der offiziellen Propaganda des Putin-Regimes seien.
Für die anstehende russische Präsidentschaftswahl 2024 kündigte der 73-Jährige außerdem an, er wolle die notwendigen Unterschriften für seine Teilnahme an der Wahl sammeln. 2012 wurde Jawlinskis Kandidatur von der russischen Wahlleitung verweigert, da angeblich rund ein Viertel seiner rund zwei Millionen Unterschriften gefälscht gewesen sein sollen.
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Russland-Wahl 2024: Jawlinski will gegen Putin antreten
Weiterhin skizzierte der Jabloko-Politiker auf RBK wesentliche Inhalte seines Wahlprogramms, das unter anderem die genannte Unterzeichnung eines Waffenstillstands mit der Ukraine beinhalten wird, aber auch den Austausch von Kriegsgefangenen sowie die Freilassung politischer Häftlinge in Russland. Vor allem aber forderte Jawlinski eine Reform des russischen Justizsystems.
In dem ungewöhnlich offenen Interview kritisierte der gebürtig aus Lwiw (Lemberg, heutige Ukraine) stammende Grigori Jawlinski auch die erste russische Krim-Invasion im Jahr 2014. Wie das ISW kommentiert, „glaube Jawilinski wahrscheinlich, dass diese Antikriegspositionen und die Forderung nach einem Waffenstillstand der direkteste Weg sind, sich Putin entgegenzustellen und Unterstützung in der Öffentlichkeit zu gewinnen.“ Neueste authentische Meinungsumfragen würden darauf hindeuten, dass mittlerweile ein Großteil der Russen für einen Abzug ihrer Armee aus der Ukraine seien. Laut einer aktuellen Einschätzung der US-Regierung sei Russlands Militär aktuell „sehr geschwächt“. (chnnn)
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