Folge der Sanktionen

Wahlen in Russland: Darum kann sich Moskau keine längere Amtszeit Putins leisten

  • Bona Hyun
    VonBona Hyun
    schließen

Putin will weiter im Amt bleiben. Das würde verheerende Folgen für die russische Wirtschaft haben, sagen Experten. Denn der Präsident steht vor einem großen Scherbenhaufen.

Moskau – Wirtschaft spielt für die Russland-Wahl am 15. bis zum 17. März eine große Rolle. „Für die meisten Russen, die den Krieg ignorieren wollen, ist die Wirtschaft wirklich das größte Thema“, sagte jüngst Janis Kluge, Experte für die russische Wirtschaft am Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit gegenüber Euronews. Deshalb versucht Wladimir Putin offenbar kurz vor der Präsidentenwahl die Wirtschaftslage als stabil und sicher darzustellen. Doch er täuscht sich damit selbst.

Vor Russland-Wahl: Putin will mit Wirtschaftsthemen glänzen

Schon bei der Rede zur Lage der Nation sprach Putin über die wirtschaftliche Lage im Kontext der Wahlen. In seiner Rede versprach der russische Präsident für die nächsten sechs Jahre soziale Wohltaten, die vor allem kinderreiche Familien in prekären Lagen unterstützen soll. Zudem versprach er als Maßnahmen zur Stützung der Familien höhere Steuerfreibeträge für Kinder und regionale Sozialprogramme vor, die aus dem föderalen Haushalt gestützt werden sollen.

Bei der Präsidentschaftswahl in Russland spielt auch die Wirtschaft eine wichtige Rolle. Putin will deshalb auch mit Wirtschaftsthemen punkten.

Der Mindestlohn solle von 19.000 Rubel (190 Euro) im Monat bis 2030 auf 35.000 Rubel (350 Euro) steigen. Gegenüber fr.de hatte ein Experte bereits Zweifel an Putins Versprechen geäußert. Putin gehe es in erster Linie darum, Verständnis gegenüber Belangen der „normalen“ russischen Bevölkerung zu zeigen.

Vor Ergebnissen bei Wahl in Russland: Putin verbreitet Optimismus über Wirtschaft

Wichtig für die russische Bevölkerung ist laut Kluge vor allem die Inflation. Dass die Inflation schmerzt, ist allerdings nichts Neues. Die Zentralbank bemüht sich zwar, im Laufe des Jahres die Inflation auf vier Prozent zu dämpfen, doch davon ist sie derzeit noch weit entfernt. Russland kämpft aktuell mit einer Teuerung von 7,4 Prozent. (Stand Februar 2024).

Trotzdem hält Putin wohl gerne an der Vorstellung fest, dass die westlichen Sanktionspakete der russischen Wirtschaft wenig anhaben können und sich die Wirtschaft trotz Sanktionen erholt. Das russische Statistikamt hatte zudem Mitte Februar positive Zahlen veröffentlicht, die ein BIP-Wachstum von 3,6 Prozent im Jahr 2023 belegten. Doch der Präsident muss sich über die Folgen der Sanktionen im Klaren sein.

Kann sich Russland eine längere Amtszeit Putins leisten? Sorge vor Ergebnissen und Prognosen

Bleibt Putin weitere sechs Jahre im Amt, dürfte er mit den gravierenden langfristigen Sanktionsfolgen konfrontiert werden. Die Unternehmen sehen sich mit einem Arbeitskräftemangel konfrontiert. Laut Euronews haben Hunderttausende Männer das Land nach Beginn der Kämpfe in der Ukraine verlassen haben, um der Mobilisierung zu entgehen. Weitere Hunderttausende hätten Militärverträge unterzeichnet.

Eine größere Sorge dürfte der Einbruch beim Öl- und Gasgeschäft bereiten, denn der Westen will weiter Druck auf Putins Öl- und Gashandel ausüben. Die USA haben im jüngsten Sanktionspaket Putins marode Geisterflotten auf die schwarze Liste gesetzt und wollen auch gegen Drittländer vorgehen, die die Russland-Sanktionen umgehen. Das hat nun zur Folge, dass unter anderem Indien Russland im Ölgeschäft den Rücken zukehren könnte.

Zudem hat Putin seit Beginn des Ukraine-Kriegs die Wirtschaft auf einen Modus der „Kriegswirtschaft“ umgestellt. Ökonomen sehen darin vor allem den Grund für das kräftige Wachstum: Massive russische Militärausgaben und hohe Zahlungen an freiwillige Soldaten kurbeln die Wirtschaft an. Man könnte meinen, dass Anzeichen einer „überhitzten“ russischen Wirtschaft jedoch den Optimismus über einen maßgeblich positiven Zustand der Wirtschaft dämpfen.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Trotz wirtschaftliche Lage bleibt Russland vor der Wahl 2024 optimistisch – Putin erneut gewählt?

Russland bleibt dennoch offenbar hoffnungsvoll. So beschwichtigte Wirtschaftsprofessorin Natalia Subarewitsch bereits Sorgen vor einem „schnellen Zusammenbruch“: „Das wird es definitiv nicht sein.“ Auch die angestiegenen Lebensmittelpreise sind für einige Menschen verschmerzbar. Höhere Preise „beunruhigen mich natürlich – wie jeder Verbraucher sehe ich, wie sie steigen“, zitierte Euronews den russischen Passanten Fedotov, der im Bildungswesen arbeitet. „Das hängt mit den Zeiten zusammen, in denen wir leben und die vorübergehen werden.“

Für Putin dürfte die positive Auffassung über den wirtschaftlichen Zustand Russlands in die Karten spielt, wenn er als Kandidat erneut zur Präsidentschaftswahl antritt. Wirtschaftliche Stabilität „ist ein Signal, mit dem Putin gegenüber den Eliten zeigen kann, dass er noch in der Lage ist, die Massen zu mobilisieren“, so Kluge. Jedoch „muss sie echt sein und nicht nur eine manipulierte Zahl.“ (Bohy)

Rubriklistenbild: © Kremlin Pool/imago