„Ein echtes Problem für uns“

Gegen Ukraine-Gefahr vom Himmel: Putin-Soldaten flehen um uralte Waffe

  • Patrick Mayer
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Die ukrainischen Kamikaze-Drohnen lassen die Verluste unter Russlands Truppen auf besonders brutale Weise steigen. Soldaten wenden sich flehend an Putin.

Donbass – Sie kamen auf Befehl von Kreml-Autokrat Wladimir Putin. Und viele von ihnen bleiben in der Ukraine zurück, als weitere Verluste aus Russland. Mehr als 450.000 Soldaten der russischen Armee wurden im Ukraine-Krieg, Stand Anfang Mai 2024, bereits getötet oder verwundet. Das meldet das britische Verteidigungsministerium aus London, das die Lage genau beobachtet. Mindestens 150.000 dieser Soldaten sollen laut einer Einschätzung aus Frankreich nicht mehr am Leben sein.

Verluste Russlands: Drohnen setzen Armee Putins im Ukraine-Krieg zu

Ein Grund für die hohen Verluste der russischen Streitkräfte im Ukraine-Krieg: die tückischen Drohnen der Ukrainer. Russische Soldaten haben sich nun regelrecht flehend an das Kreml-Regime gewandt und eine geradezu uralte Waffe gefordert.

Verluste im Ukraine-Krieg: Russlands Soldaten fordern Schrotflinten gegen Drohnen

Bei X (vormals Twitter) kursiert ein Video, das zwei mutmaßlich russische Soldaten im Kampf gegen eine ukrainische Drohne zeigt. Einer der Soldaten zerstört die Drohne schließlich mit einem Schuss aus einer Schrotflinte. Sein Modell sieht recht modern aus, aber Schrotflinten gibt es freilich auch in älteren Versionen – und zwar schon seit dem 17. Jahrhundert.

„Wir brauchen Schrotflinten, wir brauchen Schrotflinten!“ erklärte etwa ein russischer Soldat kürzlich in einem Video, das in den Sozialen Medien viral ging: „Diese Drohnen sind ein echtes Problem für uns, und wir kämpfen darum, einen effektiven Weg zu finden, sie abzuwehren. Wir haben sie satt, diese verdammten Drohnen! Eine Schrotflinte rettet zehn Leben, wenn nicht mehr. Sie feuern uns einfach ab.“ Die Aufnahme des Soldaten wirkt wie ein Hilferuf im Ukraine-Krieg, als würde er die Zivilgesellschaft bitten, Geld für Schrotflinten zu sammeln. Weil die russische Armee ihre Soldaten ein weiteres Mal im Stich lässt?

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Verluste für Wladimir Putin: Russland-Soldaten fürchten Ukraine-Drohnen

Ein anderer russischer Soldat wird vom amerikanischen Nachrichtenmagazin Newsweek mit den Worten zitiert: „Die Drohnen sind ein ständiges Ärgernis und uns gehen die Möglichkeiten aus, mit ihnen umzugehen. Schrotflinten wären für uns vor Ort ein entscheidender Faktor.“ Um die Verluste gegen die ukrainischen Streitkräfte zu verringern? Immer wieder teilen ukrainische Militär-Blogger in den Sozialen Netzwerken Videos davon, wie selbst einzelne russische Soldaten mit Kamikaze-Drohnen direkt angegriffen werden, oder wie Drohnen Granaten auf sie fallen lassen. In solchen Situationen gibt es für sie oft kein Entkommen mehr.

Warum Schrotflinten? In der modernen Rüstungsindustrie ist die sogenannte Air-Burst-Munition daran angelehnt. Bei dieser wird die Munition durch eine Zerlegerladung in der Luft zur Explosion gebracht und verschießt in einem großen Radius viele kleine Schrapnelle. Dabei wird eine regelrechte Wolke aus Splittern oder Submunitionen erzeugt. Die Schrotflinten funktionieren ähnlich und verschießen ebenfalls Munition, die sich in der Luft in einem großen Radius teilt und somit die Trefferwahrscheinlichkeit gegen fliegende Ziele – wie Drohnen – deutlich erhöht.

Tückische Gefahr im Ukraine-Krieg: Eine Quadrocopter-Drohne der ukrainischen Armee mit zwei Anti-Panzer-Minen.

Verluste im Ukraine-Krieg für Russland: Kamikaze-Drohnen werden den Panzern gefährlich

Weil sowohl die Kampfpanzer T-72, T-80 und T-90 auf russischer Seite als auch etwa die Leopard-2-Panzer oder M1 Abrams der Ukrainer sich als anfällig gegen Kamikaze-Drohnen erwiesen haben, forciert zumindest die westliche Rüstungsindustrie die Entwicklung von abstandsaktiven Schutzsystemen wie Trophy. Auch bei diesen werden blitzschnell Schrapnelle verfeuert, um ein heranrauschendes Geschoss mit einer Art Munitionswolke auszuschalten. Was erneut der herkömmlichen Schrotflinte für einzelne Soldaten ähnelt.

Während die russische Armee auf Tschassiw Jar im Donbass westlich von Bachmut vorrückt, hatte unter anderem ein ukrainischer Soldat auch wegen der Drohnen-Gefahr mehr Reaktivpanzerung für Abrams-Panzer gefordert – um nur ein Beispiel zu nennen. Oft bringen beide Seiten die alte, aber schlagkräftige Panzerabwehrgranate RPG-7 an den Drohnen an, um damit Panzer zu bekämpfen. Oder, so hart es klingen mag, um damit Jagd auf einzelne Soldaten zu machen. (pm)

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