FrankenSAM-Programm initiiert

Wunderwaffe gegen Putins Kampfjets? USA entwickeln neuen Raketenwerfer für die Ukraine

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
    schließen

Die Ukraine erwartet im Herbst und Winter verstärkte Angriffe auf die Infrastruktur durch die russischen Streitkräfte. Ein neues Luaftabwehrsystem aus den USA soll bei der Verteidigung helfen.

Kiew – Wolodymyr Selenskyj hat im Ukraine-Krieg eindringlich gewarnt. Einmal mehr. Diesmal äußerte der ukrainische Präsident die Befürchtung, dass Russland im Winter erneut die kritische Infrastruktur seines westlichen Nachbarn ins Visier nehmen wird, den Moskau im Februar 2022 völkerrechtswidrig und heimtückisch überfallen ließ.

Ukraine-Krieg: Wolodymyr Selenskyj erwartet russische Angriffe auf Infrastruktur

„Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es mit dem nahenden Winter weitere russische Angriffe geben wird“, erklärte der 45-jährige Politiker und erinnerte an die Angriffe der Invasionsarmee des russischen Autokraten Wladimir Putin im vergangenen Winter. Damals versuchte Russland etwa, Umspannnwerke und Trafostationen der Ukraine zu treffen und mindestens zu beschädigen.

Während die ukrainischen Streitkräfte der russischen Schwarzmeerflotte ungebremst schwere Schäden zufügen, bereitet sich das Land mit seinen mehr als 40 Millionen Einwohner jetzt auf den zweiten Winter unter russischem Beschuss vor. Dabei helfen soll ein neuentwickeltes Luftabwehrsystem aus den USA, für das Kurzstreckenraketen kurzerhand umfunktioniert werden.

Neue Boden-Luftabwehrrakete für die Ukraine: Der AIM-9 Sidewinder, der eigentlich von Kampfjets verschossen wird.

Konkret: Wie das US-amerikanisches Online-Nachrichtenmagazin Task & Purpose berichtet, wollen die Vereinigten Staaten Kiew einen ausgetüftelten Raketenwerfer bereitstellen, der demnach AIM-9 Sidewinder als Boden-Luft-Raketen verschießen soll. Obwohl die Waffe eigentlich als Luft-Luft-Rakete eingesetzt und von Kampfjets verschossen wird.

Ukraine-Krieg: AIM-9 Sidewinder sollen als Boden-Luft-Raketen eingesetzt werden

„Das Verteidigungsministerium arbeitet seit mehreren Monaten an einer Reihe von Kurzstrecken-Luftabwehrraketen für die Ukraine, wobei es alte Teile oder Ersatzeinheiten von Partnerländern auf der ganzen Welt bezieht. Die neueste Entwicklung ist ein neuer Boden-Luft-Raketenwerfer, der AIM-9M Sidewinder-Raketen abfeuern kann“, schreibt das Nachrichtenmagazin.

Fotos des neuartigen Luftabwehrsystems mit alten Raketen, die AIM-9M Sidewinder wurden schon 1956 in Dienst gestellt, gibt es offiziell noch nicht. Das Bemühen um den beschriebenen Raketenwerfer sei Teil des amerikanischen FrankenSAM-Programms, berichtet Task & Purpose. Bei diesem würden sich die Vereinigten Staaten dafür einsetzen, dass die internationalen Partner alle möglichen Waffen zusammensuchen, um die Ukrainer bei ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion zu unterstützen. Notfalls würden Waffen umfunktioniert oder an andere Herausforderungen angepasst, wie es nun beim AIM-9M Sidewinder geschieht.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine-Krieg: Neues Luftabwehrsystem gegen die russische Invasion

Eine neue Wunderwaffe gegen Putins Kampfjets? Die Raketen haben einen Infrarot-Suchkopf und reagieren auf Wärmequellen. Mit der MIM-72 Chaparral gab es bereits eine Bode-Luft-Variante der Sidewinder. Das System wurde in den 1990er Jahren von den US-Streitkräften jedoch ausgemustert. Die Sidewinder werden, bei einem Durchmesser von 127 Milimetern und einer Länge von bis zu 3,07 Metern, von einem Feststoffraketentriebwerk angetrieben.

Der Gefechtskopf hat in der Regel ein Gewicht von 9,4 Kilogramm. Ob sich die Raketen zum Abschuss von Kampfjets wie dem anfälligen russischen Erdkampflugzeug Suchoi Su-25 eignen, wurde bisher nicht nachgewiesen. Im Ukraine-Krieg sollen sie trotzdem zum Einsatz kommen, als modifizierte Variante und vom Boden aus angefeuert. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Björn Trotzki

Mehr zum Thema