Erneuter ATACMS-Schlag

Riesen-Problem für Putin: Ukraine schaltet ganze Raketenbasis in Russland aus

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
    schließen

Kam eine US-Waffe zum Einsatz? Den ukrainischen Streitkräften gelingt offenbar ein empfindlicher Schlag gegen Wladimir Putins Raketen-Einheiten hinter der russischen Grenze.

Belgorod – Die nächsten Verluste für Kreml-Autokrat Wladimir Putin: Die Ukraine hat offenbar jene Truppen des Moskau-Regimes in Bedrängnis gebracht, die für die verheerenden Luftangriffe gegen ukrainische Städte verantwortlich sind. Und zwar durch einen Treffer in Russland selbst.

Verluste für Wladimir Putin: Ukrainer treffen wohl Luftabwehrsystem in Russland

Mehrere ukrainische Militär-Blogger teilten am 3. Juni Videos und Fotos, die wohl ein brennendes Luftabwehrsystem S-300 zeigen. Und: Dieser Angriff im Ukraine-Krieg soll sich angeblich in der russischen Region Belgorod zugetragen haben. Die Informationen lassen sich nicht unabhängig verifizieren und überprüfen.

Unter anderem der bekannte ukrainische Kriegsberichterstatter Illja Ponomarenko verbreitete entsprechende Fotos auf der Online-Plattform X. Demnach wurden wohl mindestens drei Komponenten des Flugabwehrsystems in Brand geschossen. Durch eine US-Waffe? Nachdem Washington zuletzt hatte durchblicken lassen, kein Problem mehr damit zu haben, wenn amerikanische Raketen auch (und ausschließlich) gegen militärische Ziele in der Russischen Föderation eingesetzt werden, mutmaßten Blogger, dass die neuen ATACMS-Mittelstreckenraketen bei der Attacke zum Einsatz gerkommen sind.

Verluste im Ukraine-Krieg: Schwerer Luftschlag auf russischem Boden?

Zur Einordnung: Das S-300-System besteht in der Regel aus folgenden Komponenten: Einem Feuerleitradar, einem Überwachungsradar, einem Feuerleitstand, mehreren Lenkwaffenstartern sowie weiteren Militär-Lastkraftwagen zum Transport von Technik und Raketen. Fotos zufolge, die der mutmaßlich amerikanische Blogger „Jay in Kyiv“ teilte, wurde mindestens ein Startgerät, das vier Lenkwaffenbehälter hat, in Brand gesetzt. Zwei weitere LKW der Raketen-Batterie brannten wohl völlig aus.

Auch von einem vierten Fahrzeug des Luftabwehrsystems stieg demnach Rauch auf, was wiederum für mehrere Einschläge in einem größeren Radius spricht. Bis zum Abend des 3. Juni (Stand, 23 Uhr) hatten weder offizielle Stellen in Kiew noch des Verteidigungsministeriums aus Moskau die Bilder öffentlich kommentiert, die folglich aus einer russischen Grenzregion stammen sollen, die an die nördliche ukrainische Oblast Charkiw grenzt.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Waffen für die Ukraine: Lässt Kiew Russland mit US-Raketen angreifen?

Der genaue Ort und der Zeitpunkt der offensichtlichen Attacke waren den Postings nicht zu entnehmen. Erst im April hatten die USA ein neues Militärpaket über 61 Milliarden US-Dollar verabschiedet, das auch besagte ATACMS-Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern enthielt, die als Boden-Boden-Lenkwaffen aus HIMARS-Mehrfachraketenwerfern abgefeuert werden. Vier Meter lange, präzise Lenkwaffen mit einem wuchtigen Durchmesser von 60 Zentimetern, mit denen die Ukrainer nun ein S-300-System Putins ins Visier genommen haben?

Überliefert ist: Die russische Seite setzt die Raketen der S-300 und der moderneren S-400-Systeme auch offensiv für Luftangriffe gegen kritische ukrainische Infrastruktur ein. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein Außenminister Dmytro Kuleba hatten zuletzt bei den Partnern aus dem Westen hartnäckig darum gebeten, vom Verteidigungsbündnis Nato gelieferte Langstreckenwaffen auch gegen militärische Ziele in Russland einsetzen zu dürfen.

Druck auf Wladimir Putin: Setzt Ukraine Nato-Waffen gegen russisches Festland ein?

Nach und nach lenkten mehrere Nato-Staaten ein. Ende Mai erlaubte so auch die Bundesregierung den Einsatz deutscher Waffen gegen Ziele in Russland. Die US-Regierung hatte der Ukraine beinahe zeitgleich übereinstimmenden US-Medienberichten zufolge im Stillen die Erlaubnis erteilt, amerikanische Waffen in begrenztem Umfang gegen Ziele auf russischem Territorium einzusetzen.

Dies gelte ausschließlich für Gegenschläge zur Verteidigung der ostukrainischen Großstadt Charkiw (rund 1,5 Millionen Einwohner), berichteten unter anderem das Nachrichtenmagazin Politico und der Sender CNN. Die gleichnamige ukrainische Oblast grenzt, wie erwähnt, an die russische Region Belgorod, was einen Zusammenhang bedeuten könnte. Und: Die ATACMS-Raketen sind bei ihrer Detonation in der Lage, sogenannte Streumunition freizusetzen. Damit könnten, zumindest in der Theorie, mehrere Komponenten einer Flugabwehr-Batterie gleichzeitig getroffen werden. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot X@IAPonomarenko