Trumps Amtsantritt

Erste Rede als US-Präsident: Trump kehrt zurück an die Macht und verspricht „goldenes Zeitalter“

  • Nail Akkoyun
    VonNail Akkoyun
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Donald Trump will die USA nach seinem Bild umkrempeln. Seiner radikalen Rede zufolge wird der neue US-Präsident dabei keinerlei Rücksicht nehmen.

Washington, D.C – Er ist wieder da: Donald Trump ist zurück an der Macht. Der Republikaner wurde in einer feierlichen Zeremonie in der Kuppelhalle des US-Kapitols zum 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt. Die USA und die Welt müssen sich nun auf vier unruhige, chaotische und unberechenbare Regierungsjahre unter Trump einstellen. 

Eine Amtseinführung der besonderen Art: Trumps MAGA-Anhängerschaft muss draußen bleiben

Wegen eisiger Kälte in der US-Hauptstadt war die Amtseinführung kurzfristig ins Innere des Parlamentsgebäudes verlegt worden. Üblicherweise werden US-Präsidenten draußen an der Westseite des Kapitols vereidigt – vor imposanter Kulisse und bejubelt von großen Menschenmassen auf der angrenzenden Promenade, der National Mall. Die vielen Trump-treuen Zuschauerinnen und Zuschauer, die extra nach Washington angereist waren, bekamen von Trumps feuriger Rede nichts mit. Dabei kündigte er ein „goldenes Zeitalter“ an.

Dass die Vereidigung wegen eisiger Temperaturen drinnen abgehalten wurde, war zuletzt vor 40 Jahren passiert: bei der zweiten Amtseinführung des Republikaners Ronald Reagan 1985. Auch die traditionelle Präsidentenparade nach Trumps Vereidigung, die üblicherweise vom Kapitol zum Weißen Haus führt, wurde nach drinnen verlegt: in eine Sportarena im Zentrum Washingtons. 

Donald Trumps Amtseinführung: Promis und Superstars feiern in Washington DC

Das Ergebnis der US-Wahl 2024 fiel überraschend eindeutig aus: Donald Trump gewann alle sieben Swing States und wurde damit zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt.
Es ist Tradition, dass frühere Präsidenten und ihre Ehepartner bei der Feier anwesend sind – unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Joe Biden hat schon im Dezember klargemacht, dass er „selbstverständlich“ an Trumps Amtseinführung teilnehmen werde.
Auch für Jill Biden heißt es Abschied nehmen vom Weißen Haus. Die Ehefrau von Joe Biden hat ihre Zeit als First Lady genossen. Sie hätte es gerne gesehen, wenn ihr Ehemann noch einmal zur Wahl angetreten wäre.
Zur Tradition gehört auch, dass die scheidende Vizepräsidentin bei der Amtseinführung zugegen ist. Das gilt auch für diejenigen, die die US-Wahl verloren haben. Kamala Harris und Second Gentleman Doug Emhoff dürften also zugegen sein.
Donald Trumps Amtseinführung: Promis und Superstars feiern in Washington DC

Eine radikale Agenda für Runde zwei: Trump will die USA umkrempeln

Donald Trumps erste Amtszeit von 2017 bis 2021 war insgesamt geprägt von Chaos und Skandalen gewesen. Er brach mit zahllosen politischen Konventionen, stellte jahrzehntealte Bündnisse infrage und sorgte für diverse internationale Verwerfungen. Auch innenpolitisch verfolgte der Republikaner eine radikale Agenda, etwa in der Migrationspolitik oder mit einem isolationistischen „America First“-Kurs. Letzteres versprach Trump einmal mehr während seiner Rede im Kapitol.

Weiter plant Trump die „größte Abschiebeaktion in der amerikanischen Geschichte“, um im großen Stil Migranten aus dem Land zu jagen. Er hat angekündigt, Straftäter der Kapitol-Attacke zu begnadigen, im Staatsapparat aufzuräumen und sich an politischen Gegnern zu rächen.

Für einen Tag „Diktator“: Trump kündigt zahlreiche Dekrete an

Der Republikaner kokettierte im Wahlkampf damit, „Diktator“ wolle er nur am ersten Tag einer zweiten Amtszeit sein, und tatsächlich könnten die USA unter ihm autokratische Züge bekommen. Er hat Gegnern, Journalisten und Medienhäusern vielfach mit Vergeltung gedroht und sprach sich sogar dafür aus, das Militär gegen „Feinde im Innern“ einzusetzen. Schon vor dem Amtsantritt Trumps wurde eine „Rekordzahl“ von Dekreten bekannt, die der neue Präsident sofort durchsetzen will.

International hat Trump unter anderem damit gedroht, Strafzölle gegen Waren aus verschiedenen anderen Staaten zu verhängen, die gewaltigen US-Militärhilfen für die Ukraine dramatisch zurückzufahren oder ganz einzustellen und anderen Nato-Staaten im Falle eines Angriffs den militärischen Beistand zu verweigern, falls sie ihre Verteidigungsausgaben nicht deutlich erhöhen.

Donald Trump während seiner ersten Antrittsrede als 47. US-Präsident.

Trump, der Geschichtsschreiber: Verurteilter Straftäter – und Advokat für den „Golf von Amerika“

In den USA kann jemand zwei Amtszeiten lang Präsident sein, egal ob diese aufeinanderfolgen oder nicht. Es gab in der US-Geschichte vor Trump nur einen Präsidenten, der nach Unterbrechung ein zweites Mal zurück ins Weiße Haus gewählt wurde: Grover Cleveland – im 19. Jahrhundert. 

Trumps Rückkehr an die Macht – unzähligen Eklats, Skandalen und Tabubrüchen zum Trotz – ist dabei einmalig. Mit Trump rückt zum ersten Mal in der US-Geschichte ein verurteilter Straftäter auf das höchste Staatsamt auf. Er wurde als erster Ex-Präsident der USA in mehreren Strafverfahren angeklagt – und in einem auch verurteilt. 

Trump hatte sich bereits in seiner ersten Amtszeit einen Eintrag in den Geschichtsbüchern gesichert: als erster US-Präsident, gegen den während seiner Regierungszeit gleich zwei Amtsenthebungsverfahren im Kongress eingeleitet wurden. Nun will er sein Erbe fortsetzen und verspricht in seiner Rede unter anderem die Umbenennung des Golfs von Mexikos in „Golf von Amerika“. Auch werde man sich den Panama-Kanal „zurückholen“.

Schatten der Vergangenheit: Trump spricht im Kapitol

Donald Trump hatte außerdem auf düstere Weise Geschichte geschrieben, indem er seine Niederlage gegen Biden bei der Präsidentschaftswahl 2020 nie einräumte, sondern damals mit allen Mitteln versuchte, den Wahlausgang umzukehren und seinen Auszug aus dem Weißen Haus abzuwenden.

Sein Feldzug gegen den Wahlausgang gipfelte damals in einem beispiellosen Angriff auf die US-Demokratie, als Trump-Anhänger am 6. Januar 2021 gewaltsam das Kapitol stürmten und unter anderem in die Kuppelhalle des Kongressgebäudes eindrangen – eben dort, wo Trump nun vereidigt wurde. Die brutale Attacke, in deren Folge mehrere Menschen ums Leben kamen, wirkt bis heute nach. Inzwischen stellte Trump den wenigen verurteilten Aufständischen eine Begnadigung in Aussicht. (nak/dpa)

Rubriklistenbild: © Brendan Smialowski/AFP

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