Symbol der russischen Annexion

Ukraine nennt Zeitpunkt für „unvermeidbare“ Zerstörung der Krim-Brücke: Putins Militär erhöht Sicherheit

  • Bedrettin Bölükbasi
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Die Zerstörung der Kertsch-Brücke zwischen der Halbinsel Krim und Russland ist eines der wichtigsten Ziele der Ukraine. Nun nannte Kiew einen konkreten Zeitpunkt.

Kertsch – Der Ukraine ist sie schon länger ein Dorn im Auge: Die Kertsch-Brücke, die das russische Festland mit der seit 2014 von Russland besetzten Halbinsel Krim verbindet. Sowohl militärisch als auch symbolisch besitzt die Brücke für beide Seiten eine große Bedeutung. Denn für Kreml-Chef Wladimir Putins Ukraine-Krieg ist sie eine wichtige militärische Versorgungsroute. Zugleich symbolisiert sie die russische Herrschaft über die Halbinsel. Dem ukrainischen Geheimdienst zufolge steht die Zerstörung der Brücke kurz bevor.

Ukraine strebt Zerstörung der Krim-Brücke an: „Erste Hälfte von 2024“

„Wir werden die Brücke in der ersten Hälfte von 2024 zerstören“, sagte ein Beamter des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR gegenüber der britischen Zeitung The Guardian. Laut ukrainischen Beamten ist ein weiterer Angriff auf die Brücke, die bereits zwei Mal attackiert wurde, sowie ihre Zerstörung „unvermeidbar“. Glaubt man diesen Worten, so scheint ein dritter Angriff auf die Brücke zum Greifen nah.

Der Beamte, der den Zeitraum nannte, ist zuversichtlich. Man habe bereits ein Großteil der Mittel angesammelt, um eine Zerstörung der Brücke herbeizuführen. Offenbar ist der Plan hierzu schon am Laufen, womit man darauf abziele, die Marine-Präsenz von Russland im Schwarzen Meer zu „minimieren“: Abgesegnet von Staatschef Wolodymyr Selenskyj persönlich. Immer wieder greift die Ukraine russische Militärschiffe sowie Stützpunkte im Schwarzen Meer an. Dabei kommt natürlich auch die Krim ins Visier.

Immer wieder Ziel ukrainischer Angriffe: Die Krim-Brücke Russlands in der Straße von Kertsch. Ohne die Aufklärung der Atesh-Partisanen hätte die Ukraine keine Chance, Russland die Hölle heiß zu machen. (Archivbild)

HUR-Beamter kritisiert europäische Angst vor Eskalation: „Wir haben seit zwei Jahren Krieg“

Geht es nach ukrainischen Beamten, sind die Mittel zur Zerstörung der Brücke bereits in Kiews Händen. Dennoch heißt es, westliche Waffen würden den Prozess weiter beschleunigen. So fordert die Ukraine etwa von Deutschland immer noch die Taurus-Marschflugkörper. Die inzwischen prominenten Raketen, die Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) keineswegs liefern will und zur Substanz eines Abhör-Skandals bei der Luftwaffe wurden.

Nicht nur Deutschland, aber auch weitere europäische Staaten orientieren sich bei den Waffenlieferungen immer wieder an der Wahrscheinlichkeit einer möglichen, größeren Eskalation, falls noch mehr und vor allem kräftigere Waffen an die Ukraine übergeben werden. Wadym Skybytskyi, der Stellvertreter von HUR-Chef Kyrlo Budanov, hat kein Verständnis dafür. „Was bedeutet Eskalation für uns? Wir haben seit zwei Jahren Krieg, es ist ein täglicher Prozess“, so der Generalmajor gegenüber The Guardian.

Seine Begründung für die Notwendigkeit von Angriffen auf die Krim und weiteren auch russischen Regionen, die außerhalb der aktuellen Gefechtszone liegen: Ein militärischer Sieg gegen Russland sei aktuell unmöglich. Dabei beruft er sich auf Russlands militärische Hoheit sowie die knappe Artilleriemunition der Ukraine. Auch mangele es an Kampjets. Daher habe die Ukraine „keine Wahl“ und müsse den Kampf hinter die feindlichen Linien tragen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Russland erhöht Sicherheit auf der Krim: militärischer Transport mit zivilen Frachtern

Nicht nur die Ukraine bereitet sich auf einen Angriff auf die Krim-Brücke vor. Auch im russischen Militär laufen die Vorbereitungen zur Abwehr eines möglichen ukrainischen Angriffs, wie die pro-ukrainische Atesh-Guerillabewegung im Kurznachrichtendienst Telegram berichtet. Demnach stationiert Russland S-300 und Pantsir-Luftabwehrsysteme auf in der Nähe der Brücke.

Eine Quelle der Atesh-Bewegung teilte gegenüber der Kyiv Post mit, dass die Russen ihre Luftabwehr aus russischen Regionen abziehen und zur Krim bringen würden. Dies geschehe unter anderem mit zivilen Frachtern - offenbar um nicht zum Ziel ukrainischer Angriffe zu werden. (bb)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Vladimir Mordunov

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