Atomkraftwerk im Landkreis Heilbronn

Um 23.59 Uhr – AKW Neckarwestheim 2 geht endgültig vom Netz

Atomkraftwerk Neckarwestheim
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Das Atomkraftwerkwerk Neckarwestheim ist nun stillgelegt.
  • Markus Merz
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Aus Baden-Württemberg fließt kein Atomstrom mehr ins deutsche Netz. Mit zwei anderen Meilern schreibt das Kernkraftwerk Neckarwestheim 2 im Landkreis Heilbronn Geschichte. Doch die ist noch lange nicht zu Ende.

Das war‘s endgültig für das AKW Neckarwestheim 2 im Landkreis Heilbronn. Im Zuge des deutschen Atomausstiegs ist das Kernkraftwerk Neckarwestheim 2 am Samstagabend als letzter noch laufender Meiler in Deutschland um 23.59 Uhr vom Netz gegangen. Das teilte ein Sprecher des Betreibers EnBW der Deutschen Presse-Agentur mit. Damit das Atomkraftwerk (AKW) im Landkreis Heilbronn als abgeschaltet gilt, waren nach der Trennung des Generators vom öffentlichen Stromnetz noch ein paar technische Schritte nötig. Im Südwesten endete somit nach fast 55 Jahren die Produktion von Atomstrom.

Die Abschaltung des AKW Neckarwestheim hinterlässt viele Fragen. Auf die meisten davon gibt es Antworten, auf manche allerdings nicht.

AKW Neckarwestheim geht vom Netz – kommt es nun zu Blackouts?

Vor allem bleibt die Frage: Kommt es nun in Deutschland und Baden-Württemberg zu Blackouts, jetzt da die AKWs nicht mehr am Netz sind?

Mit dem Abschalten auch der Meiler Isar 2 in Bayern und Emsland in Niedersachsen wurde am Samstag der nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 in Deutschland angeordnete Ausstieg aus der Atomkraft vollzogen. Kernkraftgegner feierten den Tag. Mehrere Hundert Menschen kamen zu einem „Abschaltfest“ nach Neckarwestheim.

Rückbau des AKW Neckarwestheim soll so schnell wie möglich beginnen

Erledigt sind damit aber weder das Thema an sich noch die Folgen. Die EnBW will schnellstmöglich mit dem Rückbau des AKW beginnen. Und Landesumweltministerin Thekla Walker (Grüne) hatte vor kurzem noch einmal erklärt, die Herausforderung bleibe, wie riesige Mengen von Atommüll sicher endgelagert werden könnten. Das werde Deutschland länger beschäftigen als die Atomkraftwerke hierzulande in Betrieb gewesen seien.

Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW machte deutlich, welche Folgen das Abschalten von Neckarwestheim 2 für die Netzstabilität und Versorgungssicherheit habe: Da die Übertragungskapazitäten vom Norden, wo vor allem mit Windkraft Strom erzeugt wird, in den Süden Deutschlands noch nicht ausreichend ausgebaut seien, steigt einer Sprecherin zufolge der Bedarf an Ausgleichsmaßnahmen aus dem Ausland und aus Reservekraftwerken. „Die Strom-Importabhängigkeit von Baden-Württemberg nimmt weiter zu.“ Zusätzlich sinke der Anteil an gesicherter Leistung zur Lastdeckung in Deutschland.

Neckarwestheim 2 lieferte 2023 noch fast zwei Milliarden Kilowattstunden

Das Atomkraftwerk Neckarwestheim 2 hat in diesem Jahr noch mehr als 1,9 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert. Das teilte der Betreiber EnBW in der Nacht zum Sonntag mit. Bislang war von mehr als 1,7 Milliarden Kilowattstunden Strom im sogenannten Streckbetrieb bis 15. April die Rede gewesen. Mit einer Kilowattstunde Strom kann man zum Beispiel eine Stunde staubsaugen.

„An unseren drei Kernkraft-Standorten Neckarwestheim, Philippsburg und Obrigheim haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den zurückliegenden insgesamt rund 55 Jahren eine stets sichere Stromproduktion gewährleistet“, erklärte der Geschäftsführer der EnBW-Kernkraftsparte, Jörg Michels. Am Standort Neckarwestheim arbeiten laut der Mitteilung rund 650 EnBW-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter.

EnBW schließt Kapitel Atomkraft

Mit einer jährlichen Produktion von im Schnitt rund 11 Milliarden Kilowattstunden hatte der Meiler nach EnBW-Angaben etwa ein Sechstel des Strombedarfs in Baden-Württemberg gedeckt. Er war 1989 als jüngstes deutsches AKW ans Netz gegangen und soll bis zur Abschaltung rund 375 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert haben.

Der drittgrößte Energieversorger Deutschlands schließt damit allmählich das Kapitel Atomkraft ab - was ganz im Sinne der Firmenphilosophie ist: Der einstige Atomstromer EnBW hat sein Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren umgekrempelt und baut seither die Stromerzeugung über erneuerbare Energien aus.