Bisher größte Nato-Übung
„Air Defender 2023“: Übung über Baden-Württemberg - Karte zeigt Flugroute der Luftwaffe
VonLisa Kleinschließen
Es ist die größte Militärübung in der Geschichte der Nato: Vom 12. bis 23. Juni findet über Deutschland die Luftwaffenübung „Air Defender 23“ statt. Das hat auch Auswirkungen auf die Bevölkerung.
Die Nato übt für den Ernstfall. „Air Defender 23“ ist die größte Militärübung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 sowie in der Geschichte der Nato, die seit 1949 besteht. Vom 12. bis 23. Juni findet die Übung der Luftstreitkräfte unter deutscher Leitung mit mehr als 250 Flugzeugen statt. Laut Bundeswehr soll das sogenannte „Artikel-5-Beistandsszenario“ nachempfunden werden – der Fall, dass ein oder mehrere Nato-Partner angegriffen werden und die anderen Bündnispartner Beistand leisten.
Bis zu 10.000 Soldaten aus 25 Nationen werden bald über den Dächern Deutschlands unter Beteiligung der Nato den Luftkampf üben, um die Kooperation der teilnehmenden Nationen zu optimieren und auszuweiten. Zudem soll dadurch Stärke im Bündnis demonstriert werden. Die Militärübung hat auch Auswirkungen auf Baden-Württemberg. Am Flughafen Stuttgart etwa müssen Passagiere wegen der Militärübung im Juni mit Verspätungen rechnen. Die „Deutsche Presse-Agentur“ (dpa) hat die wichtigsten Fragen und Antworten gesammelt und beantwortet.
Wie gefährlich ist die Militärübung „Air Defender 23“ über Deutschland?
Zuallererst: Ja, die Militärübung „Air Defender 23“ hat auch Auswirkungen auf die Bevölkerung. Auch Soldaten aus Baden-Württemberg des Hubschrauberregiment 64 Laupheim (Kreis Biberach) nehmen an der Übung teil. Aber: Die Luftwaffenübung ist laut Bundeswehr für die Zivilbevölkerung ungefährlich.
Wie ein Sprecher der Luftwaffe mitteilte, würden zwar alle Szenarien, wie beispielsweise der Luftkampf, real geflogen. Allerdings hätten die Systeme der Luftstreitkräfte die Möglichkeit, einen Luftkampf digital zu simulieren. Davon werde bei der Übung Gebrauch gemacht.
NATO
„Die Nato ist das wichtigste sicherheitspolitische Bündnis der Welt. Nato bedeutet ,North Atlantic Treaty Organization´(Nordatlantische Vertragsorganisation) – das Bündnis verknüpft seit mehr als 70 Jahren Europas und Nordamerikas Sicherheit. Es steht für gemeinsame Sicherheit und Verteidigung, für gemeinsame Operationen und für die internationale Kooperation mit Partnern, auch für gelebten Multilateralismus“, erklärt die Bundesregierung.
Wo und wann bekommen Baden-Württemberger etwas von der Nato-Militärübung „Air Defender 2023“ mit?
Ein Teil der Übung findet laut Bundeswehr in einem Korridor statt, der quer durch Baden-Württemberg von Lechfeld in Bayern kommend bis ins südliche Saarland führt. Der Korridor sei 37 Kilometer breit und führe nördlich an Stuttgart vorbei. Genauere Angaben machte ein Sprecher der Bundeswehr auf „dpa“-Anfrage nicht.
Da die Mindestflughöhe dort aber 3350 Meter betrage, sei nur mit leicht erhöhtem Fluglärmaufkommen zu rechnen. Überschallflüge seien nur über der See vorgesehen, sodass im Südwesten nicht mit Überschallknallen zu rechnen ist. Flugplätze in Baden-Württemberg würden durch die Übungsteilnehmer nicht genutzt.
Die Übung findet nach Angaben der Bundeswehr in diesem Bereich vom 12. bis zum 22. Juni werktags zwischen 13:00 und 17:00 Uhr statt. Nachts und am Wochenende soll es dort demnach keine militärischen Flüge geben.
Welche Auswirkungen hat die Nato-Übung auf Passagiere am Flughafen Stuttgart?
Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung werden die Fluglotsen über die Aktivierung der Übungslufträume informiert. Dann stehe dieser Luftraum nicht für den zivilen Flugverkehr zur Verfügung. Flugzeuge würden an solchen Gebieten vorbeigelotst. Außerdem sorgen die Fluglotsen durch ihre Anweisungen an die Flugzeuge für einen Sicherheitsabstand zwischen den Grenzen der Übungslufträume und dem zivilen Luftverkehr.
Wie die Bundeswehr mitteilte, könnte es dadurch zu verspäteten Zivilflügen kommen. Es werde eng mit den für die Flugsicherheit zuständigen Behörden, den Fluglinien sowie den zivilen Flugplätzen zusammengearbeitet, um Abläufe und Verfahren zu optimieren und Auswirkungen auf den zivilen Flugverkehr weitestgehend zu minimieren. Mit Flugstreichungen sei aber nicht zu rechnen.
Nach Angaben des Flughafens Stuttgart dürfen Passagierflugzeuge, die wegen übungsbedingter Verspätungen nicht mehr vor dem regulären Betriebsende um 23.00 Uhr starten beziehungsweise um 23:30 Uhr landen können, dies bis 2:00 Uhr tun. Die Regelung gelte aber nur im Übungszeitraum und auch nur für planmäßige Flüge von und zum Flughafen Stuttgart. Für Ausweichflüge von anderen Flughäfen gelte die Regelung dagegen nicht. Auch an den Flughäfen Friedrichshafen und Karlsruhe/Baden-Baden könnten nach Angaben der Betreiber Ausnahmen von der Nachtflugbeschränkung notwendig werden.
Verspätungen am Flughafen Stuttgart wegen Nato-Übung: Was können Passagiere tun?
Flugreisende sollten sich nach Angaben der Flughäfen vor Antritt der Reise über den aktuellen Status ihres Fluges informieren und auf Mitteilungen der Airline beziehungsweise des Reiseveranstalters achten. Die Bundeswehr rät, individuelle Anfragen zu Auswirkungen auf den zivilen Flugverkehr an die jeweilige Fluggesellschaft zu richten.
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