Mehr Kontrollen gefordert

Nach Cannabis-Legalisierung: Droht in Baden-Württemberg jetzt Kiffer-Tourismus?

  • Michaela Ebert
    VonMichaela Ebert
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Franzosen, die scharenweise nach Baden-Württemberg reisen, um Joints zu rauchen? Laut Innenminister Strobl sei dies nach der Legalisierung ab April möglich. Er warnt deshalb – und fordert weniger Cannabis-Clubs in Grenzregionen.

Der Konsum und der Besitz von Cannabis wird ab dem 1. April in Deutschland legal. Volljährige können dann – mit einigen Einschränkungen – in Deutschland und Baden-Württemberg ihren Joint rauchen. Doch bereits vor dem offiziellen Start im April warnen einige Politiker vor den drohenden Gefahren. So auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl. Besonders in den Grenzregionen könne es Probleme geben.

„Unsere Polizei muss mehr Einsatz zeigen, um die negativen Folgen der Entscheidung der Ampel vor Ort abzumildern“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Man werde keine Ausdehnung des Schwarzmarkts tatenlos tolerieren.

Nach Cannabis-Legalisierung: Strobl fordert verstärkte Grenzkontrollen nach Frankreich

Bereits in den vergangenen Wochen und Monaten hatten sich die regionalen Cannabis-Clubs über enormen Ansturm gefreut – auch in Strobls Heimatstadt Heilbronn. Sein Innenministerium fordert nun, dass es deutlich weniger „Cannabis-Vereinigungen“ in Grenzregionen geben dürfe, um einem „Cannabis-Tourismus“ entgegenzutreten. Zudem müsse die Bundespolizei an der Grenze zu Frankreich künftig verstärkt kontrollieren, um den Ein- beziehungsweise Ausfuhrschmuggel von Cannabis zu unterbinden.

Aus Strobls Ministerium heißt es, dass unmittelbare Auswirkungen auf die Kommunen in Grenznähe zu befürchten seien. „Treffen an einer Staatsgrenze innerhalb des Schengenraumes Rechtssysteme aufeinander, die gleiche Sachverhalte deutlich unterschiedlich regeln, dann sind die Auswirkungen in den Kommunen in Grenznähe unmittelbar spürbar.“

Strobl vergleicht Cannabis-Tourismus mit Glücksspiel-Tourismus: Grenzstadt Kehl besonders betroffen

So hätten restriktivere gesetzliche Regelungen in Frankreich zu einer erheblichen Dichte an Glücksspielautomaten in der Grenzstadt Kehl geführt, welche von französischen Grenzgängern genutzt würden. „Ein vergleichbarer Grenztourismus von Frankreich nach Baden-Württemberg ist bei einer teilweisen Legalisierung von Cannabis in Deutschland daher ebenfalls naheliegend.“

Das Verbot der Hanfpflanze wird mit dem Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) begründet. THC ist einer von über hundert Wirkstoffen der Hanfpflanze und der einzige, der psychoaktive Wirkungen hervorruft. Theoretisch sind auch die Samen betroffen, obwohl sie kein THC enthalten.

Der Kehler Oberbürgermeister Wolfram Britz hatte bereits vor einem Jahr eine hohe Zahl neuer Cannabis-Vereine in der deutsch-französischen Grenzregion prophezeit, da diese im Nachbarland nicht erlaubt seien. Kehl liegt unweit von Straßburg direkt an der deutsch-französischen Grenze. Es kommen bereits viele Menschen aus Frankreich über den Rhein, um etwa Spielhallen aufzusuchen und Zigaretten zu kaufen.

In der Schweiz, an die Baden-Württemberg ebenfalls angrenzt, kommt es bei der Legalität von Cannabis auf den THC-Gehalt und die Menge an.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Stefan Trappe

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