Arktische Temperaturen in Europa
El Niño und La Niña – wie die Wetterphänomene den Winter beeinflussen
VonLisa Kleinschließen
„El Niño“ und sein Gegenpart „La Niña“ wirbeln das Klima durcheinander. Das Wetterphänomen hat auch Auswirkungen auf den Winter in Deutschland.
Im Winter gibt es vor allem zwei Wetterphänomene, die einen erheblichen Einfluss auf das Klima haben – sowohl in Deutschland und Europa als auch auf anderen Kontinenten. Die Rede ist von „El Niño“ und dem „Polarwirbel“. „Unter El Niño versteht man eine Zirkulationsanomalie”, erklärt der „Deutsche Wetterdienst“ (DWD). Heißt: Die Luft- und Meeresströmungen vor der südamerikanischen Westküste verändern sich und bringen das globale Klima durcheinander.
Im Schnitt tritt das Wetterphänomen „El Niño” alle vier Jahre rund um die Weihnachtszeit auf, allerdings in unregelmäßigen Abständen und in unterschiedlichen Ausprägungen.
Das „El Niño“-Phänomen stellt laut DWD „alles auf den Kopf”. Infolgedessen kommt es zu gewaltigen Niederschlägen, Überschwemmungen, heftige Stürme und Orkane in unmittelbarer Nähe. Doch die Auswirkungen sind weltweit zu spüren. Für Europa bedeutet El Niño ein eisiger Winter. Aber was genau passiert da eigentlich?
Was versteht man unter El Niño? Das hat es mit dem Wetterphänomen auf sich
Wie „planet-wissen.de” erklärt, zirkulieren hoch oben in der Luft zwischen einem Hochdruckgebiet vor der Westküste Südamerikas und einem Tiefdruckgebiet vor der Ostküste Australiens in bestimmte Richtungen Winde: die Passatwinde. Parallel dazu kreisen kalte und warme Meeresströmungen.
In einem „El Niño”-Jahr bricht das Hoch vor Südamerika zusammen. Dies geschieht immer „im Südsommer“ – also wenn auf der Südhalbkugel der Erde Sommer herrscht und bei uns auf der Nordhalbkugel Winter. Durch den Zusammenbruch geraten die Passatwinde durcheinander.
Die Passatwinde haben jedoch eine wichtige Rolle: Sie treiben normalerweise das warme Wasser an der Oberfläche des Pazifiks von Osten nach Westen – Richtung Australien, Indonesien und anderen Südostasiengebieten, erklärt der DWD. Gleichzeitig quillt das kältere Tiefenwasser in den Küstenregionen Süd- und Latein-Amerikas auf, wodurch optimale Lebensbedingungen für Fische entstehen sowie ein intaktes Klima.
Was bedeutet „El Niño” eigentlich?
El Niño ist spanisch und bedeutet „der Junge“. Wird allerdings von dem Wetterphänomen gesprochen, wird El Niño mit „das Christkind“ übersetzt. Der Begriff ist negativ behaftet, im Gegensatz zu unserem deutschen Christkind. Das Wetterphänomen hat seinen Namen von Fischern erhalten, erklärt „planet-wissen.de”. Aufgrund der steigenden Meerestemperatur während El Niño kommt es nicht nur zu extremen Wetterlagen, sondern es sterben auch Fische in großen Massen. Peruanische Fischer nennen das Wetterphänomen der christlichen Jahreszeit entsprechend „das Christkind“ – ein Christkind, das Unheil bringt.
Was passiert in einem „El Niño“-Jahr? Wetterphänomen beeinflusst Klima auf der ganzen Welt
Durch das „El Niño“-Phänomen lassen „die tropischen Ostpassatwinde nach oder ändern sogar komplett ihre Richtung”, schreibt der Deutsche Wetterdienst. Dadurch verändern sich auch die Meeresströmungen. Das Meer vor der südamerikanischen Westküste bei Peru erwärmt sich stark.
Die Folgen: „Die Wolken, welche die Niederschläge eigentlich an die asiatischen und australischen Ostküsten bringen sollten, werden nun in die entgegengesetzte Richtung getrieben und regnen über den sonst trockenen Westküsten des amerikanischen Kontinents ab“, erklärt der DWD. Die riesigen Wassermassen sorgen für Hochwasser, Überschwemmungen und Erdrutsche.
Das Wasser fehlt dann wiederum an anderer Stelle: In Australien, Südostasien und im Südosten Afrikas herrscht in einem „El Niño“-Jahr extreme Trockenheit. Die Auswirkungen von El Niño sind auch in Europa und Deutschland zu spüren.
Schneefall in Heilbronn: Die schönsten Bilder aus der Region




Auswirkungen von El Niño auch in Deutschland spürbar – arktischer Winter möglich
Das Wetterphänomen kann in Europa einen besonders eisigen Winter hervorrufen. Laut „planet-wissen.de” sollen einige Wissenschaftler den arktischen Winter 2009/2010 auf das Wetterphänomen El Niño zurückführen. Wer sich nicht daran erinnert: Im Januar 2010 wurden eisige minus 24,3 Grad in der Lausitz im Osten Deutschlands gemessen, wie „wetteronline.de” berichtet.
Am wärmste Tag im Winter 2009/2010 wurden gerade mal 16 Grad im Dezember in Freiburg gemessen. Bislang war der Winter 2022/23 eher mild. An Silvester wurde vielerorts sogar die 20 Grad-Marke überschritten, es war der wärmste Jahreswechsel seit Beginn der Wetteraufzeichnung.
Doch der milde Winter könnte sich durch El Niño oder einen Polarwirbelsplit im Januar und Februar 2023 noch in eine ganz andere Richtung entwickeln. Das würde für Deutschland Temperaturen von bis zu minus 20 Grad bedeuten. Angesichts der Energiekrise in Europa und der angespannten Gaslage, ein potenzielles Problem.
Klimaanomalie „La Niña” – Gegenstück zu „El Niño” sorgt für Gleichgewicht
Neben El Niño existiert noch eine gegenläufige Klimaanomalie, „La Niña”– „das Mädchen“. Diese Phase wird auch als „Kalte Episode“ bezeichnet, erklärt der DWD, „da sich dabei die oberen Wasserschichten des tropischen Ostpazifiks anomal stark abkühlen”. La Niña tritt häufig direkt nach einem El Niño auf, um das Klima wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
„Doch in den letzten Jahren konnte La Niña nicht mehr die zum perfekten Klimaausgleich benötigten Verhältnisse erzielen, die in den El Niño geschädigten Ländern gebraucht werden”, schreibt der Deutsche Wetterdienst. Woran das genau liegt, ist bislang noch nicht erforscht. Eine Folge des Klimawandels ist denkbar.
El Niño und La Niña haben zudem einen Einfluss auf den Polarwirbel. Wie echo24.de berichtet, stört aktuell im Januar 2023 La Niña den Polarwirbel – was ebenfalls zu einem heftigen Wintereinbruch in Deutschland führen kann, mit arktischen Temperaturen von bis zu minus 20 Grad.
Rubriklistenbild: © Thomas Warnack / dpa
