Es gibt zwei Polarwirbel

Polarwirbel – Winterbringer oder Winterkiller: So beeinflusst er das Wetter

Der Winter ist zurück und bringt am Wochenende Schnee nach Baden-Württemberg.
+
Der Polarwirbel kann einen eisigen Winter bringen – oder blockieren.

Der Polarwirbel hat einen großen Einfluss auf den Winter in Deutschland. Ein schwacher Polarwirbel kann uns arktische Kälte bringen – ein stabiler eher einen milden Winter.

Besonders im Winter schreiben die Medien immer wieder über den sogenannten Polarwirbel und dessen extremen Einfluss auf das Wetter in Deutschland. Doch was ist ein Polarwirbel überhaupt?

Aufgrund fehlender Sonneneinstrahlung bildet sich im Winter über dem Nordpol in großer Höhe der sogenannte Polarwirbel. Dabei handelt es sich um ein hochreichendes Tief, das eine große Rolle in der atmosphärischen Zirkulation spielt und somit einen direkten Einfluss auf das Wetter hat. Auch über dem Südpol gibt es einen Polarwirbel. Im weiteren Sinn versteht man darunter alle atmosphärischen Zirkulationen um den Nord- und Südpol.

Meteorologen unterscheiden zwei Arten von Polarwirbel

Wenn Wetter-Experten vom Polarwirbel sprechen, dann unterscheiden sie laut wetteronline.de im engeren Sinne zwei Polarwirbel in verschiedenen atmosphärischen Schichten:

  • Der stratosphärische Wirbel in rund 30 Kilometern Höhe.
  • Der troposphärische Polarwirbel in 6 bis 10 Kilometern Höhe.

Laut wetteronline.de ist der troposphärische Polarwirbel, der sich auf der Nordhalbkugel befindet, viel ausgedehnter als der stratosphärische Polarwirbel und besteht ganzjährig. Außerdem wird er durch die Temperaturunterschiede zwischen der Arktis und den mittleren Breiten angetrieben. Die Höhenwinde entlang dieser Luftmassengrenze sind auch als Jetstream bekannt.

Im Winterhalbjahr ist der stratosphärische Wirbel dagegen viel präsenter. Er wird mit sehr kalter Luft angereichert. Die Temperaturen liegen bei unter minus 80 Grad. Der Wirbel dreht sich wie ein Strudel direkt über der Arktis. Darunter zieht der troposphärische Polarwirbel seine Bahnen. Somit beeinflussen sich beide Wirbel gegenseitig. Meist wirkt jedoch der troposphärische auf den stratosphärischen Polarwirbel ein. Dabei kann es zu Abschwächungen oder sogar zur Aufspaltung des kreisrunden stratosphärischen Polarwirbels kommen.

Wie entsteht ein Polarwirbel?

Wie bereits erwähnt, verliert die Luft in den Polargebieten in den Wintermonaten mehr Wärme, als ihr zugeführt wird, denn in den Polarnächten geht die Sonne für einige Zeit nicht mehr auf. Folglich kühlt sich die Luft stärker ab, wird dadurch immer dichter und sinkt wegen der Schwerkraft aus der Höhe ab.

Am Boden formiert sich dadurch ein Hochdruckgebiet, das auch als polares Kältehoch bezeichnet wird. In der Höhe sinkt dagegen der Luftdruck, ein Höhentief entsteht. Durch den Druckunterschied und ständig nachströmender Luft aus mittleren Breiten kommt es zu einer Rotation der Luft. Ein Polarwirbel kann sich nur bilden, wenn die Troposphäre über den Polen ausreichend auskühlt. Innerhalb beider Polarwirbel über dem Nordpol ist die kalte Luft isoliert. Kräftige Höhenwinde mit Geschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometer pro Stunde begrenzen die isolierten Polarwirbel.

So beeinflusst der Polarwirbel den Winter in Deutschland

  • Starker Polarwirbel = milde Winter: Ist der Polarwirbel im Winter stark ausgeprägt, so wirkt dies verstärkend auf den Jetstream. Dann überwiegen milde Westwinde in Mitteleuropa. Bei schwachem Polarwirbel schlingert der Jetstream und es sind Kälteeinbrüche möglich.
  • Schwacher Polarwirbel = kalte Winter: Ein starker Polarwirbel im Winter geht häufig mit milden und feuchten Wetterlagen einher. Bei einem schwachen Polarwirbel sind kalte Winter wahrscheinlicher, im Mittelmeerraum regnet es außerdem mehr.

Polarwirbelstplit kann Deutschland einen arktischen Winter bescheren

Bei einem schwachen Polarwirbel kann es zu einem Polarwirbelsplit kommen und Deutschland droht ein „Arctic Outbreak“. Das kommt vor allem vor, wenn die Temperaturen in der Stratosphäre steigen, erklärt The Weather Channel.

Polarwirbelsplit

Der Polarwirbelsplit ist ein meteorologisches Phänomen, bei dem der normale, zusammenhängende Polarwirbel in zwei oder mehrere kleinere Wirbel aufgeteilt wird. Ein solcher Split kann das Wettergeschehen in den mittleren Breiten, einschließlich Europa, beeinflussen, indem er den Jetstream und die Verbreitung von Kaltluftmassen stört und möglicherweise zu ungewöhnlichen Wetterereignissen führt, wie wetterprognose-wettervorhersage.de erklärt.

Der Klimawandel könnte hier zunehmend für Störungen sorgen: Denn an den Polaren bildet sich immer weniger Eis, es schwindet. Das sorgt für eine noch schnellere Aufheizung der Meere. Ein Wärmeschub aus dem offenen Polarmeer könnte weitreichende Folgen bis in die hohen Luftschichten haben, wie die Süddeutsche schreibt. Das würde den Polarwirbel in den künftigen Wintern zunehmend schwächen.

Bei einem „Arctic Outbreak“ breiten sich die extrem kalten arktischen Luftmassen in südliche Richtung aus. Bis die eisige Kälte allerdings bei uns ankommt, kann es teils Wochen dauern. „Die eisfreie, warme Arktis wäre also zuweilen eine Art Kältepumpe für Asien, Nordamerika und Europa“, schreibt die Süddeutsche. Kommt es dann noch zu hohen Niederschlagsmengen, könnte es neben eisigen Temperaturen auch jede Menge Schnee im Winter geben.

Mehr zum Thema