"Das Schlimmste, was Eltern passieren kann"
Tötung des Siebenjährigen: Künzelsau steht unter Schock
VonDaniel Hagmannschließen
Die Bevölkerung nimmt großen Anteil an dem schrecklichen Gewaltverbrechen.
Ein unscheinbares Einfamilienhaus, nahe des Künzelsauer Stadtzentrums. Wald und Friedhof liegen nicht weit entfernt. Doch hinter diesen Mauern, inmitten des Hohenloher Idylls, hat sich in der Nacht von Freitag auf Samstag Unvorstellbares ereignet: Der Siebenjährige, der regelmäßig bei der alleinstehenden 69-Jährigen zu Gast war, lebt nicht mehr. Er wurde erwürgt. Als einzige Verdächtige gilt die Frau, die auf den Jungen aufgepasst hat. Was genau geschehen ist, liegt noch im Dunkeln. Die Verdächtige schweigt.
Vor dem Tatort, auf der Mauer, die den Garten umgibt, haben Freunde des Jungen Andenken abgelegt, die an den grausamen Tod des Siebenjährigen erinnern. Plüschtiere, Grablichter, Engelsfiguren, Rosen und andere Blumen ergeben ein bedrückendes Bild, das auch Passanten betroffen macht, die den Bub gar nicht gekannt haben.
So ergeht es auch einer 61-Jährigen aus Künzelsau-Haag. Sie hat Margeriten in einem kleinen Topf auf die Gedenkmauer gestellt. "Ich kenne weder die Verdächtige noch den Getöteten. Aber das Gedenken an den Jungen muss erhalten bleiben. Ich hoffe, dass er seinen Frieden findet", sagt die Rothaarige.
Ein Schock für alle
Das Verbrechen findet sie unbegreiflich: "Für die Eltern ist es das Schlimmste, was passieren kann. Die ganze Stadt diskutiert über den Fall. Die Bewohner von Künzelsau sind wie eine große Familie. Man kennt und mag sich. Dass so etwas Schlimmes mitten unter uns passiert, ist ein Schock für alle. Entsetzlich!"
Auch in der Innenstadt von Künzelsau sind die Passanten betroffen. "Man kann das Geschehene nicht fassen", sagt eine junge Mutter aus Schöntal-Marlach. "Es ist schon schlimm, wenn man sein Kind durch einen Unfall verliert. Wenn ein Gewaltverbrechen die Familie zerstört...für so etwas Schreckliches habe ich keine Erklärung mehr. So etwas darf einfach nicht geschehen."
Warum ist das nur passiert?
In ihren Familien und mit ihren Freunden haben die Schülerinnen Jessica Seitz aus Schöntal-Marlach und Angelique Müller aus Ingelfingen die Gewalttat diskutiert. Beide sind vier Tage nach dem Verbrechen nur wenige Gehminuten vom Tatort entfernt in der Innenstadt unterwegs. Seitz: "Ich bin geschockt! Es ist heftig, was passiert ist. Mich interessiert vor allem, warum der Junge sterben musste."
Voreilige Urteile wollen die Freundinnen unbedingt vermeiden. Müller: "Zwar ist die Pflegeoma des Buben nun verhaftet, aber vielleicht ist sie ja unschuldig? Vielleicht schweigt sie ja, weil sie jemanden ins Haus gelassen hat - und dieser Mensch hat das Kind dann erwürgt? Bei den Würgemalen, die man am Hals des Jungen entdeckt hat, scheidet ein Unfall schon mal aus."
"Absolut krank"
Für Jessica Seitz steht aber fest: "Egal, wer es war: Die Tat ist absolut krank. Vielleicht hatte die Verdächtige ja psychische Probleme, von denen niemand etwas wusste? Oder es kam zu einer Kurzschlusshandlung, die sie mittlerweile bereut?"
Die ehemalige Krankenschwester, die den Jungen zur Tatzeit in ihrer Obhut hatte, ist weiterhin die einzige Verdächtige. Die laufenden Ermittlungen der Polizei sollen Licht ins Dunkel bringen und auch das Tatmotiv klären.
Polizei bittet um Mithilfe
Beamte der Ermittlungsgruppe Schippberg suchen nun Zeugen, die die 69-jährige Frau am Freitagabend in Begleitung des Jungen gesehen haben. Außerdem werden Personen gesucht, die Hinweise über den Aufenthaltsort der Frau zwischen Freitagabend und der Rückkehr zu ihrem Wohnhaus am Samstagabend, gegen 21.30 Uhr, geben können. Ermittlungen zufolge war die circa 1,70 Meter große Frau, die eine kräftige Statur hat und weißes kinnlanges Haar trägt, mit einer beigen Freizeithose und einem knielangen dunklen Mantel bekleidet. Zeugenhinweise bitte unter Telefon 07131/1044444.
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