Einsätze in Notfalllagen
Hitze, Dürre, Hochwasser: So bereitet sich der Landkreis Heilbronn auf Extremwetter vor
VonMichaela Ebertschließen
Der Klimawandel sorgt auch im Landkreis Heilbronn vermehrt für Extremwetter, wie zum Beispiel Starkregen oder Dürre. Doch wie gut ist die Region darauf vorbereitet? Wie sicher können sich die Menschen fühlen?
Der Sommer 2023 könnte zum Rekord-Sommer werden. Nicht nur, weil die Temperaturen über das langjährige Klimamittel klettern, sondern auch, weil fast kein Niederschlag fällt. Besonders die Bauern in der Region kämpfen derzeit gegen die Trockenheit, wie echo24.de bereits berichtet.
Hinzu kommen Unwetter, die über den Landkreis hinwegfegen und dort unter Umständen erheblichen Schaden anrichten. Extreme Wetterverhältnisse, mit denen wohl – dank des Klimawandels – in Zukunft häufiger gerechnet werden muss. Doch wie gut sind Städte, Landkreise und Kommunen in der Region auf derartige Wettersituationen vorbereitet? Wie sicher können sich die Menschen rund um Heilbronn fühlen?
Nach „CORRECTIV“-Recherche: Bundesweit mehr Schutzkonzepte gegen Extremwetter nötig
Zumindest bundesweit sieht es eher schlecht aus, wie eine Recherche von „CORRECTIV“ ergibt. Demnach haben bereits 40 Landkreise in Deutschland den Notstand ausgerufen – Wasser muss vielerorts rationiert werden. Und dennoch – trotz des Wissens über die drohenden Gefahren – gibt es oftmals noch keinerlei konkrete Schutzkonzepte.
Laut der „CORRECTIV“-Studie muss im Landkreis Heilbronn vor allem mit Extremwetter wie Hitze, Dürre und Starkregen gerechnet werden. Wasserknappheit, aber auch Hochwasser könnten drastische Folgen sein. Lea Mosthaf, Pressesprecherin des Landkreises, sieht die Herausforderungen vor allem bei Starkregen und Vegetationsbränden, wie sie gegenüber echo24.de auf Nachfrage mitteilt.
Schutz gegen Extremwetter – wie sieht es im Landkreis Heilbronn aus?
Doch was tut der Landkreis dagegen? Zumindest einen „Bedarfsplan“, der sich an der Gefährdungsbeurteilung des „Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“ (BBK) orientiert, gibt es schon mal. Und der befindet sich laut Mosthaf derzeit in der „Umsetzungsphase“.
Oberstes Ziel sei es, die Widerstandsfähigkeit gegen derartige Wetterverhältnisse zu stärken. Dafür wurden auch bereits einige Maßnahmen angestoßen oder umgesetzt, wie Mosthaf erklärt. Allen voran sei eine „Fachgruppe Vegetationsbrand aufgestellt [worden], welche speziell für Wald- und Vegetationsbrände ausgebildet und ausgerüstet wurde. Sie kann von allen 46 Städten und Gemeinden angefordert werden“ und unterstützt im Brandfall mit Fachwissen und Einsatz.
Von Trinkwasservorsorge bis Sirenen-Umbau: Diese Maßnahmen ergreift der Landkreis gegen Extremwetter
Zudem gäbe es bereits ein landkreisweites Trinkwasserversorgungskonzept, welches in Zusammenarbeit mit einem örtlichen THW-Helferverein erstellt wurde. „Das Konzept beinhaltet eine Not-Trinkwasserversorgung unterhalb der Trinkwasseraufbereitung.“ Hierfür wird die entsprechende Ausstattung bereits beschafft.
Darüber hinaus befinden sich laut Mosthaf derzeit auch noch weitere Maßnahmen in der Umsetzung:
- Die Umstellung von bestehenden Sirenen von analoger auf digitale Technik: Damit soll das Sirenen-Netz auf den neusten Stand der Technik gebracht werden, was insbesondere die Notstromversorgung und die Möglichkeit der Sprachdurchsagen beinhaltet.
- Die Erstellung eines Blackout-Notfallplanes (Stromausfall) für alle 46 Städte und Gemeinden: Erarbeitet wird der Plan laut Mosthaf von einem darauf spezialisierten Berliner Planungsbüro, welches deutschlandweit derartige Einsatzplanungen erstellt.
- Eine sukzessive Erweiterung der Ausstattung für den Brand- und Bevölkerungsschutz – zum Beispiel die Zahl der Notstromaggregate, Feldbetten, Zelten und vieles mehr.
- Ein einheitliches Ausstattungs- und Nutzungskonzept für Notfalltreffpunkte und Notrufposten im Landkreis Heilbronn.
- Fünf eigenständige „Großschadensergänzungseinheiten“ werden aufgestellt. Dazu zählen jeweils zwei geländefähige Einsatzfahrzeuge, welche von mehreren Kommunen gleichzeitig betrieben und genutzt werden können.
- Ein „interdisziplinärer Stab“ aus dem Verwaltungsstab und dem Führungsstab des Landkreises. Somit soll es weniger „Reibungsverluste“ zwischen operativer und administrativer Aufgaben geben.
Handeln im Notfall: „Einsatzplan für außergewöhnliche Einsatzlagen“ bereits erstellt
Und wie sieht es im Notfall aus? Auch hier habe der Landkreis bereits Vorkehrungen getroffen. Es sei ein „Einsatzplan für außergewöhnliche Einsatzlagen erstellt“ worden. „Dieser ist aus dem ehemaligen Katastropheneinsatzplan hervorgegangen und wird regelmäßig fortgeschrieben“, wie Mosthaf erklärt. Auch weitere Städte und Gemeinden würden vom Landkreis bei der Erstellung eigener Einsatzpläne oder Notfallpläne unterstützt werden.
Es ginge dabei vor allem darum, konkrete Handlungsempfehlungen in derartigen Einsatzlagen zu entwerfen. „Besondere Extremwetterpläne sind aber eher durch die Katastrophenschutzbehörden der Städte und Gemeinden zu erstellen, da sie lokal wirken und auf die kommunalen Besonderheiten abzustimmen sind.“
Genannte Maßnahmen betreffen Brand- und Bevölkerungsschutz – bauliche Maßnahmen bleiben unerwähnt
Dennoch haben die Einsatz-Erfahrung der jüngeren Vergangenheit deutlich gezeigt, „dass die Katastrophenschutzeinsatzplanung des Landkreises Heilbronn sich vom ‚verwaltenden‘ hin zum ‚gestaltenden‘ Einsatzplan entwickeln muss.“
Starkregen und Überschwemmungen: Wenn Unwetter über Deutschland ziehen




Dies werde zumindest aus der Sicht des Brand- und Bevölkerungsschutzes mit den genannten Maßnahmen bereits umgesetzt. Bauliche Maßnahmen der Tiefbauämter – wie etwa im Sinne des Hochwasserschutzes – oder organisatorische Maßnahmen auf Kommunalebene fänden zunächst jedoch keine Erwähnung, wie Mosthaf betont.
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