Klima macht große Probleme
Bald keine Kartoffeln mehr rund um Heilbronn? Trockenheit macht Bauern zu schaffen
Die anhaltende Hitze und Trockenheit macht nicht nur den Menschen in der Region Heilbronn zu schaffen, auch die Felder leiden unter dem Problem. Bauern sind daher besorgt: Was wird aus der Ernte?
Der Sommer 2023 ist vor allem eines: auf Rekordkurs! Die langanhaltende Hitze und der gering ausfallende Niederschlag sorgen dafür, dass es der heißeste und trockenste Sommer aller Zeiten werden könnte, wie echo24.de bereits berichtet – daran ändern auch die heftigen Gewitter nichts, die zeitweise über die Region ziehen.
Doch das Klima macht nicht nur den Menschen in der Region rund um Heilbronn und Baden-Württemberg zu schaffen – auch die Wiesen, Wälder und Felder leiden. Besonders die Bauern sind daher besorgt.
Trockenheit in der Region Heilbronn: Große Probleme bei Mais, Soja und Getreide
Einer von ihnen redet nicht lange drumherum: „Die Trockenheit ist mega.“ Stefan Kerner, Vorsitzender des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg, macht eine in Deutschland sehr selten vorkommende Großwetterlage dafür verantwortlich: Stabile kontinentale Hochdruckgebiete über Osteuropa, die ganz einfach warme, trockene Steppenluft nach Westen schaufeln.
Wir haben eine ungewöhnlich geringe Luftfeuchtigkeit.
Die Wintersaat sei aufgegangen, auch über das sehr feuchte Frühjahr hin – was für Kerner in dieser Ausprägung gleich die nächste Seltenheit darstellt. Aber alles, was in diesem Frühjahr gepflanzt wurde und keine tiefen Wurzeln hat – wie Mais oder Soja etwa –, das bereitet mit Lücken und sehr unterschiedlichem Wuchs große Probleme.
„Da war teilweise nicht mal genug Feuchtigkeit für die Keimung vorhanden. Wir haben beim Wintergetreide Ernteausfälle von 15 bis 20 Prozent, beim Sommergetreide rechnen wir mit 30 bis 40 Prozent“, erklärt Kerner.
Trotz anhaltender Trockenheit: Bewässern „ist bei uns unrentabel“
Und bewässern? Nein – Denn: „Mais oder Weizen zu bewässern, ist bei uns unrentabel.“ Wobei auch das Thema Wasserentnahme wieder auftaucht: Die ersten Oberflächengewässer zeigen sinkende Pegel, es kann zu Beschränkungen kommen. Dem Wein geht’s besser. Weil die Rebstöcke tiefer wurzeln als Getreide. Gleichwohl ergänzt Kerner: „Die Kollegen fangen jetzt teilweise an, zu beregnen.“
Der Knüller: „Kartoffeln und Gemüse könnten ohne Bewässerung bei uns gar nicht mehr angebaut werden.“ Richtig verstanden: Ohne Bewässerung keine „Grumbieren“. Das bedeutet dann was ganz anderes als „nur“ Trockenheit – und das bestätigt der Chef der lokalen Bauernschaft auch: „So etwas kann Auswirkungen auf unsere Lebensweise haben.“ Winterregen und Sommertrockenheit – das wäre ein Klima wie in Kalifornien. Kerner bejaht – aber: „Dafür fehlen uns die hohen Temperaturen.“
Trockenheit in der Region: Herausforderung für Bauern – Umstellung für Verbraucher?
Für Landwirte ist es nicht so sehr die Temperatur, die den Klimawandel ausmacht – sondern zum Beispiel Trockenheit. Es sind Umstände wie jener, dass nicht mehr wie gewohnt der häufige Wechsel von Azoren-Hoch und Island-Tief den Sommer dominiert.
Der brachte wechselnde Wetterlagen und über die Jahreszeit verteilten Regen. Große Herausforderungen für die Bauern, aber auch Umstellungen für die Verbraucher kann das mit sich bringen. Denn eines ist gewiss: Wenn die Kartoffel nicht mehr auf heimischen Äckern wächst, sondern womöglich aus den USA nach Deutschland reisen muss, dann werden Bratkartoffeln zum Sonntagsessen.
Rubriklistenbild: © Stefan Kerner / Collage: echo
