Tödlicher Unfall in Wollhausstraße
Wegen wüster Beschimpfung im Raser-Prozess: Richter hält Standpauke
VonMelissa Sperberschließen
Michaela Ebertschließen
Bei einem Unfall in der Wollhausstraße starb im Februar ein Familienvater. Der mutmaßlichen Unfallverursacher, ein damals 20-Jähriger, steht nun im Prozess vor dem Landgericht Heilbronn unter Mordverdacht.
- Ein damals 20-Jähriger raste im Februar in der Heilbronner Wollhausstraße in einen Mercedes – mit tödlichen Folgen.
- Der Mercedes-Fahrer, ein Familienvater, wurde bei dem Unfall getötet, seine Frau schwer, ihre beiden Kinder leicht verletzt.
- Der Angeklagte soll in der 40-Stundenkilometer-Zone mehr als doppelt so schnell unterwegs gewesen sein.
Über ein halbes Jahr ist es nun her, dass eine Familie wegen eines Rasers in Heilbronn den Vater verlor. Nach dem tragischen Unfall in der Wollhausstraße muss sich der Tatverdächtige seit Dienstag, 15. August, in einem Prozess vor dem Heilbronner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Mann unter anderem Totschlag und ein illegales Autorennen vor.
Dritter Prozesstag im Raser-Prozess sorgt für Aufruhr: Richter hält Standpauke
Update, 6. September: Die Verhandlungen am dritten Prozesstag sind geprägt von Trauer, Wut und sogar Beschimpfungen, wie die „Heilbronner Stimme“ berichtet. Trotz des eher regungslosen Verhaltens des mittlerweile 21-jährigen Tatverdächtigen scheint die Stimmung im Gerichtssaal aufgeheizt – zumindest unter den Besuchern.
Demnach soll einer der Zuschauer während einer Pause eine Zeugin und weitere Frauen auf schreckliche Weise beschimpft haben. Die Konsequenz: Eine Standpauke vom Richter im vollbesetzten Großen Strafkammersaal – inklusive der Androhung: „Seien Sie vorsichtig, wenn es solche Bedrohungen gibt und Beleidigungen, sind Sie ruckzuck in Haft.“
Verhört wurde am dritten Prozesstag zudem die Augenzeugin des Unfalls, welche nur kurz zuvor selbst dem Unfallauto ausweichen konnte. Wie sie das tragische Unglück im Februar erlebt hat, geht auch aus dem Bericht auf „Stimme.de“ hervor.
Starke Sicherheitsvorkehrungen bei Start des Raser-Prozesses in Heilbronn
Update, 15. August: Der Mordprozess gegen den mutmaßlichen Todesraser in Heilbronn beginnt am Dienstagvormittag unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Es sollen sich laut „Deutscher Presse-Agentur“ zahlreiche in Schwarz gekleidete Angehörige des Opfers als Nebenkläger im Saal des Landgerichts versammelt haben.
Wie die „Heilbronner Stimme“ berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft Heilbronn dem Angeklagten unter anderem Totschlag, dreifach versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Doch dem 21-jährigen Mann könnte ein noch härteres Urteil drohen. Denn: Die Anklage könnte auf Mord und versuchten dreifachen Mord verschärft werden, wenn die Jugendstrafkammer Beweise dafür sieht, dass der 21-Jährige bei seiner Fahrt heimtückisch gehandelt hat.
„Ein Totschlag wird dann zum Mord, wenn ein Mordmerkmal hinzukommt“, erläuterte der Vorsitzende Richter. „Und hier steht die Heimtücke im Raum. Wenn ich einen Menschen töte, indem ich heimtückisch handle, dann wird der Totschlag zum Mord.“ Bis mindestens Mitte Dezember wird es nun darum gehen, Merkmale für einen Mord abzuwägen. Dabei muss die Große Jugendkammer sich auf Zeugenaussagen und Gutachten verlassen, denn der bei der Polizei als Temposünder bekannte Angeklagte äußert sich zunächst nicht.
Mutmaßlicher Unfallverursacher ab Dienstag in Heilbronn vor Gericht: Mann stirbt in Wollhausstraße
Erstmeldung, 14. August: Ein 42-jähriger Mann verlor bei einem Unfall in der Heilbronner Wollhaus Straße sein Leben, als ein damals 20-Jähriger deutlich zu schnell in sein Auto raste. Mit im Unfallfahrzeug befanden sich auch die Frau und die beiden Kinder des Getöteten – sie wurden teils schwer verletzt.
Auch der mutmaßliche Raser erlitt ebenso wie seine Beifahrerin leichte Verletzungen. Vor dem Zusammenstoß soll der junge Autofahrer nach Gerichtsangaben bereits fast eine Fußgängerin überfahren haben, die gerade noch habe ausweichen können. Ab Dienstag, 15. August, muss sich der Angeklagte vor dem Heilbronner Landgericht verantworten.
Das Gericht will vor der Großen Jugendstrafkammer Merkmale für einen Mord untersuchen und verschärft damit die Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte Totschlag, versuchten Totschlag in drei Fällen und verbotenes Kraftfahrzeugrennen genannt. Illegale Autorennen gelten bereits seit Oktober 2017 als Straftat. Seitdem kann schon die Teilnahme mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Strafbar ist allerdings auch ein „Rennen gegen sich selbst“.


