Personal kommt aus dem Frei

Klinik-Betten voll, OPs verschoben – Belastung durch RS-Virus „extrem“

  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
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Derzeit erkranken besonders viele Kinder an dem RS-Virus. Die Kliniken sind am Limit: Mitarbeiter kommen zur Unterstützung aus dem Frei, OPs werden verschoben. Weitere Maßnahmen drohen.

Die Kinderkliniken in der Region Heilbronn sowie ganz Deutschland haben ihre Belastungsgrenze erreicht. Immer mehr Säuglinge und Kleinkinder infizieren sich mit dem RS-Virus – und müssen teilweise stationär behandelt werden. Die Heilbronner Kinderklinik ist voll, Eingriffe müssen verschoben werden, Mitarbeiter kommen aus dem Urlaub, um die intensive Versorgung der kleinen Patienten zu gewährleisten.

Auch die Kinderkliniken in Ludwigsburg und Schwäbisch Hall sind am Limit. Notfallpläne sehen weitere Maßnahmen vor, ähnlich wie in der Corona-Pandemie. Dazu kommt eine allgemeine Erkältungswelle, welche den Kinderärzten zu schaffen macht, wie echo24.de berichtet.

RS-Virus verbreitet sich stark – wichtige Informationen auf einen Blick

Eine Hand eines am RS-Virus erkrankten Kleinkindes schaut im Intensivbett aus der Decke hervor, eine Pflegerin steht dahinter
Kind putzt seine Nase.
Ein am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus oder RSV) erkrankter Patient liegt auf einer Kinderstation des Olgahospitals des Klinkums Stuttgart in einem Krankenbett.
Kinderklinik
RS-Virus verbreitet sich stark – wichtige Informationen auf einen Blick

Kliniken am Limit: RS-Virus trifft auf Influenza – Belastung für Personal nimmt zu

An der Heilbronner Kinderklinik ist die Situation aktuell sehr angespannt. „Momentan werden zunehmend viele Kinder mit dem RS-Virus behandelt. Gleichzeitig häufen sich die Fälle von Kindern mit Influenza“, erklärt Marlies Kepp, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei den SLK-Kliniken. Für Erwachsene ist das RS-Virus eher ungefährlich, vor allem für Säuglinge kann eine Infektion allerdings schlimme Folgen haben.

Sowohl unsere Intensiv- als auch die Normalstationen sind voll belegt.

SLK-Klinikdirektor Prof. Peter Ruef.

Diese belastende Kombination von RS-Virus und Influenza gab es im vergangenen Jahr um diese Zeit nicht. Um weitere Übertragungen zu vermeiden, müssen die Patienten in Gruppen isoliert behandelt werden, aber die Belastung für Pflege und Ärzte nimmt dadurch spürbar zu.

RS-Virus: Personal kommt zur Unterstützung aus dem Frei – Eingriffe werden abgesagt

„Aktuell bedeutet das, dass wir jeden Tag die Lage neu bewerten und neu planen“, erklärt der SLK-Klinikdirektor Prof. Peter Ruef. „Ich bin sehr dankbar, dass die Mitarbeitenden flexibel einspringen, teilweise aus dem Frei und Urlaub kommen. Insgesamt ist die Belastung extrem. Aber wir versuchen alles möglich zu machen, um alle Kinder aufnehmen und die Versorgung sicherstellen zu können.“

Verschiebbare Eingriffe und Termine werden für den Moment in den SLK-Kliniken abgesagt. Bislang mussten noch keine Patienten der Kinderklinik verlegt werden, es sind gerade aber auch keine Übernahmen aus anderen Kliniken mehr möglich. Gesundheitsminister Karl Lauterbach fordert eine rasche Hilfe für überlastete Kinderkliniken.

RS-Virus: Kliniken erarbeiten Notfallpläne – ähnliche Maßnahmen wie in der Corona-Pandemie

Auch in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im RKH Klinikum Ludwigsburg ist die Belastungsgrenze „bald erreicht“, wie Prof. Dr. Jochen Meyburg, Ärztlicher Direktor, auf echo24.de-Anfrage erklärt. In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin befinden sich 16 vom RS-Virus betroffene Kinder, von denen drei auf der Kinder-Intensivstation liegen (Stand 01. Dezember). Die aktuelle Zahl der RS-Fälle in der Kinderklinik Ludwigsburg ist „weit höher als die Zahl der Coronafälle“.

Wie viele RS-Fälle es in den vergangenen Jahren in der Ludwigsburger Kinderklinik gegeben hat, wird nicht erfasst. Allerdings war am RKH Klinikum 2020 ein Ausnahmejahr mit niedrigen Zahlen durch den Lockdown. 2021 war schon ein schlimmes Jahr, 2022 sind die Zahlen aber nochmals höher als 2021.

Die Klinik in Ludwigsburg hat einen Notfallplan. „Es sind verschiedene Maßnahmen zur Eskalation besprochen, die aber aller Voraussicht nach mit Einbußen der Behandlungsqualität einhergehen werden. Es sind ähnliche Maßnahmen wie beim Umgang mit einer Welle bei der Corona-Pandemie“, heißt es vonseiten des Krankenhauses.

Klinikpersonal am Limit: Versorgung der Kinder mit RS-Infektion sehr personalintensiv

In der Kinderklinik des Diakoneo Diak Klinikums in Schwäbisch Hall werden (Stand 01. Dezember) neun Kinder mit einer RS-Virusinfektion stationär und zwei auf der Intensivstation behandelt. Auch die Kinderklinik des Diak Klinikums kommt an die Belastungsgrenze, da die Versorgung der Kinder mit RS-Virusinfektion sehr personalintensiv ist. „Wir konnten bisher jedes Kind aus der Region, wenn notwendig, stationär aufnehmen. Allerdings mussten wir damit beginnen, Anfragen anderer Kinderkliniken abzulehnen“, erklärt Christin Kohler, Pressereferentin des Diaekoneo.

In Schwäbisch Hall gibt es ebenfalls einen Notfallplan: „Wenn es notwendig wird, haben wir die Möglichkeit, zusätzliches Pflegepersonal aus einem Springerpool einzuberufen.“ Im Notfall kommt auch eine Überbelegung infrage, solange die Patienten weiterhin qualitativ gut versorgt werden können. Schwäbisch Hall steht im engen Austausch mit anderen Kinderkliniken in der Region.

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