Nach SEK-Einsatz

Aus Schwäbisch Hall entführt, gequält, erpresst – und vor Gericht gestanden: Angeklagter räumt Vorwürfe ein

  • Michaela Ebert
    VonMichaela Ebert
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Ein Mann aus Schwäbisch Hall wurde im März aus seiner Wohnung gezerrt und nach Brandenburg entführt. Dort sollen zwei Männer auf ihn geschossen haben. Nun stehen sie vor dem Landgericht Heilbronn.

Es könnten die Szenen eines Thriller-Films sein – und das mitten in Schwäbisch Hall: Ein Familienvater wird im März auf brutalste Weise in Schwäbisch Hall in seiner Wohnung überfallen, nach Brandenburg verschleppt und dort gequält. Bevor das geforderte Lösegeld gezahlt wird, kann ein Spezialeinsatzkommando (SEK) die mutmaßlichen Entführer überwältigen und das Opfer, einen verschuldeten Bauunternehmer, befreien.

Vor dem Heilbronner Landgericht müssen sich von Dienstag an nicht nur die beiden mutmaßlichen Kidnapper wegen erpresserischen Menschenraubs verantworten, sondern auch ein möglicher Kumpan.

Nach Entführung aus Schwäbisch Hall: Angeklagter gesteht vor Heilbronner Gericht

Update, 11 Uhr: Er könne sich sein brutales Verhalten selbst nicht mehr erklären, sagte der 29 Jahre alte Hauptangeklagte am Dienstag zum Prozessauftakt vor dem Heilbronner Landgericht. Aber da er sich das gezahlte Darlehen selbst geliehen habe und unter Druck gesetzt worden sei, habe er Todesängste erlitten und handeln müssen, so der Angeklagte. Bevor das Lösegeld gezahlt worden war, hatte ein Spezialeinsatzkommando die drei Männer im vergangenen März, einen Tag nach der Entführung überwältigt und das Opfer befreit.

Nach einer brutalen Entführung aus Schwäbisch Hall: Einsatzkräfte des Kriminaldauerdienstes (KDD) und der Spurensicherung am Tatort.

Der Deutsche muss sich gemeinsam mit seinem 27 Jahre alten mutmaßlichen Kumpan, einem Montenegriner, unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubs verantworten. Angeklagt ist auch ein 32-jähriger Serbe, der Botengänge übernommen und einen Arzt bezahlt haben soll.

Wegen Geldschulden: Angeklagter soll Mann aus Schwäbisch Hall entführt und gequält haben

Als Subunternehmer des späteren Opfers hatte der Hauptangeklagte dem verschuldeten Bauunternehmer einen höheren Geldbetrag überwiesen, von dem er sich einen Teil selbst geliehen hatte. Als der damals 46 Jahre alte Schuldner nicht auf Anrufe reagierte, fuhr er mit dem zweiten Angeklagten nach Schwäbisch Hall und schlug zu, als der Unternehmer die Zahlung verweigerte. 

Von der Partnerin des Mannes forderten sie erfolglos ein Lösegeld in Höhe von 26 600 Euro. Das SEK griff ein, als der Hauptangeklagte dem Unternehmer zweimal ins Bein schoss. Insgesamt sind nach dem Prozessauftakt drei weitere Termine bis zum 16. November geplant.

Mit Bohrmaschine attackiert: Mutmaßliche Kidnapper sollen Opfer aus Schwäbisch Halle gequält haben

Erstmeldung, 9 Uhr: Nach Angaben des Landgerichts hatten die beiden angeklagten Männer, ein damals 28-Jähriger und ein 26-Jähriger, eine geschäftliche Verbindung mit dem Unternehmer. Um Schulden einzutreiben, sollen sie laut Anklage ihr damals 46 Jahre altes Opfer im vergangenen März bereits in dessen Wohnung geschlagen, dann in ein Auto gezerrt und nach Schönwalde in Brandenburg verschleppt haben.

Dabei gingen die Männer äußerst brutal vor, heißt es in einer Meldung des Gerichts. In dem brandenburgischen Haus schossen sie den Mann aus Schwäbisch Hall zunächst mit einer Softairpistole mehrmals ins Bein und traktierten ihn mit einer elektrischen Bohrmaschine.

Für 25.000 Euro Lösegeld: Mutmaßliche Kidnapper wollten Lebensgefährten erpressen

Sie riefen am Tag darauf dessen Lebensgefährtin an und forderten ein Lösegeld in Höhe von etwas mehr als 25.000 Euro. Das SEK griff ein, als einer der Angeklagte dem Opfer zweimal mit einer scharfen Pistole ins Bein schoss. Dabei nutzte das in Potsdam stationierte SEK unter anderem ein gepanzertes Spezialfahrzeug, um in das Wohnhaus im Havelland einzudringen, die Männer zu überwältigen und das Opfer zu befreien.

Angeklagt ist nun auch ein dritter Mann. Er soll durch Botengänge und bei einem Arzt als Gehilfe für die beiden anderen Männer aufgetreten sein. Insgesamt sind nach dem Prozessauftakt drei weitere Termine bis zum 16. November geplant.

Rubriklistenbild: © Fabian Koss/Ostalb Network/dpa

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