Lichthupe, Drängeln und Beleidigungen

So aggressiv wie noch nie: Autofahrer rasten immer häufiger aus

  • Michaela Ebert
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Eine Studie zeigt: 2023 verhalten sich so viele Autofahrer wie nie zuvor aggressiv. Doch woher kommt dieses Verhalten im Straßenverkehr? Was sind die Gründe?

Drängeln, Hupen, wildes Gestikulieren. Wer auf deutschen Straßen schon mal wenige km/h zu langsam gefahren ist, kennt das vielleicht: Im Rückspiegel erscheinen die Scheinwerfer eines eng auffahrenden Autos. Lichthupe und Warnblinker sollen den Vorausfahrenden auf sein vermeintliches Fehlverhalten aufmerksam machen.

Hin und wieder werden die drangsalierenden Methoden jedoch auch ausfallender. Aber Vorsicht: Wie „24Auto.de“ berichtet, muss jeder Autofahrer, der andere Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr beleidigt, mit einem saftigen Bußgeld rechnen. Gleiches gilt übrigens auch für die nonverbale Kommunikation – zum Beispiel via Mittelfinger, wie echo24.de bereits berichtete. Doch woher kommt solch ein aggressives Verhalten überhaupt?

Straßenverkehr in Deutschland: Immer mehr Autofahrer zeigen aggressives Verhalten

Einer Befragung zufolge hat die hitzige Fahrweise von Autofahrern in Deutschland in den vergangenen Jahren sogar zugenommen. Demnach sollen besonders Männer ihre Geduld weniger im Griff haben. Herausgefunden hatte dies das Institut O.trend im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer. Zuvor hatte es bereits 2019 eine solche Befragung gegeben. Die neue Studie liefert eine erschreckende Bilanz: Immer mehr Autofahrer lassen sich von ihren aufkochenden Emotionen mitreißen.

Aggressives FahrverhaltenAnteil deutscher Autofahrer
Zu schnelles Fahren2019: 47% / 2023: 53%
Selbst drängeln2019: 32% / 2023: 39%
Drängler ausbremsen2019: 42% / 2023: 44%
Lichthupe geben2019: 16% / 2023: 21%

Autofahrer besonders aggressiv: Das sind die Gründe für das Verhalten

Dabei gibt es diverse Gründe, dass Verkehrsteilnehmer – und besonders Autofahrer – schnell in Rage geraten. Selbst dann, wenn dieselben Menschen im sonstigen Leben eher friedlicher Natur sind. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ liegt dieses Phänomen vor allem daran, dass sich Autofahrer in ihrem eigenen Fahrzeug in einem weitgehend anonymen Raum bewegen. Der Austausch über Mimik, Gestik und Sprache entfällt zwischen den Verkehrsteilnehmern fast völlig. Aggressives Verhalten erscheint daher konsequenzlos.

Darüber hinaus sind auch andere Faktoren für die wachsende Aggression im Straßenverkehr ausschlaggebend. Wie „bussgeldkatalog.de“ schreibt, herrscht nicht selten im dichten Gedränge des Stadtverkehrs Stress und Zeitdruck. Autofahrer müssen in kürzester Zeit viele Eindrücke verarbeiten. Das sorgt schließlich beim ein oder anderen für Anspannung und Frust. Besonders dann, wenn nur auf die eigenen Vorteile tunlichst geachtet wird.

Instrumentelle Aggression besonders häufig: Verkehrsteilnehmer wollen sich eigenen Vorteil verschaffen

Diese Art des Verhaltens wird laut „bussgeldkatalog.de“ vor allem „instrumentellen Aggression“ genannt und findet im Straßenverkehr besonders häufig statt. Sie zielt hauptsächlich darauf ab, sich eigene Vorteile zu verschaffen – auch auf Kosten der anderen. Häufig fühlen sich die Autofahrer, die solch ein aggressives Verhalten zeigen, schlichtweg benachteiligt, zu kurz genommen oder meinen, sie müssten besonders schnell sein und die anderen stehen im Weg. Die sogenannte „feindselige Aggression“ hingegen sei eher selten. Bei ihr steht das Ziel, die anderen Verkehrsteilnehmer zu schädigen, im Vordergrund.

Die kuriosesten und verrücktesten Verkehrsschilder aus aller Welt – das bedeuten sie

Ein Halteverbotschild in Frankreich mit dem Zusatzschild Sauf Bus. Dieses bedeutet, dass hier für alle Fahrzeuge ein Halteverbot gilt, außer für Buse.
Hier ist eine Silfra-Spalte im Þingvellir-Nationalpark abgebildet. Das Schild soll vor Taucher in voller Montur warnen und zur Vorsicht aufrufen.
Verkehrsschild Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km h und Radarkontrolle in Frankreich.
Dieses Verkehrsschild warnt vor Schildkröten, die möglicherweise die Straße überqueren könnten.
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Sicherlich spielt im modernen Straßenverkehr auch der zunehmend begrenzte Raum eine treibende Rolle in puncto Aggression. Während immer mehr Autos zugelassen werden, schwinden andernorts Fahrbahnen zugunsten von ökologischen Alternativen wie Radwegen. Der Streit zwischen Radlern und Autofahrern scheint dahingehend beinahe schon vorprogrammiert.

Rubriklistenbild: © Christin Klose

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