Immer wieder diskutiert
Schon mit 16 Auto fahren? Warum es diese Führerschein-Änderung vorerst nicht geben wird
VonMichaela Ebertschließen
Immer wieder wurde es heiß diskutiert: Eine Änderung beim Führerschein sollte es jungen Autofahrern ermöglichen, schon mit 16 Jahren hinterm Steuer zu sitzen. Daraus wird erst einmal nichts. Weshalb?
Besonders angehende Autofahrer hatten sich zuletzt auf einige Änderungen einstellen müssen. So wurden im April die Fragen in der Theorieprüfung angepasst: echo24.de berichtete bereits, was die künftigen Autofahrer jetzt wissen und worauf sich Fahrschüler vorbereiten müssen.
Doch eine ebenfalls heiß diskutierte Änderung rund um den Führerschein wird es vorerst nicht geben: Immer wieder stand im Raum, Autofahrer schon im Alter von 16 Jahren hinter das Steuer zu lassen – natürlich unter Beobachtung von einem erfahrenem Erwachsenen beim „Begleiteten Fahren“. Doch das wird so schnell nicht passieren, berichtet die „Deutsche Presse-Agentur“ (dpa).
Führerschein-Änderung seit Jahren diskutiert
Die Umsetzung der Pläne zum Erwerb eines Pkw-Führerscheins bereits mit 16 Jahren lasse das europäische Recht derzeit nicht zu, teilte das Bundesverkehrsministerium in Berlin der „dpa“ mit. Die Bundesregierung aus SPD, Grüne und FDP wollte begleitetes Fahren ab 16 statt wie bisher mit 17 Jahren ermöglichen und hatte das Vorhaben in ihren Koalitionsvertrag geschrieben. Wann es umgesetzt wird, ist unklar.
Welche Fahrzeuge junge Erwachsene und Jugendliche stattdessen fahren dürfen, darüber berichtet echo24.de bereits in einem separaten Artikel.
Gesetzeslage für junge Autofahrer
Um mit dem Führerschein der Klasse B zu beginnen, müssen Fahrschüler mindestens 16 Jahre und sechs Monate alt sein, heißt es bei „Bußgeldkatalog.de“. Gefahren werden darf jedoch erst ab dem 17. Geburtstag mit dem Modell „Begleitetes Fahren“.
Jugendliche dürfen dabei bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres mit einer Ausnahmegenehmigung Auto fahren, wenn eine Begleitperson mitfährt. Wer dafür infrage kommt, wird bei Erteilung der Prüfbescheinigung namentlich festgelegt. Auch für den Beifahrer, der mindestens 30 Jahre alt sein muss, gelten Auflagen.
Die Hürden liegen auf EU-Ebene. Das Ministerium von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) teilte mit: „Da der Rahmen für das Führerscheinrecht auf europäischer Ebene für alle Mitgliedstaaten verbindlich geregelt ist, kann Deutschland eine Absenkung des Mindestalters nicht einseitig auf nationaler Ebene regeln.“ Der „MDR“ berichtete zuerst darüber.
Führerschein-Änderung kommt doch nicht: Fahren weiterhin erst ab 17 möglich
Das Bundesverkehrsministerium hatte sich nach eigenen Angaben zunächst bei der Europäischen Kommission für ein Modellvorhaben eingesetzt – und dabei auf die „positiven Erfahrungen mit dem begleiteten Fahren ab 17“ verwiesen. In einem Entwurf der Kommission zur EU-Führerscheinrichtlinie sei dieser Bitte jedoch nicht entsprochen worden, hieß es nun.
Das begleitete Fahren mit 17 ist bundesweit seit 2011 möglich. Zuvor gab es befristete Modellprojekte in Bundesländern. Laut Daten des Kraftfahrtbundesamts machten 2022 mehr als 241.000 Jugendliche unter 18 einen Führerschein und damit deutlich weniger als noch bei der Einführung. Dem Automobilclub „ADAC“ zufolge nutzt aktuell weniger als die Hälfte der Führerscheinanwärter die Möglichkeit zum begleiteten Fahren ab 17 Jahren.
Autofahren ab 16: Diskussion um Führerschein-Änderung steht nach wie vor im Raum
Für den ADAC steht fest: „Der Führerschein mit 17 war und ist ein Gewinn.“ Jugendliche, die sich bereits mit 17 hinters Steuer gesetzt haben, wiesen demnach ein erheblich geringeres Unfallrisiko auf als jene, die die Begleitphase nicht genutzt hätten. Auf solche Statistiken verweist auch der für Verkehrssicherheit zuständige Berichterstatter der SPD-Fraktion im Bundestag, Mathias Stein. Es gebe ein erfreuliches Plus an Verkehrssicherheit, sagt er.
Die Ampel-Koalition halte deshalb das Ziel des begleiteten Fahrens mit 16 „politisch nach wie vor für richtig“. Doch: Deutschland vertrete mit diesem Wunsch eine Nischenmeinung, so Stein. „Für die meisten anderen EU-Länder ist schon das Konzept ‚Begleitetes Fahren mit 17‘ noch neu und wird dementsprechend kritisch betrachtet.“
Debatte um Fahren ab 16: ADAC spricht sich für Führerschein vor 17 aus
Der ADAC würde den Führerschein schon mit 16 begrüßen – auch weil sich in den vergangenen Jahren die Ausbildungszeit für den Führerschein im Durchschnitt verlängert habe und so die Zeit für eine „intensive Begleitphase“ schrumpfe. Ohnehin seien junge Menschen neben dem Anfängerrisiko „jugendtypischen Fahrsituationen“ ausgesetzt, wie Fahrten in Gruppen. „Deswegen ist es richtig, dass der Lernzeitraum, also die Phase, in der junge Fahrer noch nicht allein unterwegs sind, verlängert wird.“
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