Elektromobilität der Zukunft
Hyundai Ioniq 6 – Stromer-Flunder im Alltagstest
VonVolker Pfauschließen
Bei Hyundai laufen die Elektroautos unter der Submarke Ioniq. Neuestes Modell ist der Ioniq 6, den wir in der Version mit 77-kW-Batterie im Alltag unter die Lupe nehmen konnten.
Der elektrische Koreaner ist flach. So flach, dass die windschnittige Karosserie nicht nur den sehr guten Luftwiderstandsbeiwert von 0,21 ermöglicht, dem aktuellen Bestwert beim koreanischen Hersteller, sondern auch optisch zeigt, wie Elektromobilität der Zukunft aussehen kann.
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Futuristisch gestalteter Innenraum mit Touchscreen und Tasten
Futuristisch ist aber auch der Innenraum gestaltet. Insbesondere das Armaturenbrett zeigt sich futuristisch gestaltet, ebenso die Türen. Dadurch sind die üblicherweise in den Türen platzierten Funktionstasten für Fensterheber auf die Mittelkonsole und die für die Rückspiegeleinstellung neben das Lenkrad gewandert.
Wie inzwischen üblich werden die meisten Funktionen über einen zentralen Touchscreen gesteuert. Es gibt im hochmodernen Hyundia Ioniq 6 aber erfreulicherweise auch noch richtige Tasten, die man drücken kann, beispielsweise für die Klimatisierung. Originell ist, dass das geräumige Handschuhfach vor dem Beifahrersitz wie eine Schublade auffährt. Vier Erwachsene finden ausreichend Platz. Nur Hochgewachsene meckern auf den Rücksitzen über etwas eingeschränkte Kopffreiheit. Die aerodynamische Karosserie fordert hier ihren Tribut.
Wendig und leicht zu lenken dank elektronischer Assistenten
Der 4,85 Meter lange und 1,88 Meter breite Hyundai ist sehr wendig und lässt sich spielend leicht lenken. Fürs Rangieren stehen viele und sinnvolle elektronische Helferlein parat. Besonderes Lob verdient die Rückfahrkamera, die auch bei schlechter Witterung ein gutes Bild anzeigt. Netter Gag: Man kann über eine entsprechende Funktion am Touchscreen auch Sprachnotizen aufnehmen.
Der Kofferraum der Stufenhecklimousine schluckt nicht gerade üppige 405 Liter Gepäck, der Frunk unter der Fronthaube hat weitere 40 Liter Stauraum. Der Ioniq 6 ist zudem geeignet für Vehicle to Load, das heißt, Haushaltsgeräte können ans Auto angeschlossen werden und beziehen dann ihren Strom aus dessen Akku. Oder man stöpselt beim Picknick unterwegs Kühlbox, Elektrogrill und Soundsystem an den Hyundai an.
Im Winter kommt der Ioniq 6 über 400 Kilometer weit
Trotz winterlicher Temperaturen während unseres Tests erzielten wir bei 100 Prozent geladener 77-kW-Batterie Reichweiten von gut 400 Kilometern. Im Sommer dürfte man demnach die von Hyundai angegebene Maximalreichweite von 614 Kilometer zwar weiterhin verfehlen, ihr aber doch recht nahe kommen. Von der Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h hielten wir bei unseren Fahrten aber meist auch respektablen Abstand. Dank 800-V-Technik war der Akku schnell wieder gefüllt. Bei optimalen Bedingungen dauerte es rund 20 Minuten, bis der Akku von zehn auf 80 Prozent geladen war.
Sowohl im Stadtverkehr als auch bei entspannten Überlandfahrten oder im täglichen Pendlerverkehr überzeugte der koreanische Stromer dank 229 PS und 350 Nm Drehmoment mit souveränen Fahrleistungen. Das Snow-Fahrprogramm nahm im Hecktriebler winterlichen Straßenverhältnissen ihren Schrecken.
Zu dem vielen Lob kommt ein wenig Kritik: Auf einen Heckscheibenwischer auf der überdies wenig ladefreundlichen Kofferraumklappe muss man verzichten, und beim Gepäcktransport schwächelt der Koreaner aufgrund des engen Ladeabteils und dem etwas umständlichen Umklappen der Rücksitze. Auch sind die prinzipiell lobenswerten Tasten am Armaturenbrett leider zum Teil nicht beleuchtet und damit bei entsprechendem Lichteinfall schlecht sichtbar.
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Bei Fahrten ohne jeglichen Autobahnanteil, also mit maximal 100 km/h und vielen Rekuperationsmöglichkeiten, erreichten wir mit 15 kWh/100 Kilometer fast den vom Hersteller angegebenen WLTP-Wert von 14,3 kWh/100 Kilometer – und mussten dafür nicht einmal in den Eco-Modus schalten. Damit bestätigt der Hyundai Ioniq 6 das starke Abschneiden im ADAC EcoTest. Mit höherem Autobahnanteil, der aber zumeist nicht schneller als mit 120 km/h zurückgelegt wurde, pendelte sich der Verbrauch bei knapp 20 kWh/100 Kilometer ein.
Keine Extras für die Top-Version
Den Preis für den Ioniq 6 in der von uns gefahrenen Version mit Heckantrieb und Uniq-Ausstattungspaket gibt Hyundai mit 60.200 Euro an, die Basisvariante steht mit 43.900 Euro in der Liste. In der Topausstattung sind fast keine Extras mehr bestellbar – und auch nicht nötig. Unser Modell hatte als Zusatzausstattung lediglich eine Metallic-Lackierung, für die 660 Euro fällig sind.
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Mit dem Ioniq 6 geht Hyundai konsequent den Weg der Elektromobilität. Seine Eigenschaften, das außergewöhnliche Design und die Fahrleistungen sind durchaus geeignet, Skeptiker zu überzeugen und Stromer-Fans zu begeistern. Ob das mit dem neuen Elektroauto, das kürzlich von einer russischen Universität vorgestellt wurde, darf ernsthaft bezweifelt werden.
Rubriklistenbild: © Hyundai



