Mitschuld bei Unfällen
Mit Winterreifen im Sommer fahren? Für Autofahrer könnte das teuer werden
Reifenwechseln kostet Zeit und Geld – die Versuchung ist groß, die Winterreifen auch im Sommer einfach drauf zulassen. Warum das für Autofahrer keine gute Idee ist.
Zweimal jährlich steht der Reifenwechsel von Winter- auf Sommerreifen und umgekehrt an. Dabei gibt es Fehler, die besonders häufig passieren. Wer die Reifen nicht selbst vornehmen kann oder möchte, benötigt einen Termin in einer Werkstatt, die jedoch oft in den Stoßzeiten im Frühjahr und im Herbst wochenlang komplett überlaufen ist und schlimmstenfalls keinen Termin frei hat. Die Überlegung, mit den Winterreifen einfach auch im Sommer zu fahren, bietet sich an. Aber ist das erlaubt?
Autofahren mit Winterreifen im Sommer nicht verboten – darum könnte es trotzdem teuer werden
Aus rechtlicher Sicht dürfen Winterreifen auch im Sommer gefahren werden, wenn ihre Profiltiefe noch mindestens 1,6 Millimeter beträgt. Das Profil ist wichtig, da es auch Aquaplaning vorbeugen kann. Wenn die Profiltiefe darunter liegt, kann es bei Polizeikontrollen zu Problemen kommen und auch bei einem Unfall zu versicherungstechnischen Schwierigkeiten führen.
Die richtige Bereifung ist nicht nur für das Fahrgefühl entscheidend, sondern auch aus Gründen der Sicherheit essenziell. Im Sommer herrschen mit Sonne und hohen Temperaturen schließlich ganz andere Witterungsbedingungen als in der nasskalten Jahreszeit, in der bisweilen Schnee fällt und das Fahren zur Rutschpartie werden kann.
Mit Winterreifen im Sommer unterwegs – Autofahrern droht Mitschuld bei Unfällen
Deshalb gibt es Winter- und Sommerreifen, die rechtzeitig gewechselt werden sollten, um sicher unterwegs zu sein. Alternativ gibt es auch Allwetterreifen für alle, die nicht ständig wechseln wollen. Doch was passiert, wenn im Sommer ein Autofahrer mit Winterreifen in einen Unfall verwickelt ist? „Ihm kann zumindest ein Mitverschulden zur Last gelegt werden, mit der Folge, dass die Versicherung sich weigert, (vollständig) zu zahlen“, erklärt „bussgeldkatalog.org“.
„Die Eigenschaften eines Winterreifens sind auf die kalte Jahreszeit abgestimmt. Im Sommer reagieren die Reifen ganz anders: Bei höheren Temperaturen verformt sich das Material und wird instabil. Es verändert das Fahrverhalten – vor allem in Kurven – und kann dadurch zum Unfallrisiko werden. Außerdem ist der Bremsweg mit Winterreifen im Sommer deutlich länger“, schreibt „bussgeldkatalog.org“ weiter.
Höheres Unfallrisiko: Längerer Bremsweg durch Winterreifen im Sommer
Im Sommer mit Winterreifen unterwegs zu sein, kann gefährlich werden: „Durch die aufgeheizten Straßen erwärmt sich das weiche Gummi des Winterreifens und hat so kaum noch Haftung. Ein Reifentest des Touring Club Suisse hat ergeben, dass ein Auto mit Sommerreifen bei einer Temperatur von 20 bis 25 Grad 35 Meter braucht, um von 100 km/h auf 0 km/h runter zu bremsen. Ein Auto mit Winterreifen ist nach 35 Metern noch immer bei 57 km/h und kommt erst nach 56 Metern zum Stehen“, erklärt „meinauto.de“.
„Während Winterreifen durch einen höheren Kautschukanteil weicher sind und somit auch bei Frost elastisch genug sind, um Halt auf der Straße zu bieten, sind sie genau aus diesem Grund im Sommer nicht sicher“, so lautet die Begründung von „bussgeldkatalog.org“.
Fazit: Auch wenn Winterreifen im Sommer in Deutschland nicht generell verboten sind, sind Autofahrer nur mit den passenden Reifen auf der sicheren Seite. Übrigens: Wer zu spät auf Winterreifen wechselt, riskiert ein Bußgeld und sogar Punkte, wie echo24.de berichtet.
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