„Enorme“ Folgen
„El Niño hat begonnen“ – Diese Auswirkungen hat das Wetterphänomen auf Baden-Württemberg
VonFranziska Schusterschließen
Weltweit lässt sich derzeit Extremwetter beobachten. Ein Grund dafür ist das Wetter-Phänomen El Niño. Auch wenn es keinen direkten Einfluss auf unser Wetter in Baden-Württemberg hat, bekommen wir hierzulande die Auswirkungen zu spüren.
Stuttgart - Viele Wetter-Experten hatten es vorhergesagt, nun ist es tatsächlich eingetreten: Das Wetter-Phänomen El Niño hat begonnen. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) warnt daher Regierungen eindringlich davor, sich auf zunehmend extreme Wetterereignisse und Rekordtemperaturen vorzubereiten. „Der amerikanische Wetterdienst NOAA hat gemeldet, dass im Ostpazifik die Wassertemperatur überschritten wurde, die als Schwellenwert für El Niño definiert ist“, sagt Diplom-Meteorologe Hartmut Mühlbauer von wetter.com. Damit sei das Wasser in einem riesigen Bereich im Pazifik mindestens 0,5 Grad höher als normal.
Ein Wert, der sich nicht nach viel anhört, jedoch „enorme Auswirkungen“ auf das weltweite Wettergeschehen hat, betont der Experte. Auch wenn wir beim Wetter in Baden-Württemberg El Niño nicht direkt und mit voller Wucht zu spüren bekommen, hat es dennoch Einfluss darauf, wie unser Wetter in den kommenden Monaten wird. Darauf sollten wir uns laut Meteorologen einstellen.
Extremtemperaturen und Trockenheit: Bereits Auswirkungen von El Niño spürbar
Das El Niño ist ein Klimaphänomen, das sich durch abnormale Erwärmung der Oberflächentemperaturen des äquatorialen Pazifiks auszeichnet. Es tritt alle paar Jahre auf und beeinflusst das globale Wettergeschehen. El Niño-Ereignisse dauern in der Regel neun bis zwölf Monate, können aber auch durchaus länger andauern. El Niño steht im Gegensatz zu La Niña, einem Klimaphänomen, das durch eine Abkühlung der Oberflächentemperaturen im äquatorialen Pazifik gekennzeichnet ist. El Niño und La Niña treten in einem mehrjährigen Zyklus auf und beeinflussen einander.
El Niño wird von Wissenschaftlern weltweit intensiv erforscht, um die Ursachen, Auswirkungen und Vorhersagbarkeit dieses Phänomens besser zu verstehen. Satellitenbeobachtungen, Ozeanmessungen und Klimamodelle helfen dabei, El Niño-Ereignisse zu überwachen und Vorhersagen zu treffen.
Bekannte El Niño-Ereignisse:
- 1982-1983: Starkes El Niño-Ereignis mit weitreichenden Auswirkungen weltweit
1997-1998: Eines der stärksten El Niño-Ereignisse des 20. Jahrhunderts
2015-2016: Starke El Niño-Aktivität mit schweren Dürren in Südamerika und starken Niederschlägen in Kalifornien
Schon jetzt lassen sich, kurz nach dem Start vom Wärmeereignis El Niño, Auswirkungen beobachten, so Hartmut Mühlbauer. So wurden zum Beispiel in Mexiko in den vergangenen Tagen Extremtemperaturen von 45 Grad sowie Spitzenwerte von 49 Grad gemessen. Über hundert Menschen fielen dieser Hitze bislang zum Opfer.
Zusätzlich zu den enormen Temperaturen tauchte vor der Pazifikküste Mexikos ein Taifun auf. „Das alles sind sichere Anzeichen für El Niño“, schlussfolgert der Meteorologe. Denn auch in der Sahara lagen die Temperaturen zuletzt bei „lebensfeindlichen“ 50 Grad und mehr, berichtet er weiter. Diese Temperaturen wurden auch vor Wochen in Pakistan und Indien erreicht. Davon sind wir hierzulande noch weit entfernt. Jedoch rauscht zum Wochenende Heißluft aus Nordafrika nach Baden-Württemberg.
Entwicklung von El Niño entscheidend, wie extrem die kommenden Wetterereignisse ausfallen werden
Wie sich das globale Wettergeschehen weiterentwickelt, hängt laut Hartmut Mühlbauer davon ab, wie stark El Niño in den kommenden Wochen wird. „Die Anzeichen sehen für diesen Winter einen eher moderaten El Niño voraus, möglicherweise könnte dann aber im nächsten Jahr ein noch stärkerer folgen, mit fatalen Auswirkungen auf unserem Planeten“, warnt der Diplom-Meteorologe.
Nicht selten sorgt El Niño laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) in Süd- und Lateinamerika für heftige Überschwemmungen. Da der Boden dort jedoch in der Regel sehr trocken ist, schwemmen die Wassermassen darüber hinweg, es kommt zu Erdrutschen. Solch ein Szenario lässt sich dann vor allem in den Regionen über Lateinamerika bis nach Kalifornien (USA) beobachten. Zur gleichen Zeit kämpfen die australischen und asiatischen Ostküsten auf der anderen Seite des Pazifiks mit extremer Trockenheit. Wie stark das Wetterphänomen 2023 ausfällt, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Für Baden-Württemberg gingen Experten bereits Anfang des Jahres von einem Extremsommer aus.
Obwohl es sich bei El Niño um ein weltweites Wetterphänomen handelt, ist dessen direkte Auswirkung auf Deutschland eher gering. Ganz außen vor ist es beim Einfluss auf unser Wettergeschehen jedoch auch nicht. Der Grund: El Niño beeinflusst die Tief- und Hochdruckgebiete und somit auch Niederschläge und Winde weltweit – also auch in Deutschland und Baden-Württemberg. Daher gehen Wetterexperten schon seit einiger Zeit von einem extrem heißen Sommer 2023 aus. Ein weiterer Negativeffekt: Mit den steigenden Temperaturen wächst auch die Gefahr von schweren Unwettern, wie es zuletzt mit Sommerorkan Poly der Fall war.
Was ist El Niño?
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, das sich durch abnormale Erwärmung der Oberflächentemperaturen im äquatorialen Pazifik auszeichnet. Der Begriff „El Niño“ stammt aus dem Spanischen und bedeutet „das Christkind“ oder „das Kind“. Er wurde gewählt, weil das Phänomen oft rund um Weihnachten auftritt und von peruanischen Fischern bemerkt wurde.
Normalerweise weht entlang des äquatorialen Pazifiks ein starker Passatwind von Osten nach Westen. Dieser Wind sorgt für eine Kühlung der Oberflächentemperaturen und treibt warmes Oberflächenwasser in den westlichen Pazifik. Bei einem El Niño schwächen sich diese Passatwinde ab oder kehren sich sogar um, wodurch sich das warme Wasser in Richtung des zentralen und östlichen Pazifiks ausbreiten kann.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Foto: Sabine Brose/Sorge



