Droht ein Tropensommer?
„Heftiges Sommer-Update“ für das Wetter in Baden-Württemberg
VonFranziska Schusterschließen
Aktuell steuert die nächste Hitze auf Baden-Württemberg zu. Laut Prognosen könnte das Wetter den gesamten Juli über extrem werden. Auch die Berechnungen für August lassen aufhorchen.
Stuttgart - Das sonnenverwöhnte Baden-Württemberg bekommt im Juli eher wechselhaftes Sommerwetter ab. Wie Prognosen zeigen, steht dem Südwesten in den kommenden Wochen ein „Zick-Zack-Sommer“ bevor. Hitzewellen und Kaltlufteinbrüche samt Gewittern und Schauern wechseln sich ab. Obwohl das Wetter im Juli eher unbeständig auszufallen scheint, ist der aktuelle Sommer auf Rekordkurs. Die ersten Wochen lagen im Bereich der wärmsten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881.
Die kommenden Monate könnten ebenfalls Geschichte schreiben. Das ECMWF-Modell hat neue Ergebnisse zu den Berechnungen für die Monate Juli und August herausgebracht. „Es bleibt dabei: Der Juli und auch der August werden wahrscheinlich wärmer ausfallen, als das langjährige Klimamittel“, kündigt Meteorologe Dominik Jung von wetter.net an. Jedoch kann man „wärmer“ als untertrieben ansehen: Wir steuern beim Wetter in Baden-Württemberg regelrecht auf einen Tropensommer zu. Das verrät der Meteorologe in seinem, wie er es nennt, „heftigen Sommer-Update“.
Wetter in Baden-Württemberg: Juni und Juli 2023 außergewöhnlich heiß
In den vergangenen Tagen meldete der amerikanische Wetterdienst NOAA, dass im Ostpazifik die Wassertemperatur überschritten wurde, die als Schwellenwert für El Niño definiert ist. Das Wetterphänomen El Niño ruft in vielen Teilen der Welt extreme Wetterereignisse hervor. Dürren, Temperaturen von 50 Grad, aber auch Regenmassen mit dramatischen Folgen wie Erdrutschen und Schlammlawinen sind nur einige der weitreichenden Folgen von El Niño. Während das Wetterphänomen unser Wetter in Deutschland und in Baden-Württemberg nicht direkt beeinflusst, hat es dennoch Auswirkungen darauf, welche Tief- und Hochdruckgebiete und wie lange diese hierzulande vorherrschen.
Auch für den Juli sieht es aktuell danach aus, als würde durch die Position Tief- und Hochdruckgebiete immer wieder Heißluft nach Baden-Württemberg strömen. Am kommenden Wochenende (8. und 9. Juli) gelangt Heißluft aus Nordafrika nach Baden-Württemberg und lässt die Temperaturen auf weit über 30 Grad schnellen. Nachdem anschließend die Temperaturen wieder abfallen, droht Mitte Juli die nächste Hitzewelle. Da ist es kein Wunder, dass auch das ECMWF-Modell von einem insgesamt zu warmen Juli ausgeht. In der Südhälfte Baden-Württembergs sollen Temperaturabweichungen von 1 bis 1,5 Grad erreicht werden, in der Nordhälfte sogar 1,5 bis 2 Grad.
Monatsbilanz zum Juli bis einschließlich 5. Juli für ganz Deutschland:
- mittlere Temperatur: +17,2 Grad
- Vergleich zum Klimamittel von 1961 bis 1990: +0,7 Grad
- Vergleich zum Klimamittel von 1991 bis 2020: -1,0 Grad
- Niederschlag: 11 Liter Regen pro Quadratmeter (13 Prozent)
- Sonnenscheindauer: 30 Stunden (14 Prozent)
(Quelle: wetter.net)
Zu dieser Bilanz wird in den kommenden Wochen einiges an Sonnenstunden und dem Temperaturdurchschnitt hinzukommen. Dann werde die negative Abweichung von einem Grad beim Klimamittel 1991 bis 2020 „ziemlich schnell dahinschmelzen“, ist sich Dominik Jung sicher. Bereits das kommende Wochenende (8. und 9. Juli) könnte das bislang heißeste Wochenende 2023 in Baden-Württemberg werden. Kein Wunder, bei diesen vorhergesagten Extremtemperaturen:
| Stadt | Samstag (8. Juli) | Sonntag (9. Juli) |
| Stuttgart | 16 bis 33 Grad | 18 bis 35 Grad |
| Mannheim | 18 bis 35 Grad | 19 bis 38 Grad |
| Heidelberg | 19 bis 33 Grad | 20 bis 36 Grad |
| Karlsruhe | 18 bis 35 Grad | 18 bis 37 Grad |
| Ludwigsburg | 15 bis 34 Grad | 16 bis 35 Grad |
| Heilbronn | 15 bis 34 Grad | 16 bis 37 Grad |
| Freiburg im Breisgau | 17 bis 33 Grad | 21 bis 34 Grad |
(Quelle: wetter.com)
Durch die hohen Temperaturen ist die Bildung von schweren Gewittern im Südwesten begünstigt. Hohe Temperaturen, durch die Gewitter und den Regen hohe Luftfeuchtigkeit könnten für einen „Tropensommer“ sprechen, wie Dominik Jung schon in einer früheren Prognose sagte. Der Regen ist laut ECMWF-Modell in diesem Monat sehr unterschiedlich verteilt. In Teilen des Westens und in der Mitte Baden-Württembergs sollen die Mengen noch im Normalbereich liegen, am Nordrand sowie im Süden und rund um den Schwarzwald sieht die Berechnung ein Regendefizit vorher.
Sommerprognose für August 2023: Monat könnte wie schon der Juni Rekorde brechen
Abkühlung verspricht wohl auch der August 2023 nicht. Zumindest, wenn die Vorhersagen des europäischen ECMWF-Modells zutreffen. Im Norden Baden-Württembergs könnte der Monat im Schnitt 1,5 bis 2 Grad zu warm werden, im Rest des Bundeslandes 1 bis 1,5 Grad. Die Niederschläge sollen dem Modell zufolge im August anders als im Juli ausgeglichen ausfallen. Lediglich im äußersten Nordwesten könnte es etwas zu trocken werden. „Das könnte ein sehr, sehr warmer Sommer werden“, fasst es Dominik Jung zusammen.
Der Juni 2023 hat bereits Wettergeschichte geschrieben: Er belegte Platz sechs der wärmsten Juni-Monate seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Vor allem der Südwesten Deutschlands hatte mit außergewöhnlich hohen Temperaturen und großer Trockenheit im ersten Sommermonat zu kämpfen.
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