Unparteiische im Fokus
UEFA kündigt neue Regel bei der EM an – im Eishockey gibt es sie schon lange
VonPhilipp Kuserauschließen
Wenige Wochen vor dem Start der EM 2024 gibt die UEFA eine neue Regel bekannt. Sie soll vor allem die Schiedsrichter schützen.
Unser Artikel vom 14. Mai 2024: München – Hitzige Schlussphase, beide Teams drängen auf die Entscheidung und plötzlich steht der Schiedsrichter nach einer strittigen Entscheidung im Mittelpunkt. Angepeitscht von der aufgeladenen Atmosphäre im Stadion rennen die Spieler beider Mannschaften auf den Unparteiischen zu und reden lautstark und gestenreich auf ihn ein. Genau dieses Szenario will die UEFA mit einer neuen Regel bei der anstehenden EM 2024 in Deutschland verhindern.
Neue UEFA-Regel bei der EM 2024: Nur Kapitäne sollen nach strittigen Entscheidungen mit Schiri kommunizieren
Die Rudelbildungen nach einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung ist der Europäischen Fußball-Union ganz offensichtlich ein Dorn im Auge. Deswegen dürfen bei der ab 14. Juni beginnenden Europameisterschaft nur noch die Kapitäne beider Mannschaften beim Offiziellen vorstellig werden. Für die EM stehen übrigens bereits alle Schiedsrichter fest.
„Eine Entscheidung zu begründen, wenn 22 Spieler auf einen einreden, ist ein Ding der Unmöglichkeit“, erklärte der UEFA-Schiedsrichterboss Roberto Rosetti in einer offiziellen Mitteilung. „Eine Erklärung ist unter diesen Umständen unmöglich und das Spiel kann rasch aus den Fugen geraten, was dem Ansehen des Fußballs schadet.“
Bei Verstoß gegen neue UEFA-Regel kann Schiedsrichter die Gelbe Karte zeigen
Die neue Regel sieht zudem vor, dass der Schiedsrichter Spieler verwarnen kann, die sich bei der EM nicht an die UEFA-Norm halten. Bildet sich also nach einer Schiri-Entscheidung ein Rudel von Spielern um den Offiziellen herum, droht den entsprechenden Akteuren eine Gelbe Karte.
Laut Rosetti seien die Kapitäne außerdem „dafür verantwortlich, dass ihre Mitspieler den Schiedsrichter respektieren, Abstand halten und ihn nicht bedrängen. Jeder Spieler, der die Rolle seines Kapitäns ignoriert, beim Schiedsrichter reklamiert und/oder sich respektlos verhält, wird verwarnt.“
UEFA orientiert sich bei neuer Schiedsrichter-Regel an andere Sportart
Doch was passiert eigentlich, wenn der Torhüter der Kapitän einer Mannschaft ist? Dieser Fall würde bei der deutschen Nationalmannschaft eintreten, sobald İlkay Gündoğan den Platz verlässt und die Kapitänsbinde beispielsweise an Manuel Neuer weitergibt. Der 38-Jährige war der insgesamt vierte Spieler, der von Bundestrainer Julian Nagelsmann in den offiziellen EM-Kader berufen wurde.
Alle EM-Trikots des DFB seit 1972 in der Übersicht




Für dieses Szenario muss laut der UEFA „ein Feldspieler bezeichnet werden, der als Ansprechpartner fungieren kann, falls sich am anderen Ende des Spielfelds eine umstrittene Szene ereignet“. Tatsächlich ist diese Regel in anderen Sportarten bereits längst etabliert. Im Eishockey beispielsweise ist es auch nur dem Mannschaftskapitän erlaubt, mit dem Schiedsrichter über eine strittige Entscheidung zu diskutieren.
Schiedsrichter sollen Entscheidungen gegenüber Spielern häufiger begründen
Die Unparteiischen sollen also während des Spiels besser geschützt werden von den teils oft aufkommenden Rudelbildungen nach bestimmten Entscheidungen. Im Gegenzug sind die Schiris jedoch auch dazu angehalten, auf dem Platz mehr Transparenz zu zeigen. Strittige Szenen sollen vonseiten der Schiedsrichter gegenüber den Spielern häufiger begründet werden.
„Die Spielleiter werden dazu ermutigt werden, sich offen mit den Kapitänen auszutauschen, um eine respektvolle Atmosphäre zwischen allen Parteien zu schaffen“, sagt Rosetti: „Auf diese Weise können sie eine bedeutende Vertrauensbasis zu den Spielern schaffen und die für moderne Schiedsrichter erforderlichen Führungsqualitäten an den Tag legen.“
Erstmals soll die neue Regel bei der Europameisterschaft in Deutschland greifen – ob sie sich bewährt, wird sich zeigen. Derweil soll es beim anstehenden Sommer-Turnier auch eine Änderung beim Video-Schiedsrichter geben. (kus)
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