Wie schlimm steht es wirklich um die Steelers?
Lex Bietigheim: Steelers erhalten vor dem Schiedsgericht die Lizenz
VonMarc Thorwartlschließen
Das DEL2-Derby der Heilbronner Falken gegen die Bietigheim Steelers ist gesichert. Die Ellentaler erhalten die Lizenz vor dem Schiedsgericht mit massiven Auflagen.
- Schiedsgericht bestätigt Lizenzentzug der Steelers, bietet aber einen Vergleich an.
- Versäumnisse bei der Bearbeitung der Anforderungen zur Erteilung der Lizenz festgestellt.
- Steelers müssen Strafe zahlen und zusätzliches Kapital nachweisen
Schiedsgericht: Schallende Ohrfeige für Steelers-Leitung
Update vom 23. Juli, 16.25 Uhr: Jetzt also doch. Wie die Bietigheim Steelers auf ihrer Homepage bekannt geben, haben sie doch noch die DEL2-Lizenz erhalten. Damit hat sich der Gang des DEL2-Ligisten vors Schiedsgericht letztendlich bezahlt gemacht. Aber für welchen Preis? Das Schiedsgericht urteilt, dass er Lizenzentzug gerechtfertigt war, würdigt aber die Bemühungen der Steelers zur Sicherung des Standortes und schlägt einen Vergleich vor.
Der lässt erahnen, wie schlecht das Management der Steelers gewirtschaftet hat. Die Steelers müssen eine hohe Geldstrafe wegen der Versäumnisse bei der Einreichung der Lizenzierungsunterlagen zahlen. Zudem müssen sie frei verfügbares Kapital ohne Gegenleistung im mittleren, sechsststelligen Bereich nachweisen und einen externen Wirtschaftsprüfer einsetzen, der einen monatlichen Report an die Ligagesellschaft abliefert, wie es um die Sanierungsbemühungen und das Einhalten kaufmännischer Prinzipien im Ellental bestellt ist. Und das Gericht ist fein raus. Hätte es ein Urteil fällen müssen, wäre der Lizenzentzug der Steelers wohl bestätigt worden.
DEL2-Aus der Bietigheim Steelers: Wie geht es jetzt weiter
Update vom 8. Juli, 11.05 Uhr: Die ganze DEL2 blickte gestern nach Bietigheim. Denn für den 7. Juli war dort die Aufsichtsratssitzung in einem nicht benannten Unternehmen anberaumt, die eine existentielle Entscheidung für die Steelers herbeiführen sollte: Die Deckelung der offenen 200.000-Euro-Forderung, an der die Lizenzvergabe der Steelers gescheitert war.
Eines ist klar: Sollten die Mittel nicht freigegeben worden sein, dann ist die DEL2 für die Steelers Geschichte. Hatte sich das Unternehmen bereiterklärt, dem Klub in dieser Situation zu unterstützen, dann müssten die Ellentaler auf das Schiedsgericht hoffen, das ja nicht nur Urteile fällt, sondern auch Vergleiche vorschlagen kann.
DEL2: Klageschrift der Bietigheim Steelers noch nicht eingegangen
Dafür müssen die Steelers eine Klageschrift einreichen. Laut DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch ist das bisher (8. Juli, Stand 10 Uhr) nicht geschehen. Gegenüber echo24.de bestätigte er heute Morgen, dass die Steelers für die Klageschrift eine Woche Zeit haben. Wann genau diese Frist abläuft, wollte er nicht sagen. Zeitgleich stellte er aber auch fest: "Die Steelers haben einen sehr guten Anwalt, der wird die Frist ganz sicher einhalten."
Nach Prüfung aller Clubs der Saison19/20 konnte im Ergebnis des Lizenzprüfungsverfahrens 13Clubs die Lizenz für die Saison20/21 erteilt werden.Die Lizenz für die Bietigheim Steelers musste durch den Aufsichtsrat mit einstimmigem Beschluss verweigert werden.https://t.co/dqDuJc9kRb pic.twitter.com/leVkN8mqky
— DEL2 (@DEL2_News) July 1, 2020
Auch dass bisher keine Wasserstandsmeldung von der Entscheidung des Unternehmens, die Steelers eventuell finanziell zu unterstützen, vorliegt, will der DEL2-Chef nicht überbewerten: "Ich bin mir sicher, dass da noch etwas kommt - in welcher Richtung auch immer. Das hängt ja auch von den Entscheidungswegen im Unternehmen ab, vielleicht muss erst ein Protokoll erstellt und allen zugeschickt werden, bevor eine Bekanntgabe erfolgt."
200.000-Euro-Forderung der DEL2 kam für Bietigheim Steelers nicht überraschend
Verwundert zeigt sich Rudorisch von der Äußerung der Steelers-Verantwortlichen in deren ersten Reaktion, dass die 200.000-Euro-Forderung erst am 24. Juni aufgetaucht sei: "Die Steelers kannten die Bedingungen für die Lizenzierung und wussten bereits beim Einreichen der Unterlagen am 24. Mai, dass diese Summe fehlt. Am 24. Juni haben wir ihnen nur aufgezeigt, dass die Beschaffung dieser Summe die einzige Möglichkeit sei, die Lizenzierung innerhalb der Fristen noch zu erreichen."
Im Sinne aller Beteiligter dürfte klar sein: Es muss eine schnelle Lösung her. Doch bis eine endgültige Entscheidung gefallen ist, könnte es noch einige Wochen dauern. "Wenn wir die Klageschrift erhalten, werden wir eine Klageerwiderung verfassen. Dann muss das Schiedsgericht prüfen. Ich gehe auch davon aus, dass es zu Anhörungen kommt. Bis dann ein Urteil oder ein Vergleich vorgeschlagen wird, wird weitere Zeit verstreichen. Ich denke, dass wir in drei Wochen Klarheit bekommen", erklärt der DEL2-Chef.
DEL2-Aus der Bietigheim Steelers: Oberbürgermeister mit Rundumschlag
Update vom 3. Juli, 10:45 Uhr: Nur wenige Stunden war die DEL2-Lizenzverweigerung für die Bietigheim Steelers bekannt, da hatte Bietigheims Oberbürgermeister Jürgen Kessing schon Schuldige für dieses Desaster gefunden. Bei seinem verbalen Rundumschlag machte er erst die DEL2 dafür verantwortlich, unterstellte ihr unsauberes Gebaren: "Es könne einem schon so vorkommen, als würde die Liga immer neue Auflagen finden, die die Steelers erfüllen müssten", erklärte er gegenüber der Bietigheimer Zeitung. Er sprach von "Stöckchen, die, wie für einen Hund, immer höher gelegt werden".
Dann stellte er alle anderen 13 DEL2-Vereine unter Generalverdacht: "Vielleicht waren die Steelers die einzigen, die ehrliche Zahlen präsentierten?" Verbale Entgleisungen zur Unzeit, schließlich hoffen die Steelers - die als einziger Klub ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatten - auf einen Wiedereintritt in die Liga durch die Schiedsgericht-Hintertür.
Gegner der Heilbronner Falken: DEL2-Chef zum Aus der Bietigheim Steelers
Erstmeldung vom 2. Juli, 11:57 Uhr: René Rudorisch ist derzeit ein gefragter Mann. Das Handy des DEL2-Geschäftsführers klingelt unentwegt. Ihn zu erreichen wird zum Geduldsspiel. Einen Tag nach der Bekanntgabe der Lizenzverweigerung für die Bietigheim Steelers sind nicht nur die Bietigheimer, sondern auch die ganze Liga in Aufruhr.
Im Gespräch mit echo24.de stellt Rudorisch zunächst klar: "Niemand hatte ein Interesse, einen Klub auszuschließen. Die Lizenzverweigerung für Bietigheim erfolgte ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen." Jetzt ruhen die ganzen Hoffnungen der Steelers-Fans auf dem Schiedsgericht. "Das ist ein legitimer Weg, um gegen den Ausschluss vorzugehen. Das Gericht überprüft, ob die Lizenzverweigerung zum Zeitpunkt ihrer Bekanntgabe gerechtfertigt war."
Die Bietigheim Steelers haben eine Woche Zeit für die Klageschrift
Und dann? "Die Steelers müssen innerhalb einer Woche die Klageschrift einreichen. Sollte das Gericht entscheiden, dass die Vorgaben der Lizenzvergabe erfüllt waren, steht einer Rückkehr der Bietigheim Steelers in die DEL2 nichts im Weg."
Also doch noch eine Chance für den Derbygegner der Heilbronner Falken, weiterhin zweitklassiges Eishockey zu spielen? Wohl kaum, denn der Liga-Aufsichtsrat hatte ja die Bilanzen und Kalkulationen der 14 DEL2-Vereine gründlich - und wegen der Corona-Krise sogar wohlwollend - gecheckt und erst dann die Lizenz für die Bietigheim Steelers einstimmig verweigert.
Bietigheim Steelers: So lief das DEL2-Lizenzprüfungsverfahren ab
Rudorisch erklärt: "Die Vereine mussten ihre Unterlagen bis zum 24. Mai einreichen. Nach zwei Wochen haben wir erste Ergebnisse den Vereinen mitgeteilt." Dabei gibt es drei Kategorien. In der ersten sind die, die die Lizenz ohne Auflagen erhalten. In der zweiten Gruppe sind die, die noch Kleinigkeiten nachreichen müssen. Und in der dritten Kategorie sind die Klubs, bei denen erheblicher Nachholbedarf besteht.
Diese letztgenannten Vereine bekommen dann einen Anhörungstermin in der DEL2-Zentrale. Dabei versuchen Klub und Liga gemeinsam, mögliche Lösungsansätze zu finden. Nach der Anhörung haben die Vereine genau eine Woche Zeit, die Bedingungen zu erfüllen. Das ist die letzte Frist, um neue Aspekte zu präsentieren oder Unterlagen einzureichen, ansonsten erfolgt unweigerlich die Lizenzverweigerung. Bei den Bietigheim Steelers war der 30. Juni der Stichtag. Das höchstwahrscheinliche DEL2-Aus hätte auch Auswirkungen auf einen Spieler der HEC Eisbären Heilbronn.
Die Bietigheim Steelers verstoßen gegen verifizierte DEL2-Statuten
Auch die Steelers wurden bei der DEL2 vorstellig. Damals wurde wohl erstmals die jetzt von Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch und dem Steelers-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Kaufmann auf der Vereinsseite kolportierte 200.000 Euro-Forderung laut. Vermutlich die Summe, die bei den Lizenzierungsunterlagen von den Wirtschaftsprüfern als Deckungslücke ausgemacht wurde.
Laut eigener Aussage sehen die Steelers-Verantwortlichen eine Chance, dieses Geld am 7. Juli zu erhalten. Warum wartet man also nicht noch eine Woche? Rudorisch: "Der Zeitrahmen passt nicht mehr. Die Klubs haben selbst die Lizenzierungsordnung vorgegeben. Dort werden verbindliche Fristen gesetzt." Alle Vereine - auch die Steelers - haben diese Lizenzierungsordnung beschlossen und verabschiedet." Somit MUSS den Steelers-Verantwortlichen klar gewesen sein, dass überhaupt keine Chance auf eine Fristverlängerung bis zum 7. Juli bestand.
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